Auktion: 490 / Kunst des 19. Jahrhunderts am 22.11.2019 in München Lot 38

 
38
Max Liebermann
Schreitender Bauer, 1894.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 50.000 - 70.000
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Objektbeschreibung
Schreitender Bauer. 1894.
Öl auf Leinwand.
Eberle 1894/9. Rechts unten signiert und datiert. Verso mit verschiedenen handschriftlichen Nummerierungen und alten Etiketten. 101,5 x 71 cm (39,9 x 27,9 in).

Wiederentdeckung eines seit Jahrzehnten verschollen geglaubten Werks.
Weit ausgearbeitete Ölstudie zu dem gleichnamigen zerstörten Monumentalgemälde, das sich im Museum Königsberg befunden hat.
Aus der bedeutenden Berliner Sammlung Max Böhm
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PROVENIENZ: Paul Cassirer, Berlin 1914 (laut Hancke 1914), 1917 verkäuflich.
Sammlung Max Böhm, Berlin 1923.
Rudolph Lepke, Berlin, Auktion der Sammlung Max Böhm, 28.11931, Los 31 (o. Abb.).
Privatsammlung Johannsen (wohl Sammlung des Malers Theodor Johannsen, Hamburg, 1868-1934. Auf vorgenannter Auktion für 8000 RM erworben lt. Katalogannotationen).
Galerie Commeter, Hamburg (verso mit dem Etikett).
Privatsammlung Hamburg (in langjährigem Familienbesitz, durch Erbgang an den aktuellen Besitzer).

AUSSTELLUNG: Max Liebermann Gemälde-Handzeichnungen, Kestner Gesellschaft, Hannover 1916 (verso auf dem Keilrahmen mit dem Ausstellungsetikett, hierauf handschriftlich nummeriert "52", im Kat. abweichend Nr. 15, m. Abb.).
Max Liebermann, Ausstellung zum 70. Geburtstag, Königliche Akademie der Künste, Berlin Juli-August 1917, Nr. 110 ("Der Mann in den Dünen", verkäuflich, o. Abb.).
Ausstellung der Sammlung Max Böhm, Preußische Akademie der Künste, Berlin Juni-Juli 1930, Nr. 32.

LITERATUR: Erich Hancke, Max Liebermann. Sein Leben und seine Werke, Berlin 1914, S. 536 (Werkkatalog), Abb. S. 329 (auch: Hancke 1923, 2. Auflage, S. 328-329, Abb. S. 329).

Aufrufzeit: 22.11.2019 - ca. 17.37 h +/- 20 Min.

Essay
Holland, das Liebermann erstmals im Jahr 1871 und ab dann regelmäßig besucht, liefert dem Künstler mehrere seiner wichtigsten Motive. Darunter auch das hier angebotene Werk, bei dem es sich um eine Studie zu Liebermanns monumentalem Gemälde mit einem einsam durch die Dünen wandernden "Kaaskopers" - einem von Dorf zu Dorf ziehenden Käsekäufer mit auf den Rücken geschnallter Kiepe - handelt (vgl. Eberle 1894/10). Das nahe Zandvoort vor der Natur gemalte, zwei Meter hohe Gemälde hing bis zu seiner kriegsbedingten Zerstörung im Jahr 1944 im Museum Königsberg. Liebermann bereitet seine monumentale Leinwand in mehreren Studien vor, die den Bauern mal als Halb-, mal als Ganzfigur wiedergeben (vgl. Eberle 1894/7-1894/9). Dabei dokumentieren die einzelnen Studien die immer energischer werdende Inszenierung des Bauern, dessen Gehen von Studie zu Studie zu einem schnellen Schreiten mit immer weiter ausgreifenden Armen wird. Bei dem hier angebotenen Werk steht die endgültige Anlage der Figur im Wesentlichen fest. Nur kleinere Details variieren noch leicht, wie der bei unserem Werk noch relativ hoch angesetzte Horizont. Durch diesen entsteht eine ausgeprägte Untersicht, die der Darstellung ein überraschend heroisches Element verleiht: Wir, die Betrachter, sehen zu dem in stoischer Beharrlichkeit durch die einsamen Dünen wandernden Bauern auf. Diese "Entrückung" spiegelt die alltägliche Realität des Dargestellten sowie auch die des Künstlers wider: "Das Kunstwerk soll den Menschen als Produkt seines Milieus, seiner Lebensumgebung darstellen. [..] Dieses Modell [der Kaaskoper] [..] ist die einsamste Figur, die er [Liebermann] bis dahin gemalt hatte. [..] Er ist unterwegs von irgendwo nach irgendwohin, er gehört zu keiner Gemeinschaft, zu keinem Dorf, er arbeitet alleine. Natur ist ihm nur noch unwegsames, wenn auch vertrautes Gelände, nichts, das er bebaute oder bepflanzte. [..] Dieser Mann trägt die Verbindung mit jener ländlichen Lebensform nur noch auf dem Rücken mit sich herum - wie der Maler seine Utensilien: bei aller Vertrautheit mit dem Terrain im Grunde ein Fremder." (zit. nach: Eberle, S. 418). [FS]
 


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