Auktion: 496 / Evening Sale am 06.12.2019 in München Lot 103

 
103
Alexej von Jawlensky
Bunte Blumen, 1915.
Öl
Schätzpreis: € 140.000 - 180.000
+
Objektbeschreibung
Bunte Blumen. 1915.
Öl auf strukturiertem Velin, auf Leinwand aufgezogen.
Jawlensky/Pieroni-Jawlensky 729. Links oben signiert und datiert. 52,6 x 49,4 cm (20,7 x 19,4 in).

- Seltenes Zeugnis von Jawlenskys unkonventionellem, freiem Geist.
- Von unwiderstehlicher Intensität.
- Frühes Stillleben aus Jawlenskys Zeit im schweizerischen Exil.
- Namhafte Provenienz
.

PROVENIENZ: Kunstsalon Wolfsberg, Zürich (ab 1916, auf dem Keilrahmen mit dem Etikett).
Paul Kantor Gallery, Beverly Hills (ab 1957, auf dem Keilrahmen mit dem Galerieetikett).
Sammlung Dr. Pedro Vallenilla, Caracas.
Privatsammlung Paris (1962-1967).
The New Gallery, New York (auf dem Keilrahmen mit dem Galerieetikett).
Sammlung Herbert Kende, Los Angeles (ab 1967).
Galerie Thomas, München.
Privatsammlung Köln.

AUSSTELLUNG: Cuno Amiet, H. Berger, E. Egger, Alexej Jawlensky, Arthur Segal, Kunstsalon Wolfsberg, Zürich, Juli bis August 1916, wohl Kat.-Nr. 69, betitelt "Blumen, Fantasie" (ohne Abb.).

LITERATUR: Sotheby’s, London, 5.7.1962, Lot 312 (mit Abb. S. 167).
Sotheby’s, London, 26.4.1967, Lot 67 (mit Abb. S. 122).

Aufrufzeit: 06.12.2019 - ca. 17.05 h +/- 20 Min.

Essay
Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges mussten alle Russen, so auch Alexej von Jawlensky, Deutschland binnen zwei Tagen verlassen. Er entscheidet sich im Gegensatz zu Wassily Kandinsky, der nach Moskau zurückkehrt, in die Schweiz auszureisen und sich in St. Prex am Genfer See in der Nähe von Freunden niederzulassen. Mit der Ausreise lässt Jawlensky nicht nur viele persönliche Dinge in München zurück, sondern - so scheint es - auch die Themen und den Stil seiner bisherigen Malerei. Der mit seinem Aufenthalt in Bordighera im Frühjahr 1914 sich andeutende Malstil von nochmals gesteigerter, lichter Expressivität in spielerisch inszenierten Motiven begleiten den Künstler in sein neues Domizil, wo erstmals die in sein Bildprogramm tief eingreifenden Variationen, die ersten Serien entstehen. Das Werk "Bunte Blumen" erscheint somit wie eine entspannende Unterbrechung, ein tiefes Durchatmen in der umfänglichen Anzahl der "Variationen über ein landschaftliches Thema", womit Jawlensky über einen längeren Zeitraum täglich mehrmals seinen Blick aus dem Fenster auf den Vorgarten, die Bäume, den Himmel über dem Weg zum See zu einem charakteristischen Spiel zwischen Formen und Farben festhält, "inspiriert von der jeweiligen Naturstimmung mit meinem Geist", so Jawlensky in seinen Lebenserinnerungen. Aufgeblüht, scheinbar wild gestikulierend sich dem Licht entgegenstreckend, malt Jawlensky diese sommerlichen Blumen in einer ebenso farbig gefassten Vase auf hellblauem Grund vor tiefvioletter Wand. Das überall gegenwärtige, kräftige Orange belebt die Komposition, bestimmt den Tenor des durch und durch fröhlich anmutenden Motivs. Es sind nicht nur einfach heftig und expressiv gemalte sommerliche Gartenblumen wie gelber Sonnenhut, rote Zinnien, rotschwarze Cosmea, gelbe Lilie, roter Mohn und andere, die dem Betrachter in einem wild zusammengesteckten Blumenstrauß begegnen, vom Künstler mit schierer Mallust und unbekümmert porträtiert; dieser verkörpert in seiner Zusammenstellung Jawlenskys freien Geist, seine immerwährende Unabhängigkeit von Konventionen, die in dieser unwiderstehlichen Intensität nicht nur in den Farbkontrasten spürbar ist. [MvL]
 


Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Alexej von Jawlensky "Bunte Blumen"
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