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Auktion: 489 / Evening Sale am 07.06.2019 in München Lot 165

 
Objektbeschreibung
Mann mit weißem Hemd. 1993.
Holzskulptur, farbig gefasst.
Figur: 47,2 x 15,5 cm (18,5 x 6,1 in). Gesamtmaße: 167,2 x 38,5 x 28,5

- Starke räumliche Präsenz durch Aufsockelung auf Augenhöhe des Betrachters und Vereinzelung der Figur.
- Der Mann im weißen Hemd ist als Archetyp schon im frühen Schaffen Balkenhols vertreten.
- Charakteristische Holzarbeit von hohem Wiedererkennungswert
.

PROVENIENZ: Privatsammlung Nordrhein-Westfalen.

Essay
Archetypische Verhaltensmuster menschlicher Existenz und Empfindung beschwören die bildhauerischen Skulpturen des 1957 im hessischen Fritzlar geborenen Künstlers Stephan Balkenhol. Dieser studiert von 1976 bis 1982 an der Hamburger Hochschule für bildende Künste in der Bildhauerklasse des streng minimalistisch arbeitenden Künstlers Ulrich Rückriem. Nach zwei Stipendien erhält Balkenhol 1988/89 einen Lehrauftrag an der Hamburger Kunsthochschule. Im Anschluss lehrt er bis 1991 an der Frankfurter Städelschule. Seit 1992 ist die Staatliche Kunstakademie in Karlsruhe sein Wirkungsort.
Die Suche der deutschen Künstler seit den 1980er Jahren nach neuen Formulierungsmöglichkeiten und Sinngebungen alltäglichen Materials manifestiert sich deutlich auch im Werk von Balkenhol. Seit etwa 1982 bestimmen die unmittelbar aus dem Holzblock herausgeschlagene, meist überlebensgroße menschliche Figur und der Kopf sein Schaffen. Mit traditionellem Werkzeug bearbeitet Balkenhol das Holz, das er als lebendige Substanz empfindet. So bleiben Riefen, Schrunden, Splitter und Risse sichtbar und verweisen auf den bildhauerischen Arbeitsprozess. Die Figur, der Kopf, das Gesicht - in seinem körperlichen Volumen akzentuiert durch Farbmarkierungen - werden umschrieben, gelegentlich mit der Nähe zum Porträthaften und immer mit einer gewissen "Familienähnlichkeit", doch stets auch mit dem notwendigen Maß an Verallgemeinerung, das die große Form sucht. Ohne jegliches Kennzeichen von subjektiver Befindlichkeit und Emotion und frei von soziologischen und sozialkritischen Bezügen wirken die Figuren autonom und allein aus ihrer Präsenz, deren verallgemeinernde Unbestimmbarkeit ein existenzielles Lebensgefühl des postmodernen Menschen verdeutlicht. Der hier angebotene Mann im weißen Hemd steht exemplarisch für diesen künstlerischen Ansatz Balkenhols. In seiner "Alltagsuniform" aus weißem Hemd und schwarzer Hose sowie lässiger Körperhaltung könnte er alles sein, alles tun und denken, alles repräsentieren. Durch den hohen Sockel mit dem Betrachter auf Augenhöhe gebracht, wird er zur idealen Projektionsfläche der eigenen Sinnsuche. Der Mann im weißen Hemd ist als Archetyp so wirkungsvoll, dass er in verschiedenen Abwandlungen, Körperhaltungen und Kontextualisierungen schon im frühen Schaffen Balkenhols vertreten ist und bis heute eine Konstante bildet. [FS]
165
Stephan Balkenhol
Mann mit weißem Hemd, 1993.
Schätzung:
€ 30.000
Ergebnis:
€ 78.750

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
 


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