Auktion: 498 / Kunst des 19. Jahrhunderts am 18.07.2020 in München Lot 578

 
578
Moriz Melzer
Kampf um die Fahne, Um 1908.
Öl auf Leinwand, auf zwei durch Scharniere verb...
Schätzung:
€ 7.000
Ergebnis:
€ 13.750

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Kampf um die Fahne. Um 1908.
Öl auf Leinwand, auf zwei durch Scharniere verbundenen Keilrahmen.
Links oben signiert. 129,5 x 420 cm (50,9 x 165,3 in).

PROVENIENZ: Aus dem Nachlass des Künstlers.
Galerie Berinson, Berlin.
Ketterer Kunst, München, Auktion 342, 03.12.2008, Los 61 (mit Abb.).
Privatsammlung (2008 vom Vorgenannten erworben).

AUSSTELLUNG: Neue Secession, Galerie Maximilian Macht, Berlin, 1910, Nr. 29.
Moriz Melzer: Streben nach reiner Kunst - Werke von 1907 bis 1927, Kunstforum Ostdeutsche Galerie, Regensburg, 16.12.2007-2.3.2008, Kat.-Nr. 5 (mit Abb. auf S. 34/35).

"[In] 'Kampf um die Fahne' fesselt ein prachtvoll-draufgängerisches Temperament, das sich an Rubens geschult hat, aber dort das Gelernte mit modernem Farbensinn ausnutzt."
Zit. nach: "Ausstellungen von Werken Zurückgewiesener der Berliner Sezession 1910", Kunstchronik, 21. Jg., Nr. 27, 27. Mai 1910, S. 441.

Essay
Nach anfänglicher Tätigkeit als Keramikmaler studiert Moriz Melzer in Weimar in der Klasse von Ludwig von Hofmann, dessen bewegt-tänzerischer Stil ihn beeinflusst. 1909 stellt er erstmals bei der Berliner Sezession aus. Ein Jahr später wird er dort von der Jury zurückgewiesen und organisiert im Folgenden den Zusammenschluss der Neuen Sezession, an deren erster Ausstellung 1910 sich auch die Mitglieder der Künstlergruppe „Brücke“ beteiligen, mit Max Pechstein als erstem Präsident. Hier wird auch unser Werk zusammen mit dem großformatigen „Ufer der roten Insel“ erstmals der Öffentlichkeit präsentiert und stößt auf positive Resonanz. Deutlich zeigt sich hier das Bestreben, den Anschluss an die internationale, insbesondere französische Moderne zu wahren – neoimpressionistische und neoklassizistische Vorbilder wie Georges Seurat, Paul Signac und Maurice Denis waren bereits auf Bestreben von Ludwig von Hofmann, Henry van de Velde und vor allem Harry Graf Kessler in zahlreichen Ausstellungen in Weimar zu sehen gewesen. Klar erkennbar ist in unserem Werk die intensive Beschäftigung Melzers mit den neoimpressionistischen Theorien, bei denen nicht nur einzelne Tupfen nebeneinandergesetzt werden, sondern durch die Gegenüberstellung von Komplementärkontrasten höchste Farbwirkung erzielt werden soll, gesteigert hier noch durch die grünen, blauen und orangenen Haare der Frauen. Die friesartige, bewegte Komposition mit den sich biegenden, muskulösen Körpern erinnert an seinen Lehrer Ludwig von Hofmann, bei dem ebenfalls die Bewegungen der Figuren die Bildfläche dynamisieren. Eine eindeutige Ikonografie konnte jedoch bisher nicht zugrunde gelegt werden, wenngleich entfernt auf das antike Motiv einer Amazonenschlacht zu verweisen ist. Melzer vereint in ganz eigener Ausdrucksweise pointillistische Techniken in bunter Farbigkeit mit einem skulptural-modellierenden neuen Klassizismus, in dem die in heroischer Nacktheit auftretenden Frauen und Männer im Kampf um die Fahne Ruhm und Ehre für ihr Geschlecht zu erringen suchen. [KT]
578
Moriz Melzer
Kampf um die Fahne, Um 1908.
Öl auf Leinwand, auf zwei durch Scharniere verb...
Schätzung:
€ 7.000
Ergebnis:
€ 13.750

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
 


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