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Auktion: 489 / Evening Sale am 07.06.2019 in München Lot 156

 
Objektbeschreibung
Champ dynamique. 1962.
Acryl auf Hartfaserplatte.
WVZ 256 (2018 Reiter). Verso signiert, monogrammiert, datiert, betitelt und mit "Paris" sowie mit der Richtungsangabe und einem Richtungspfeil bezeichnet. 122 x 126,5 cm (48 x 49,8 in).

- Aus der frühen Pariser Zeit.
- Zeigt Fruhtrunks endgültige Überwindung des starren Konstruktivismus hin zu seiner ganz individuellen konkreten Malerei
.

Essay
Die leuchtend-farbkräftigen Arbeiten Günter Fruhtrunks visualisieren mit ihrer strukturalen Verwendung von Form und Farbe und der abstrakt-geometrischen Aufteilung der Bildfläche die wesentlichen Neuerungen der gegenstandslosen Bildsprache in der Malerei nach 1945 und bestätigen Fruhtrunk als einen der herausragendsten Vertreter der konkreten Kunst wie der deutschen Nachkriegskunst im Allgemeinen. Die hier angebotene Arbeit entsteht 1962 während eines mehrjährigen Aufenthalts in Paris. Hier kommt er unter anderem mit der Kunst Auguste Herbins und Victor Vasarelys in Kontakt. Inspiriert von den optisch verwirrenden Arbeiten Vasarelys, beginnt Fruhtrunk die zuvor stets isolierten, festen und fassbar-geometrischen Formen in lange, ineinander verschachtelte und verdichtete Farbbahnen umzuwandeln. Obwohl ihm die Arbeiten des französischen Künstlers dabei helfen, die Grenzen des Konstruktivismus und der geometrischen Abstraktion im Allgemeinen zu überschreiten, ahmt Fruhtrunk nicht dessen gleichmäßige Raster nach, sondern entwickelt in den späten 1950er und frühen 1960er Jahren dann eine ganz individuelle Bildsprache - eine dynamischere Spielart der konkreten Malerei aus teils kleinteiligen, linienförmigen und geschichteten Strukturen. In dieser Zeit schieben sich die vom Künstler verwendeten geometrischen Formen mehr und mehr ineinander und beginnen sich zu überlagern. Zwischen dargestellter geometrischer Figur und Bildgrund wird nun nicht mehr unterschieden - die Formengebilde füllen und überspannen die gesamte Bildfläche. Mit Geduld, Präzision und Selbstdisziplin schafft der Künstler eine strukturierte Farbfläche, in der er durch Überschneidungen und diagonale Verschiebungen der einzelnen Formen und Flächen die Illusion von räumlich vor- bzw. hintereinander angeordneten Elementen erzielt. Die Spuren des Malens werden dabei nicht wirklich offen gelegt, zu fein und zu präzise sind die vom Künstler gesetzten Pinselstriche. Es entsteht eine vibrierende Dynamik zwischen Form und Farbe, die den Bildraum gleichzeitig auch zu destabilisieren scheint. "Immer wieder taucht bei ihm der Anschein von Regelmäßigkeit auf, von Stabilität - aber eigentlich nur, um einer näheren Überprüfung nicht standzuhalten - Die Prinzipien des Bildaufbaus lassen sich nicht entschlüsseln, die Logik ist immer eine falsche, die Ordnung immer eine Illusion." (Florian Illies, Dem Sehen zuschauen, in: Peter Kirchhoff, Günter Fruhtrunk. Serigraphien, Berlin 2016) Die Malerei Günter Fruhtrunks wie auch die hier angebotene Arbeit konfrontiert und fasziniert den Betrachter mit einer außergewöhnlichen Farbintensität, kräftigen Kontrasten wie Hell-Dunkel-Gegensätzen und dem charakteristischen Spiel von Verschiebung und Überschneidung - das Sehvermögen wird stark beansprucht und herausgefordert. [CH]
156
Günter Fruhtrunk
Champ dynamique, 1962.
Acryl auf Hartfaserplatte
Nachverkaufspreis: € 70.000
+
 


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Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Günter Fruhtrunk "Champ dynamique"
Dieses Objekt wird regelbesteuert angeboten.

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Zuschlag bis einschließlich € 500.000: 25 % Aufgeld zuzügl. der gesetzlichen Umsatzsteuer
Zuschläge über € 500.000: Teilbeträge bis einschließlich € 500.000 25%, Teilbeträge über € 500.000 20% Aufgeld, jeweils zuzüglich der gesetzlichen Umsatzsteuer

Berechnung der Folgerechtsabgabe:
Bei Objekten, deren Künstler nicht bereits vor mindestens 70 Jahren verstorben ist, fällt eine Folgerechtsumlage i.H. von 1,5% zuzüglich der gesetzlichen Umsatzsteuer an.
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