Auktion: 484 / Kunst des 19. Jahrhunderts am 24.05.2019 in München Lot 51

 
51
Edvard Munch
Badende Kvinner (Badende Frauen), 1895.
Kaltnadelradierung und Aquatinta
Schätzung:
€ 15.000
Ergebnis:
€ 13.750

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Badende Kvinner (Badende Frauen). 1895.
Kaltnadelradierung und Aquatinta.
Woll 18V (von XV). Schiefler 14b/III (von b/III). Signiert sowie mit der Signatur des Druckers und dessen Bezeichnung "Badende Weiber". Aus einer Auflage unbekannter Höhe. Auf leichtem, chamoisfarbenen Karton. 22,1 x 32,1 cm (8,7 x 12,6 in). Papier: 43,7 x 59,7 cm (17,2 x 23,5 in).
Gedruckt von Otto Felsing, Berlin.

Wir danken Herrn Magne Bruteig, ehem. Chefkurator für Drucke und Zeichnungen am Munch-Museum, Oslo, für die wissenschaftliche Beratung.

PROVENIENZ: Privatbesitz Süddeutschland.

Essay
Der norwegische Maler und Grafiker Edvard Munch beginnt nach einem abgebrochenen Ingenieurstudium 1881 mit einer grafischen Ausbildung in Oslo. Bis 1884 studiert er hier u. a. bei dem Bildhauer Julius Middelthun und dem Maler Christian Krogh. Schon bald ist Munch als selbständiger Maler tätig, der mit seinem ihm eigenen Stil das Interesse der breiten Öffentlichkeit weckt. Seine Berliner Ausstellung 1892, die auf Einladung des Vereins Berliner Künstler hin stattfindet, verursacht einen Skandal und führt zur Gründung der Berliner Sezession.
Richtungsweisend für das grafische Schaffen Munchs sind die ersten Parisaufenthalte um 1890 und der damit verbundene Kontakt zur zeitgenössischen französischen Kunst, darunter die Werke von Toulouse-Lautrec, van Gogh, Gauguin und den Symbolisten. In der Folge wird die Formensprache Munchs deutlich reduzierter und durch den Einsatz neuer bildnerischer Mittel gleichsam ausdrucksstärker. Es formiert sich langsam ein bleibender Themenkatalog, der einerseits Munchs persönliche Erfahrungen verarbeitet, aber gleichsam auch allgemeingültige Erfahrungen des Menschen im Bereich psychischer Vorgänge und existenzieller Bedrohung umkreist: Angst, Krankheit, Tod, Einsamkeit und Eifersucht sind hier Grundaspekte, die sich in der Malerei und auch den grafischen Arbeiten Munchs mit ihrer expressiven und oftmals dramatischen Formen- und Farbsprache widerspiegeln. Besonders bei der Grafik führt die Sparsamkeit der Mittel zu einer Eindringlichkeit der Aussage, die damals wie heute nachhaltig auf ihren Betrachter wirkt.
Auch unser Werk brilliert durch eine reduzierte, mit einfachen Linien und Flächen gestaltete Formensprache, in der Munch das klassische Thema der Badenden bearbeitet. Zwei Frauenakte stehen an der Küste - eine die Haare auswringend, die andere mit einem weißen Tuch vor der Scham. Eine dritte Figur sehen wir als Rückenakt im Wasser davonschwimmen. Munch schafft hier mehr als die Darstellung eines sommerlichen Idylls, wie es dem Thema oftmals innewohnt. Nicht zuletzt durch die spezifische Gestaltung klingen hier dem Zeitgeist entsprechende Themenkomplexe wie die Darstellung der Frau als große Verführerin im Sinne einer "Susanna im Bade" an sowie die Beziehung zwischen Mensch und Natur. Das Bad als Verbindung mit der Natur und sinnliche Erfahrung wirkt hier gleichsam als Symbol einer Sinnsuche des Menschen in der Welt.
Nach einer schweren Nervenkrise kehrt Munch, der sich bis 1908 vorwiegend in Paris und Deutschland aufhält, nach Norwegen zurück. 1937 werden 82 Werke Munchs aus deutschen Museen von den Nationalsozialisten als "entartet" diffamiert und verkauft. Aufgrund einer Augenkrankheit, die sich bereits 1930 ankündigt, wird die Arbeit für den Maler zunehmend erschwert. 1944 stirbt Munch auf Ekely. Seinen Nachlass vermacht er der Stadt Oslo, die damit 1963 das Munch-Museum eröffnet. [FS]
51
Edvard Munch
Badende Kvinner (Badende Frauen), 1895.
Kaltnadelradierung und Aquatinta
Schätzung:
€ 15.000
Ergebnis:
€ 13.750

(inkl. 25% Käuferaufgeld)