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Auktion: 484 / Kunst des 19. Jahrhunderts am 24.05.2019 in München Lot 37

 
Objektbeschreibung
Beim Antiquar. 1871.
Öl auf Leinwand.
Neidhardt 19. Rechts unten signiert, datiert und bezeichnet "München". 118,5 x 89 cm (46,6 x 35 in).

-Frühes Hauptwerk von musealer Qualität und namhafter Provenienz
-Feine Interieurdarstellung mit subtil-humoristischer Figurenzeichnung
.

PROVENIENZ: Sammlung Georg Schäfer, Schweinfurt.
Hauswedell & Nolte, Hamburg, Auktion am 13. Juni 2002, Los 288 (aus der Sammlung des Vorgenannten, m. Farbabb. Tfl. 4).
Galerie Bassenge, Berlin, Auktion am 27. Mai 2011, Los 6117 (m. Farbabb.).
Privatsammlung Nordrhein-Westfalen.

AUSSTELLUNG: Internationale Kunst-Ausstellung im Münchner Glaspalast 1879, Kat. S. 23, Nr. 575.
Gotthard Kuehl 1850-1915, hrsg. von Gerhard Gerkens und Horst Zimmermann, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Galerie Neue Meister, Dresden 28.3.-6.9.1993; Museum für Kunst und Kulturgeschichte der Hansestadt Lübeck - Benhaus, Lübeck 20.6.-22.8.1993, Kat.-Nr. 19 (m. Farbabb. S. 98).

LITERATUR: Friedrich von Boetticher, Malerwerke des 19. Jahrhunderts, Dresden 1891-1901 (Nachdruck 1969), Bd. I.2, S. 52, Nr. 5.

Essay
Neben bekannten Namen wie Max Liebermann, Lovis Corinth und Max Slevogt gehört Gotthardt Kuehl zu den führenden Künstlern des deutschen Frühimpressionismus. Nach einem dreijährigen Studium an der Dresdner Kunstakademie, wechselt Kuehl 1870 an die Akademie in München in die Klasse von Wilhelm von Diez. Die 1870er Jahre, in deren Anfang unser Werk datiert, sind geprägt durch Kuehls stilistische Hinwendung zu den modernen Tendenzen in der Malerei, die nicht zuletzt durch einen längeren Aufenthalt in Paris begründet ist.
Bei dem hier angebotenen Gemälde handelt es sich um ein bedeutendes Frühwerk Gotthardt Kuehls, der hier auf subtil humoristische Weise den Besuch eines Ehepaars der gehobenen Gesellschaft beim Antiquitätenhändler thematisiert. Auffällig ist die für Kuehl so typische, detaillierte Schilderung des Ambientes und die feine Charakterisierung seines Bildpersonals. Ohne sich sklavisch an die historische Korrektheit der Mode zu halten, spricht aus dem Bild deutlich die Atmosphäre eines gründerzeitlichen Rokoko. Die sprechende Gestik und ausgeprägte Mimik aller Figuren erlauben es, einen Dialog zwischen diesen zu ersinnen und die Darstellung gleichsam einer Theaterszene zu verlebendigen: Die vorgebeugte Haltung der Dame, ihre lässig in die Hüfte gestützte Linke und eifrig die mitgebrachte Handlupe schwingende Rechte suggerieren ihr aufgefahrenes Laienwissen, dem der betagte Antiquar mit geduldig-erklärender Geste entgegentritt. Bei dem Mann in Weiß handelt es sich wohl um den Gatten der Dame, der in einem Manuskript recherchiert. Welchem der Artefakte, die nach keinem erkennbaren System an Wand und Boden verstreut sind, die Diskussion gilt, bleibt unklar. Ein weiterer Kunde scheint angesichts der kleinen, ambitonierten Gelehrtengesellschaft lieber den Rückzug anzutreten, während der Hund des Ehepaares noch zögert, ob er es ihm nicht lieber gleichtun sollte.
Deutlich sind hier noch die Anklänge eines akademisch geprägten Naturalismus im Schaffen Kuehls zu spüren, der sich erst später einer freieren Licht- und Farbgestaltung im Sinne des Impressionismus zuwendet. Typisch für die frühen Arbeiten Kuehls ist die besonders reizvolle Kombination aus einer spannungsvollen Interieurdarstellung, wie sie auch für sein späteres Schaffen exemplarisch ist, und einem sozial gefärbten Genrebild, das eine spezifische Gesellschaftsschicht im historischen Kostüm humoristisch porträtiert. So lässt sich im Werk Kuehls der Übergang von naturalistischen Alltagsbeobachtungen, wie sie bei unserem Frühwerk zum Tragen kommen, zu eher impressionistisch geprägten Momentaufnahmen eindrücklich nachvollziehen. [FS]
37
Gotthardt Kuehl
Beim Antiquar, 1871.
Öl auf Leinwand
Nachverkaufspreis: € 18.000
+
 


Weitere Abbildungen
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