Auktion: 498 / Kunst des 19. Jahrhunderts am 18.07.2020 in München Lot 577

 
577
Ludwig von Hofmann
Tanzfries, 1912.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 60.000
Ergebnis:
€ 64.375

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Tanzfries. 1912.
Öl auf Leinwand.
Rechts oben mit Künstlermonogramm. Verso auf dem Keilrahmen handschriftlich nummeriert und mit alten Etiketten, u.a. des Leipziger Kunstvereins, dort nummeriert "2627" und "4068", sowie der Galerie Commeter, Hamburg. 84,5 x 174,5 cm (33,2 x 68,7 in).

• Eines der großformatigen Leinwandgemälde mit Tanzmotivik
• Aus der künstlerisch bedeutsamen Weimarer Zeit
.

Mit einer ausführlichen schriftlichen Expertise von Frau Dr. Annette Wagner-Wilke, Kabern, vom 18. August 2010.

PROVENIENZ: Sammlung Carl Niemann, Bielefeld (wohl um 1920 erworben, seither in Familienbesitz).
Ketterer Kunst, München, Auktion 370, 29.10.2010, Los 1179 (mit Farbabb.).
Privatsammlung (vom Vorgenannten erworben).

AUSSTELLUNG: Einer handschriftlichen Ausstellungsliste Ludwig von Hofmanns, die sich auf einige ausgewählte Gemälde bezieht, sind weitere Ausstellungsteilnahmen zwischen 1912 und 1915 zu entnehmen, auf denen die Arbeit gezeigt wurde: 1912 - Kunstverein Lübeck. 1913 - Galerie Gurlitt Berlin. 1914 - Galerie Caspari München. 1915 - Kunstverein Naumburg, Oberhessischer Kunstverein Gießen, Kunstverein Wiesbaden, Kunstverein Leipzig, Museum Weimar. Ohne Jahresangabe - Galerie Commeter, Hamburg (verso mit dem Etikett, dort nummeriert "N° 1801").
Einzelausstellungen:
Ludwig von Hofmann - Erstmaliger Überblick über das Schaffen des Künstlers 1891-1916, Galerie Arnold, Dresden, 10. Januar - Mitte Februar 1917, Nr. 32.
Sonderausstellung Ludwig von Hofmann - Hessische Kunstausstellung Darmstadt 1917, Mathildenhöhe, Darmstadt, 14.6.-30.9.1917, Nr. 15.

LITERATUR: Botho Graef, Die künstlerische Welt in den Bildern Ludwig von Hofmanns, in: Zeitschrift für Bildende Kunst, Band 52, 1917, S. 133-144.

Essay
Ludwig von Hofmann ist, wie viele Künstler um die Jahrhundertwende, von lebensreformerischen Strömungen beeinflusst, insbesondere der Tanz zählt zu den aktuellen und zentralen Themen dieser Zeit. Auch Hofmann ist inspiriert von den berühmten Schleiertänzen Isadora Duncans und dem Ausdruckstanz Mary Wigmans, 1906 steht ihm Ruth Saint Denis, berühmt für ihre fernöstlichen Tempeltänze, Modell. Die Bandbreite der zahlreichen Tanzdarstellungen im Werk Hofmanns reicht von antiken, kultischen Tänzen über harmonische Reigentänze zu avantgardistischem Tanz mit expressionistisch und rhythmisch bewegten Körpern. Häufig stellt Hoffmann die Tänze in freier Natur dar, verbunden mit dem Motiv des Idylls. 1905 erscheint seine Mappe "Tänze" mit zwölf Lithografien, 1919 folgt die Mappe „Rhythmen“. Die Mappen konzentrieren Hofmanns ganze künstlerische Dynamik und stehen beispielhaft für sein Schaffen zu jener Zeit. Die Bewegung des Auges beim Nachverfolgen der ornamentalen Linienführung aktiviert nach damaligen Kunsttheorien ebenso innere geistige Bewegung, so beispielsweise auch die Thesen Henry van de Veldes, mit dem Hofmann in seiner Weimarer Zeit Bekanntschaft schließt. Für den Wandgemäldezyklus der von van de Velde gestalteten Museumshalle der Kunstgewerbe-Ausstellung in Dresden 1906 wählt er dementsprechend den Tanz als Motiv für drei der sechs Gemälde (heute Klassik-Stiftung-Weimar). Harry Graf Kessler, Ideengeber und Berater beim Projekt der Museumshalle, hatte Hofmann ebenfalls ermutigt, auf den Motiven der "Tänze"-Mappe aufzubauen. In Weimar gehört Hofmann zu der von Harry Graf Kessler initiierten, gegen die repressive Berliner Kunstpolitik gerichtete Bewegung „Neues Weimar“, aus der schließlich das Bauhaus hervorgehen sollte. Ab 1916 an der Dresdner Kunstakademie als Professor für Monumentalmalerei, hatte sich Hofmann bereits früh dem Großformat zugewendet. Bereits in den 1890er Jahren entstehen erste große Gemälde sowie Entwürfe für Wandbilder. Inspiration findet Hofmann zum Einen während seiner Romreisen im Studium antiker Wandbilder und italienischer Renaissance-Fresken, zum Anderen während seines Aufenthaltes in Paris 1889/90 in Arbeiten von Puvis de Chavannes und Paul-Albert Besnard. Besonderen Einfluss auf Hofmann hat auch die 1892 in München gezeigte Hans-von-Marées-Ausstellung. Anschließend findet Hofmann zu einem ganz individuellen Stil mit Anleihen an die Linearität des Jugendstils und zugleich expressionistischer Geometrisierung der Form. Die matte Oberfläche und die Rauheit der Leinwand zitieren die Haptik architekturaler Fresken, Verweise auf antike Reliefs entstehen durch die plastische Modellierung der Körper vor der Farbfläche. Durch die betonten Konturen und die wogenden Tücher entsteht ein dynamischer Eindruck zwischen Spiel, Leibesertüchtigung und Tanz. [KT]
577
Ludwig von Hofmann
Tanzfries, 1912.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 60.000
Ergebnis:
€ 64.375

(inkl. 25% Käuferaufgeld)