Auktion: 500 / Evening Sale am 17.07.2020 in München Lot 282

 
282
Isa Genzken
Fassade, 1986.
Bronze
Schätzpreis: € 100.000 - 150.000
+
Objektbeschreibung
Fassade. 1986.
Bronze.
An der Unterkante monogrammiert und datiert. Einer von 2 Güssen. 78 x 16 x 21 cm (30,7 x 6,2 x 8,2 in).

• Genzken hat lediglich diese beiden von uns angebotenen Bronzen geschaffen.
• Es handelt sich um die einzigen Exemplare auf dem internationalen Markt, da jeweils nur zwei Güsse gefertigt wurden, von denen das jeweils andere Exemplar im Besitz der Künstlerin verblieben ist
• Da der zweite Guss nachträglich überarbeitet wurde, handelt es sich bei der vorliegenden Bronze um ein Unikat
• Isa Genzken gilt als eine der international bedeutendsten lebenden Künstlerinnen.
• 2007 bespielte Genzken den Deutschen Pavillon auf der Biennale in Venedig
• 2013-2015 zeigten das Museum of Modern Art, New York, das Museum of Contemporary Art, Chicago, und das Dallas Museum of Art eine große Retrospektive.
• Genzken wird international u. a. von den Galerien Buchholz, Berlin, Hauser & Wirth, London/New York/Zürich, und David Zwirner, London/New York, vertreten
.

Die Arbeit ist im unveröffentlichten Werkverzeichnis der Galerie Buchholz, Berlin, unter der Inventarnummer "IG/S 1986/32" verzeichnet.

PROVENIENZ: Privatsammlung Rheinland (1986 direkt von der Künstlerin erworben).

AUSSTELLUNG: Vgl. Isa Genzken, Galerie Fred Jahn, München 1986 (hier wurden Gipsskulpturen gezeigt, u.a. auch der Gips zu "Fassade").

LITERATUR: Isa Genzken, University of Chicago, Renaissance Society Gallery, Chicago; Portikus Frankfurt am Main; Palais des Beaux-Arts, Brüssel; Städtische Galerie im Lenbachhaus 1992-1993, Nr. 84, mit Abb.

Aufrufzeit: 17.07.2020 - ca. 19.23 h +/- 20 Min.

Essay
Isa Genzken gilt nicht nur als eine der vielseitigsten, sondern auch als eine der bedeutendsten deutschen zeitgenössischen Künstlerinnen. Ihr ist meisterhaft gelungen, in über vierzig Jahren ein ausgesprochen vielfältiges und doch zugleich hoch konsistentes skulpturales Œuvre zu schaffen, das sich scheinbar mühelos die unterschiedlichsten Techniken, Materialien und Medien zu eigen macht. Im Anschluss an ihr Kunststudium in Hamburg, Berlin und Düsseldorf, wo sie die Meisterklasse ihres späteren Mannes Gerhard Richter besucht, entwickelt Genzken ein äußerst abwechslungsreiches Schaffen, das neben Skulpturen auch Installationen, Fotografien, Filme, Gemälde und Arbeiten auf Papier umfasst. Ihrem künstlerischen Schaffensdrang hat sie fortan in den unterschiedlichsten Materialien wie Bronze, Holz, Gips, Beton, und Kunststoff Ausdruck verliehen und schließlich vor der Jahrtausendwende auch zunehmend auf Objets trouvés zurückgegriffen. Bei den beiden von uns angebotenen Arbeiten handelt es sich um die einzigen beiden Bronzen Genzkens, die jeweils nur in zwei Güssen ausgeführt worden sind und von denen sich der jeweils andere Guss im Besitz der Künstlerin befindet und u.a. nachträglich farblich überarbeitet wurde. Beide Bronzen sind bereits 1986 entstanden und sind damit zudem seltene und besonders frühe Beispiele für Genzkens zentrales Interesse an der Interaktion von Form und Raum, wie es für ihr weiteres skulpturales Schaffen fortan prägend sein wird. Wie die Titel der beiden von uns angebotenen Werke "Fassade" und "Steiner" verdeutlichen, stehen hier Themen der Architektur im Zentrum von Genzkens Schaffen. Neben unseren beiden Bronzen entstehen innerhalb dieses Werkkomplexes noch zahlreiche Gipsskulpturen der Künstlerin, die in stilistisch entsprechender Weise ebenfalls zentralen Aspekten der Architektur gewidmet sind, wie u. a. "Kirche", "Turm", "Ming Pei" oder "Hardenberg". Genzkens erster New-York-Besuch mit gerade 16 Jahren löste eine Begeisterung für diese einzigartige Stadt und für Architektur im Allgemeinen aus, die sie ihr Leben lang prägen wird. Das Empire State Building hat der Künstlerin immer besonders imponiert und es könnte auch Genzkens zentrale Inspiration für die aufsteigend konzipierte Bronze "Fassade" gewesen sein. Auch die kompakter angelegte Arbeit "Steiner", die ihren besonderen Reiz durch das aus der Fläche nach vorne ausgreifende Element erhält, ist von der minimalistischen Formensprache moderner Hochhausarchitektur inspiriert, wie sie für den Stadtmenschen Genzken seit ihrer Jugend einen besonderen Reiz hat. Bis heute kommt der Frage nach dem räumlichen Potenzial der Skulptur und dem skulpturalen Potenzial der Dinge eine zentrale Rolle in Genzkens künstlerischem Schaffen zu, die auch in Modellen zu Outdoor-Projekten, wie sie zuletzt 2019 in der Kunsthalle Bern zu sehen waren, bis hin zu der Frage nach der Beziehung zwischen Mensch und Welt, Individuum und umgebendem Raum gesteigert wird.

Genzken, die international u. a. von den Galerien Daniel Buchholz, Berlin, Hauser & Wirth, London/New York/Zürich, und David Zwirner, London/New York, vertreten wird, nimmt zwischen 1982 und 2002 drei Mal an der Documenta in Kassel teil. 2007 repräsentiert sie Deutschland mit ihrer Installation "Oil" auf der Biennale von Venedig, für die der Pavillon von außen mit roten Planen verhängt wird. Nachdem Genzkens vorrangig skulpturales Schaffen seit der Jahrtausendwende gleich in mehreren internationalen Einzelausstellungen präsentiert wird, zeigen die Whitechapel Art Gallery in London und das Museum Ludwig in Köln 2009 eine erste umfassende Werkschau. 2013/14 ehrt das Museum of Modern Art, New York, die deutsche Künstlerin, die international zu den herausragendsten Vertreterinnen zeitgenössischer Kunst zählt, mit einer großen Retrospektive, die anschließend auch im Museum of Contemporary Art, Chicago, und im Dallas Museum of Art zu sehen ist. Bereits wenig später folgt unter dem Titel "Mach Dich hübsch!" 2015/16 eine weitere Retrospektive im Stedelijk Museum, Amsterdam, und im Gropius Bau, Berlin. [JS]
 


Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Isa Genzken "Fassade"
Dieses Objekt wird regel- oder differenzbesteuert angeboten.

Berechnung bei Differenzbesteuerung:
Zuschlag bis einschließlich € 500.000: 32 % Aufgeld
Zuschläge über € 500.000: Teilbeträge bis einschließlich € 500.000 32 %, Teilbeträge über € 500.000 27 % Aufgeld
Das Aufgeld enthält die Umsatzsteuer, diese wird jedoch nicht ausgewiesen.

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Zuschläge über € 500.000: Teilbeträge bis einschließlich € 500.000 25%, Teilbeträge über € 500.000 20 % Aufgeld, jeweils zuzüglich der gesetzlichen Umsatzsteuer

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Bei Objekten, deren Künstler nicht bereits vor mindestens 70 Jahren verstorben ist, fällt eine Folgerechtsumlage i.H. von 2,4 % inklusive der gesetzlichen Umsatzsteuer an.