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Auktion: 489 / Evening Sale am 07.06.2019 in München Lot 169

 
Objektbeschreibung
Portrait de Georges Limbour. Um 1946.
Öl auf Papier , auf Leinwand kaschiert.
Loreau III 101. Rechts unten signiert. 41,7 x 31,5 cm (16,4 x 12,4 in). Leinwand: 42 x 32,5 cm ( 12,8 x 16,5 in).
[CH].
- In Dubuffets Œuvre seltenes Porträt im Profil.
- Aus einer der wichtigsten Schaffensphasen des Künstlers vor seiner zweiten Einzelausstellung in Paris.
- Eindrucksvoller Beweis seiner im selben Jahr begonnenen Experimente in Material und Technik
.
Wir danken der Fondation Dubuffet, Paris, für die freundliche wissenschaftliche Beratung.

PROVENIENZ: Galleria Blu, Mailand.
Sammlung Antonio Spada, Brescia.
Galerie Craven, Paris (verso mit dem auf der Leinwand befestigten Galerieetikett).
Sammlung Dr. Ferdinand Krüppel, Neuss.
Privatsammlung Nordrhein-Westfalen.

AUSSTELLUNG: La figura. 55 presenze dell’arte contemporanea, Galleria Narciso, Turin 14.5.-16.6.1966, Kat.-Nr. 26.

"I feel that beauty is merely an accidental and very specious convention. I feel that the things which are reputed to be ugly are so reputed without reason, and are no less beautiful than the things reputed to be beautiful."
Jean Dubuffet, zit. nach: Ausst.-Kat. Jean Dubuffet. The First Two Decades 1943-1963, The Elkon Gallery, New York 30.10.-23.12.1986, Introduction.

Essay
Die hier angebotene, eindrucksvolle Arbeit stammt aus einer sehr bedeutenden Werkphase im Œuvre Jean Dubuffets. Erst zu Beginn der 1940er Jahre widmet er sich nach einer mehrjährigen kreativen Pause erneut der Malerei und beginnt mit bereits 42 Jahren seine eigentliche kreative Arbeit. Das Porträt zeigt den französischen Schriftsteller, Dichter und Kunstkritiker Georges Limbour, zu dem der Künstler seit Kindertagen eine enge Freundschaft pflegt. Während seiner künstlerischen Karriere fertigt Dubuffet insgesamt acht Porträts des Freundes an, der für ihn nicht nur persönlich, sondern auch für seine Karriere eine so wichtige Rolle spielt. Als Limbour zusammen mit dem befreundeten Kritiker Jean Paulhan 1943 Dubuffets Atelier besucht, ist der Künstler noch gänzlich unbekannt. Paulhan macht Dubuffet mit dem Pariser Galeristen René Drouin bekannt und ein Jahr später trägt das Zusammentreffen Früchte - es folgt Dubuffets erste Einzelausstellung, gefolgt von einer zweiten im Jahr 1946, dem Entstehungsjahr der hier vorliegenden Arbeit. Das Werkverzeichnis fasst sie unter den Porträts zusammen, die Dubuffet selbst als "Plus beaux qu’ils croient" bezeichnet. Die Arbeiten zielen nicht auf Schönheit oder Ähnlichkeit ab - der Künstler vermeidet, in solchen Kategorien zu denken. Vielmehr zeigt sich hier die sich in diesen Jahren bahnbrechende unkonventionelle Experimentierfreudigkeit und der außerordentliche Erfindungsreichtum des Künstlers. 1946 - im Entstehungsjahr unseres Werkes - beginnt Dubuffet erstmals mit ungewöhnlichen Materialien zu arbeiten. In seine Farben mischt er nun beispielsweise Staub, Sand oder Bindfäden und erhält so eine aufgeraute, haptische Oberfläche, die sich im Laufe der Jahre zu einer fast gespachtelten Masse weiterentwickelt, in die der Künstler mit unterschiedlichen Werkzeugen Kerben hineinritzt. Unsere Arbeit steht am initialen Moment dieser Entwicklung - die Oberfläche ist bereits körnig, fast Teer-ähnlich und dort, wo Dubuffet die Farbe wegkratzt und das warme Braun der Grundierung zum Vorschein kommt, zeichnen sich deutliche Kerben im Papier ab. Die neuartige, experimentelle Vorgehensweise, die das gesamte spätere Schaffen Dubuffets prägen wird, ist hier bereits deutlich auf Papier gebannt. Wenige Monate nach der Entstehung der hier angebotenen Arbeit eröffnet Dubuffet 1947 im Keller der Galerie Drouin das Foyer de l’Art Brut - ein bedeutender Schritt, der 1953 unter anderem in der Abhandlung "Tableau bon levain à vous de cuire la pâte. L’Art brut de Jean Dubuffet" des hier Porträtierten Georges Limbour mündet. Der von Dubuffet geprägte Begriff "Art brut" ist noch heute gebräuchlich und bezeichnet die antiakademische und autodidaktische Kunst von Laien, Kindern und Menschen mit psychischen Erkrankungen oder Behinderungen. [CH]
169
Jean Dubuffet
Portrait de Georges Limbour, Um 1946.
Öl auf Papier
Nachverkaufspreis: € 100.000
+
 


Weitere Abbildungen
Jean Dubuffet - Portrait de Georges Limbour - Rahmenbild
Rahmenbild
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