Auktion: 490 / Kunst des 19. Jahrhunderts am 22.11.2019 in München Lot 16

 
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Adolf Gottlob Zimmermann
Judith mit dem Haupt des Holofernes, Ca. 1843.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 8.000 - 10.000
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Objektbeschreibung
Judith mit dem Haupt des Holofernes. Ca. 1843.
Öl auf Leinwand.
Links unten signiert. 117,8 x 91,5 cm (46,3 x 36 in).

Wir danken Claudia Maria Müller, Staatliche Kunstsammlungen, Dresden, und Kai Wenzel, Kulturhistorisches Museum, Görlitz, für die wissenschaftliche Beratung.

PROVENIENZ: Sammlung Hans Helmut Geller (1894-1962), 1946 bis 1947 Intendant der Staatlichen Museen, Dresden.
Privatsammlung Nordrhein-Westfalen (1999 durch Erbfolge vom Vorgenannten erhalten).

Aufrufzeit: 22.11.2019 - ca. 17.15 h +/- 20 Min.

Essay
Die nachfolgend angebotenen Gemälde von Adolf Zimmermann stammen aus der Sammlung des Kunsthistorikers Hans Geller (1894-1962). Die Sammlung Gellers,von 1946 bis 1947 Intendant der Staatlichen Museen in Dresden, umfasst zahlreiche Handzeichnungen und Gemälde namhafter deutscher Künstler des frühen 19. Jahrhunderts. Ein besonderes Augenmerk der Sammlung liegt jedoch auf dem Schaffen des Nazareners Adolf Zimmermann, dem Urgroßvater Gellers, dessen Werkverzeichnis er unter dem Titel “Ein Jünger der göttlichen Kunst. Das Lebensbild des Nazareners Adolf Zimmermann” 1934 in Görlitz publiziert.
Das Schaffen Zimmermanns ist der religiösen Historienmalerei verpflichtet, in der er Chance wie Verpflichtung sieht: “Es kommt darauf an, […] daß der Glaube uns wieder mehr zur andern Natur, das natürliche Leben wieder mehr vom Glauben durchdrungen werde. Und da hat allerdings die Kunst eine vermittelnde Stellung, in ihr erscheint das Positive unbefangen und frei von dogmatischer Ängstlichkeit, die heilige Überlieferung nicht mehr als zweifelhafte Sage oder als Gegenstand streitiger Deutung, sondern als wirkliche Historie. Hier ist die Schärfe des Verstandes mit der Innigkeit der Empfindung verschmolzen, hier kann das Gemeinsame für die Gebildeten und das Volk gefunden werden.” (zit. nach A. Zimmermann, in: Geller 1934, S. 34f.). Zur Malerei kommt Zimmermann nach einer ersten Ausbildung am Herrnhuter Pädagogium in Niesky. Anstelle einer Ausbildung zum Handwerker – wie vom Vater gewünscht – vefolgt Zimmermann ein Studium an der Kunstakademie in Dresden. Gefördert durch seinen Patenonkel, GrafAdolf Friedrich Abraham von Gersdorf, studiert Zimmermann hier von 1818 bis 1825 bei dem Historienmaler Ferdinand Hartmann und dem Porträtmaler Johann Carl Rößler Malerei. Neben dem Studium der klassischen Altertümer, stehen auch Reisen nach Neapel und Capri auf dem “Lehrplan”. In Rom macht Zimmermann zudem Bekanntschaft mit den Nazarenern Ludwig Richter, Friedrich Overbeck, Julius Schnorr von Carolsfeld oder Bonaventura Genelli. Die Künstlergruppe der Nazarener, die die Erneuerung der Kunst nach dem Vorbild der altdeutschen und altitalienischen Malerei anstrebt, steht überwiegend dem Katholizismus nahe. Die Ansicht, die wahre biblische Historienmalerei sei nur aus dem Geiste des alten (katholischen) Christentums zu erschaffen, bewegte nicht wenige Künstler zur Konversion. So sind es vermutlich religiöse Streitigkeiten, die den treu-evangelischen Zimmermann 1829 schließlich zu seiner Rückkehr nach Deutschland bewegen. Werke wie die hier angebotene “Anbetung” von 1830 legen jedoch ein klares Zeugnis von der künstlerischen Geistesverwandtschaft Zimmermanns mit seinen römischen Künsterkollegen ab: die klare Figurenzeichnung mit Betonung der Umrisslinie, die warme bis pastellige Farbgebung, die der Darstellung einen etwas entrückenden Schleier verleiht sowie nicht zuletzt die Lichtführung, die den Blick auf die wichtigsten Figuren im Bild leitet und ein dramatisches Element in die von stillem Ernst erfüllte Komposition einführt. Bei unserer “Anbetung” ist dies besonders augenfällig, in der – neben dem himmlischen Licht von oben – auch das Christuskind selbst als Lichtquelle fungiert. Eine ähnliche theatrale Dramatik spricht auch aus den anderen beiden, hier angebotenen Bildwerken, einem Büßerporträt (ca. 1840) und einer “Judith mit dem Haupt des Holofernes“ (ca. 1843). Von letzterer ist eine weitere Version bekannt, die Zimmermann 1843 an den Düsseldorfer Kunstverein verkauft (vgl. Geller 1934, Tfl. 19). Nach Düsseldorf kommt Geller, der nach seiner Rückkehr aus Italien einige Jahre in Dresden und Münster lebt,durch seine Bekanntschaft mit Wilhelm von Schadow. Schadow, der Direktor der Düsseldorfer Kunstakademie und Mitbegründer der Düsseldorfer Malerschule, nimmt Zimmermann in seine Meisterklasse auf. Doch auch die Düsseldorfer Schaffensphase soll durch religiöse Streitigkeiten ein jähes Ende finden – diesmal zwischen den an der Akademie tätigen zumeist evangelischen Künstlern und den eingesessenen, katholischen Rheinländern für die der Direktor Schadow - selbst Konvertit – Partei ergreift. Letztendlich siedelt Zimmermann 1846 nach Breslau über, wo er vor allem als Bildnismaler ein Auskommen findet. Einen wichtigen Auftraggeber für seine biblischen Historien findet er jedoch in dem Fürstbischof Heinrich II. Förster, der den feierlichen Ernst und die satte Farbigkeit der Werke Zimmermanns zu schätzen weiss. Das schwindende Augenlicht Zimmermanns kündigt schließlich das Ende seiner künstlerischen Karriere an. Am 17. Juli 1859 stirbt Adolf Zimmermann in Breslau. Seine Werke befinden sich heute vor allem in kirchlichem und musealen Besitz, darunter die Berliner Nationalgalerie, die StaatlichenKunstsammlungen Dresden sowie das Kulturhistorische Museum Görlitz. Letzteres konserviert die wohl umfangreichste Sammlung von Werken Adolf Zimmermanns, darunter auch die Vorzeichnung zu der hier angebotenen “Anbetung”. [FS].
 


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