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Auktion: 489 / Kunst des 20./21. JH I am 07.06.2019 in München Lot 98

 
Objektbeschreibung
Häuser. Um 1952.
Öl auf Leinwand.
Seel 756. Verso auf der Leinwand mit dem Nachlassstempel des Künstlers. 45 x 55,7 cm (17,7 x 21,9 in).
Zwei Arbeiten von Werner Gilles mit derselben bedeutenden Provenienz finden Sie in unserem Auktionskatalog der 486. Auktion, Young Collectors III. [CH].
- Hauptwerk aus Heldts bedeutendster Schaffensphase.
- Bedeutende Provenienzen: ehemals Sammlung Eberhard Seel (Werkverzeichnisverfasser) und Hubertus Wald (Stifter des Ausstellungstrakts "Hubertus-Wald-Forum" in der Hamburger Kunsthalle).
- Namhafte, fünf Jahrzehnte überspannende Ausstellungshistorie
.

PROVENIENZ: Galerie Reitzenstein-Seel/Sammlung Eberhard Seel, Berlin.
Sammlung Hubertus Wald, Hamburg (1956 erworben).
Privatsammlung Baden-Württemberg (2012 erworben).

AUSSTELLUNG: Moderne Malerei aus Frankfurter Privatbesitz, Frankfurter Kunstverein, Frankfurt am Main 16.3.-28.4.1963, (mit sw-Abb.).
Werner Heldt 1920-1954, Kestner-Gesellschaft, Hannover 8.3.-7.4.1968, Kat.-Nr. 105, (mit sw-Abb.).
Werner Heldt. Berlin am Meer (Bilder und Graphik von 1927 bis 1954), Galerie Brusberg, Berlin 5.9.-31.10.1987, o. Kat.-Nr., m. Farbabb. S. 63 (auf dem Rahmen mit dem Galerieetikett).
Werner Heldt, Kunsthalle Nürnberg, 2.12.1989-11.2.1990; Berlinische Galerie, Museum für moderne Kunst, Photographie und Architektur, Martin-Gropius-Bau, Berlin 23.2.-15.4.1990; Kunsthalle Bremen, 25.5.-8.7.1990, Kat.-Nr. 36, m. Farbabb. S. 120 (auf dem Rahmen mit dem entsprechenden Transportetikett).
Sammlung Wald. Glanzstücke der Malerei des 20. Jahrhunderts, Hamburger Kunsthalle, 17.9.-23.11.2003.
Werner Heldt, Hans Uhlmann. Zwei Retrospektiven, Galerie Brusberg, Berlin, 25.01.-29.03.2003, Kat.-Nr. 47, (mit Farbabb.).

LITERATUR: Die Sammlung Hubertus und Renate Wald, Hamburg 1998, S. 116 (mit Farbabb. S. 117).
"Werner Heldt zeigt in ,Häuser' einen Ausblick auf Berlin, der über die Nachkriegszeit hinaus weist. Melancholie und Wiederaufbau verschmelzen zu einem symbolhaften Bild."
Dr. Verena Hein, Kunsthistorikerin und Bilddramaturgin der Bayerischen Staatsoper München.

Aufrufzeit: 07.06.2019 - ca. 17.12 h +/- 20 Min.

Essay
Die Malerei des Künstlers, Schriftstellers und Lyrikers Werner Heldt ist eng mit seiner Heimatstadt Berlin verbunden. Dort verbringt er seine gesamte Kindheit, Schulzeit und seine weiterführende künstlerische Ausbildung. Als junger Mann besucht er zunächst einige Kurse an der Berliner Kunstgewerbeschule, studiert dann aber von 1925 bis 1930 an der damaligen Hochschule für die Bildenden Künste in Charlottenburg. "[Heldt] sprach von dieser Gegend des alten Berlin, von ihrer heimlichen Atmosphäre, ihrer verschlossenen Poesie wie ein liebender Sohn. Es ist nicht genug, wenn man sagt, dass er Berlin liebte. Die Stadt war für ihn der einzig mögliche Lebensraum, nur hier konnte er atmen, nur diese Stadt ist der Inhalt seines Werks", schreibt der befreundete Künstler Alfred Hentzen (Hentzen im Jahr 1973, zit. nach: Ausst.-Kat. Werner Heldt. Berlin am Meer, Galerie Brusberg, Berlin 5.9.-31.10.1987, S. 7). Unmittelbar nach der Machtergreifung Hitlers flüchtet Heldt 1933 nach Mallorca, kehrt aber schon 1935 nach Berlin zurück. Dort lebt und arbeitet er in einer lebendigen Ateliergemeinschaft in der Klosterstraße, zusammen mit zum Teil von den Nationalsozialisten geächteten Berliner Künstlern wie Käthe Kollwitz, Hermann Blumenthal und Werner Gilles, mit dem ihn bald eine enge Freundschaft verbindet. Über seinen Nachbarn Werner Heldt schreibt Werner Gilles damals dem ebenfalls befreundeten Künstler Alfred Hentzen: "Hier gegenüber wohnt ein Maler, den Du kennenlernen musst. Er malt ganz anders als ich, aber ich finde seine Bilder wunderbar." (Alfred Hentzen im Jahr 1973, zit. nach: ebd.). Der lebenslange Austausch zwischen Heldt und seinem Malerfreund Gilles ist für beide sowohl menschlich als auch künstlerisch von großer Bedeutung und führt zu gegenseitiger kreativer Befruchtung. Als Heldt im November 1940 an die Front berufen wird, steht er mit Gilles weiterhin in regelmäßigem Kontakt, schreibt ihm ehrliche, oft sorgenvolle Briefe. In der Nachkriegszeit verfestigt sich die Künstlerfreundschaft im Schatten der ähnlich erlebten und empfundenen Kriegsjahre und beide werden Mitglieder im 1950 neu gegründeten Berliner Künstlerbund. Für Werner Heldt beginnt nun - nach etwa fünfzehn Jahren der künstlerischen Entbehrung - eine besonders kraftvolle, schöpferische Schaffenszeit, bestärkt und getrieben von den allgegenwärtigen und fast apokalyptischen Veränderungen in seiner geliebten Stadt. Die zerstörte Heimat prägt sein gesamtes Œuvre dieser Zeit enorm, sodass die nun entstehenden Werke bis heute zu den gefragtesten Arbeiten des Künstlers zählen. Heldt verbindet die meist als Fensterausblick dargestellten Straßenbiegungen und Stadtansichten nun vermehrt mit im Vordergrund angeordneten Stillleben, deren Gegenstände er in den 1950er Jahren immer stärker abstrahiert und monumentalisiert, die Stadt zur hintergründigen Kulisse und die Grenze zwischen Innen- und Außenraum zu einem fließenden Übergang in einem nicht mehr exakt zu bestimmenden Raumgefüge werden lässt. Das hier angebotene Gemälde mit dem für Heldt so typischen Rhythmus aus unterschiedlich geformten, abwechselnd farbigen, dann farblosen, mal gänzlich fensterlosen und mal durchfensterten Häuserfronten in verhaltener, aber dennoch sehr expressiver Bildsprache gilt als eines der Hauptwerke dieser wichtigen Schaffensperiode, was sich auch in der beeindruckenden Ausstellungshistorie widerspiegelt. Zwei Jahre nach Entstehung der hier angebotenen Arbeit und auf dem Höhepunkt seiner künstlerischen Karriere stirbt Werner Heldt 1954 unerwartet während eines Besuchs bei dem im Süden weilenden Werner Gilles in Sant’Angelo auf Ischia.
1956 gelangt das Gemälde in die große Sammlung des Hamburger Unternehmers und Mäzens Hubertus Wald (1913-2005), dessen Sammlungsfokussierung auf der Kunst des 20. Jahrhunderts liegt und sowohl bedeutende Werke der "Brücke"-Zeit, des Dadaismus, des Kubismus und Fauvismus, der Neuen Abstraktion wie auch des Abstrakten Expressionismus und des Informel umschließt. 1993 entsteht die Hubertus-Wald-Stiftung zur Förderung medizinischer Forschung und kultureller Einrichtungen wie etwa den Hamburger Symphonikern und Museen. 2006 wird die Sammlung Hubertus und Renate Wald dann im Hubertus-Wald-Forum in der Hamburger Kunsthalle gezeigt, einem Ausstellungstrakt, dessen Ausbau der Mäzen im Jahre 2004 finanziert hatte. [CH]
98
Werner Heldt
Häuser, Um 1952.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 80.000 - 120.000
+
 


Weitere Abbildungen
Werner Heldt - Häuser - Rahmenbild
Rahmenbild
Werner Heldt - Häuser - Weitere Abbildung
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