Auktion: 502 / Klassische Moderne II am 18.07.2020 in München Lot 348

 
348
Ernst Ludwig Kirchner
Sitzender und liegender Akt am Strand, Um 1913.
Aquarell und Rohrfeder
Schätzpreis: € 20.000 - 30.000
+
Objektbeschreibung
Sitzender und liegender Akt am Strand. Um 1913.
Aquarell und Rohrfeder.
Rechts unten signiert. Auf glattem gelblichem Velin. 39,3 x 46 cm (15,4 x 18,1 in), Blattgröße.

• Erotische Szene im Berliner Atelier
• Frivoler Moment mit spielerischer Bewegung
• Schnelle Federzeichnung in Kirchners herausragender Kraft
.
Dieses Werk ist im Ernst Ludwig Kirchner Archiv Wichtrach / Bern dokumentiert.

PROVENIENZ: Nachlass des Künstlers.
Christian Laely, Davos (1946 aus vorgenanntem Nachlass entnommen und der fiktiven "Sammlung Gervais" zugeordnet).
Privatsammlung Süddeutschland.
Privatsammlung Deutschland.
Privatsammlung Großbritannien (seit 2013).

LITERATUR: Hauswedell & Nolte, Hamburg, Auktion 369, 7.12.2002, Los 780.
Karl & Faber, München, Auktion 250, 7.6.2013, Los 613.

Aufrufzeit: 18.07.2020 - ca. 14.48 h +/- 20 Min.

Essay
Dass sich Ernst Ludwig Kirchner Zeit seines Lebens für das verruchte, aber auch bunte Leben in Bordellen, Bars, Cafés und Theatern begeistern lässt, ist heute keine umfangreiche Meldung mehr wert. Auch beim Arbeiten im Atelier ist Kirchner von frivolen Geschichten begeistert und ermuntert seine Modelle, erotische Szenen nicht nur zu mimen, sondern auch aktiv umzusetzen. Ihn interessiert der menschliche Körper im angespannten Höhepunkt der Bewegung und im Ausklang der Entspannung. Mit diesem Aquarell hier scheint Kirchner die emotionale Annäherung zweier Personen zu illustrieren. In der für Kirchner schnellen, fast hektischer Federzeichnung skizziert er die Umrisse der Körper, um sodann mit Aquarell nicht nur den Raum für die bewegte Szene zu erfassen, sondern die Agierenden darin zu behaupten. Diese ekstatische Zeichnung gehört in das Umfeld erotischer Serien, die Kirchner in seinen Ateliers mit den befreundeten "Modellen" provoziert und Details mit Zeichnungen, Aquarellen, in Skizzenbüchern und druckgrafischen Folgen in deutlich erotischer Absicht festhält, etwa mit den 1910 in Dresden entstehenden „Erotischen Szenen“ (Gercken 484ff.), respektive in Berlin aufreizende Anbahnungen zwischen Kokotte und Freier in einem scheinbar caféhausähnlichen Boudoir inszeniert (Gercken 751 und 752). Für Kirchner bildet das Erlebnis des Unmittelbaren, die unverfälschte, knisternde Wiedergabe des Gesehenen wie in dieser spontan bewegten Federzeichnung die breite, existenzielle Grundlage für sein Tun. [EH/MvL]
 


Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Ernst Ludwig Kirchner "Sitzender und liegender Akt am Strand"
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