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Auktion: 488 / Kunst nach 1945 / Zeitgenössische Kunst II am 08.06.2019 in München Lot 577

 
Objektbeschreibung
Game 5 x 5. 1980/81.
Acryl auf Holz , jeweils auf Holz montiert und in schwarzer Künstlerleiste gerahmt. Fünfteilig.
Jeweils rechts unten signiert und datiert sowie links unten betitelt. Verso handschriftlich mit "1" bis "5" nummeriert und jeweils mit Richtungspfeil bezeichnet. Jeweils ca. 35,2 x 35,3 cm (13,8 x 13,8 in). Rahmenmaß: jeweils 36,5 x 36,5 cm ( 14,3 x 14,3 in).
Jeweils verso mit größtenteils unleserlichen polnischen Zollstempeln. [CH].

PROVENIENZ: Privatsammlung Nordrhein-Westfalen.

Aufrufzeit: 08.06.2019 - ca. 15.32 h +/- 20 Min.

Essay
Bereits in den 1960er Jahren erschafft Ryszard Winiarski erste, nach mathematischen Regeln der Logik und Statistik konzipierte, hochgradig programmatische Werke, weshalb man ihn häufig als einen der Vorreiter der europäischen Konzeptkunst bezeichnet. An der Technischen Universität in Warschau studiert Winiarski bis 1959 zunächst Feinmechanik und erwirbt seinen Abschluss als Maschinenbauingenieur, bevor er 1960 sein Studium der Malerei an der Warschauer Kunstakademie aufnimmt. Seine Abschlussarbeit beschäftigt sich bereits mit der Theorie einer programmierbaren Malerei. Um die seinen Arbeiten der folgenden Jahre innewohnenden, außergewöhnlichen Eigenschaften angemessen zum Ausdruck zu bringen, bezeichnet Winiarski seine meist auf Holz oder Leinwand ausgeführten Arbeiten selbst nicht als Gemälde, sondern als „Felder“ bzw. als „Bestrebungen einer visuellen Darstellung von statistischen Verteilungen“ (übersetzt und zit. nach: https://culture.pl/en/artist/ryszard-winiarski). Die Ideen bzw. die seinen Kunstwerken unterliegenden jeweiligen Regeln und Konzepte beziehen sich auf wissenschaftliche Überlegungen der Informatik, der Wahrscheinlichkeitstheorie, auf Regeln der Statistik oder der Spieltheorie. Zusätzlich verfolgt Winiarskis malerisches Schaffen eine möglichst vereinfachte künstlerische Ausdrucksweise. So kommt seine visuell auch mit der Op-Art verwandte Kunst ganz ohne Emotionen und Subjektivität, ohne menschliches bzw. persönliches Eingreifen in den streng geplanten Ablauf des Schaffensprozesses aus und ist zudem losgelöst von jeglicher Darstellung der realen Welt. Mit der Verwendung einer stark eingegrenzten Farbpalette von Weiß und Schwarz zieht der Künstler einen Bogen zum System des Binärcodes in der Informatik. Denn wie auch in der hier angebotenen Arbeit unterteilt der Künstler in seiner Werkserie „Gry“ (Games/Spiele) den Bildträger stets in gleichgroße, wiederum aus kleinen quadratischen Kästchen bestehende Quadrate, welche im logischen Verlauf des Schaffensprozesses entweder weiß bleiben oder mit schwarzer Farbe ausgefüllt werden. Der Prozess und die Reihenfolge dieses „Ausfüllens“, dieses „Spiels“, folgt den zuvor vom Künstler festgesetzten Regeln, die er manchmal schlichtweg dem Zufall überlässt, indem er Würfel, Münzwürfe, ein Roulettespiel oder eine entsprechend programmierte Software zur Entscheidungsfindung verwendet. In anderen Arbeiten herrscht wiederum ein zuvor festgelegtes System: So auch in der hier vorliegenden fünfteiligen Arbeit, die aus fünf einzelnen „Spielen“ besteht, links unten nummeriert bzw. betitelt als „first“, „second“, „third“, „fourth“ und „fifth game“. Die Bildträger sind in jeweils 5 x 5 = 25 Quadrate aufgeteilt, die wiederum jeweils aus 5 x 5 = 25 kleinen quadratischen Kästchen bestehen. Während im ersten „Spiel“ zunächst das allererste Kästchen schwarz gemalt wird, trifft es im zweiten Spiel als erstes das Zweite, im dritten das Dritte usw. Welche Kästchen dann als nächstes schwarz gemalt werden unterscheidet sich ebenfalls von „Spiel“ zu „Spiel“. Während im „first game“ kein Kästchen übersprungen wird, überspringt der Maler im zweiten „Spiel“ stets ein Kästchen, im dritten dann zwei usw. Dieser Prozess wird so lange fortgeführt, bis das jeweils letzte Quadrat eines jeden Spiels ausschließlich aus schwarzen Kästchen besteht. Mit seinem Schaffen strebt Winiarski nach einer Entmystifizierung der Rolle des Künstlers, der hier nicht mehr als allmächtiges Genie, sondern lediglich als Lieferant von Ideen auftritt, um den Betrachter mit seiner gelungenen Übertragung von wissenschaftlicher Grundlagen in die Sphären der bildenden Kunst zu logischem und kreativem Denken zu inspirieren. Die Grenzen des Kunstbegriff werden ausgelotet, die traditionelle Definition und Funktion eines Kunstwerks umgeschrieben. [CH]
577
Ryszard Winiarski
Game 5 x 5, 1980/81.
Acryl auf Holz
Schätzpreis: € 30.000 - 40.000
+
 


Weitere Abbildungen
Ryszard Winiarski - Game 5 x 5 - Rahmenbild
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