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Auktion: 484 / Kunst des 19. Jahrhunderts am 24.05.2019 in München Lot 47

 
Objektbeschreibung
Faun und Bacchusknabe. 1905.
Öl auf Leinwand.
Voss 273. Rechts unten signiert und datiert. Verso mit verschiedenen alten, zum Teil fragmentarischen Etiketten sowie handschriftlichen Bezeichnungen und Nummerierungen. 91 x 91 cm (35,8 x 35,8 in) , achteckig.
Im Original-Künstlerrahmen.
-Großformatige Ausführung des beliebten Bildthemas mit einzigartiger Ausarbeitung und Figurenanlage
-Gemälde von musealer Qualität und namhafter Provenienz
.

PROVENIENZ: Eigentum des Künstlers (bis mindestens April 1906).
Galerie Jerome Friedmann, Hamburg ("Privatgalerie", bis 1912).
Rudolph Lepke's Kunst-Auctions-Haus Berlin: Galerie J. Friedmann Hamburg. Neunzig Gemälde erster Meister unserer Zeit; Versteigerung: 29. Oktober 1912, Los 20 (“Die Traube”, Tfl. 14, verso auf dem Keilrahmen mit einem Ausschnitt aus dem Auktionskatalog. Verkauft aus der Sammlung des Vorgenannten für 5.850 Mark).
Privatsammlung Meyer oder Privatsammlung Schweng (laut Annotation im vorgenannten Katalog, Exemplar des RKD, Den Haag).
Privatsammlung Heseler, München.
Privatsammlung Nordrhein-Westfalen (aus der Sammlung Heseler erworben).

AUSSTELLUNG: Internationale Kunstausstellung, München 1905, Nr. 1242 ("Wandfüllung").
Internationale Kunstausstellung in der Kunsthalle Bremen, Kunstverein Bremen, Mitte Februar bis Mitte April 1906, Nr. 330 (verso mit dem fragmentarischen Ausstellungsetikett).
Bayerische Jubiläums-Ausstellung, Nürnberg 1906, Nr. 429.

Essay
Die tiefe Faszination Franz von Stucks für die Welt der klassischen Antike und ihrer Mythologie kommt bei unserem Werk deutlich zur Geltung. Das spannungsvoll im achteckigen Bildformat gestaltete Gemälde zeigt einen Faun, der den jungen Bacchusknaben mit dem Saft frisch in seinen Händen gepresster Weintrauben tränkt. Die halbaufrechte Körperhaltung und die erhobenen Hände des Knaben verraten dessen gierige Erwartung des süßen Saftes, der direkt in seinen weit aufgesperrten Mund geträufelt werden soll. Die beiden Figuren sind weit in den Bildvordergrund gerückt und die Rundung ihrer Körper nahezu perfekt auf die achteckige Bildform abgestimmt. Nur kleine Ausschnitte des tiefblau aufleuchtenden Hintergrunds bleiben frei und verleihen der Komposition eine reliefartige Wirkung. Gleichsam betont der enge Bildraum die unterschiedliche Körperlichkeit des sehnig-drahtigen Faunleibes mit seiner sonnengegerbten Haut und dem wild-zottigen Beinfell gegenüber der jugendlichen Weichheit des hell schimmernden, nackten Kinderkörpers. Während die Darstellung von Faunen als verliebte Eroberer von Nymphen, Nixen und Bacchantinnen ein Hauptthema im Schaffen Franz von Stucks darstellen, ist die Kombination mit einem Kind seltener zu finden. Hier ist es vor allem der Hirtengott Pan in der Rolle des Musiklehrers, der von Stuck mehrmals motivisch aufgegriffen wird (vgl. Voss 274, 366 - 368, 369). Die Darstellung eines Fauns als fürsorglich-verspielter Mundschenk des jungen Weingottes ist hingegen seltener im malerischen Schaffen Stucks. Das Motiv bereitet der Künstler in einer Kreidezeichung sowie einer Ölstudie auf Holz vor. Wie dem Ausstellungskatalog zur Internationalen Kunstausstellung in München 1905 zu entnehmen ist, war das im Original-Rahmen befindliche Werk als "Wandfüllung" konzipiert (so beschreibt es auch ein altes Etikett auf der Rahmenrückseite). Durch eine opulente Goldrahmung mit Kymation und Perlstab als dezente Schmuckelemente wird das achteckige Bildformat in ein Quadrat übersetzt, welches als Baustein einer gleichmäßigen Wandvertäfelung denkbar wäre. Franz von Stuck arbeitet für die Rahmung seiner Bilder meist mit dem Kunsttischler Georg Oberndorfer sowie dem Vergolder Hans lrlbacher zusammen, dessen Werkstattetikett auf der Rahmenrückseite fragmentarisch erhalten ist. Die Rahmung seiner Werke ist bei Franz von Stuck dabei nicht nur Ergebnis einer (auch von der Secession geforderten) Auseinandersetzung mit dem Kunsthandwerk, sondern Ausdruck einer bestimmten Sichtweise auf das Kunstwerk als Ganzes. Das schimmernde Gold des Rahmens unterstützt die Farbwirkung des Bildes und dient dessen Manifestation im Raum: Bild, Rahmen und Raum wirken als Gesamtkunstwerk zusammen. Wie überzeugend dies bei unserem Werk gelungen ist, wird nicht nur durch die von Stuck nachträglich mit einem "von" versehene Künstlersignatur deutlich, die der Künstler nach seiner Adelung im Jahr 1906 würdigend in das Bild einfügt. Auch die frühe Provenienz des Bildes unterstreicht dieses Urteil, das bis 1912 Teil der Hamburger Privatsammlung von Jerome Friedmann ist. Deren zeitgenössische Beschreibung kann gleichsam als treffendes Werturteil zu dem hier angebotenen Werk gelesen werden: „Eine unserer reichsten Sammlungen moderner Kunst. [..] Die Sammlung umspannt die ganze Entwicklungsreihe der modernen Malerei [..]. Sie trägt [..] einen feinen Spürsinn für die tragenden Kräfte und ein treffsicheres Urteil für Qualität“ (zit. nach E. Hakon, in: Kunst und Künstler 11.1913, S. 67f.). [FS]
47
Franz von Stuck
Faun und Bacchusknabe, 1905.
Öl auf Leinwand
Nachverkaufspreis: € 100.000
+
 


Weitere Abbildungen
Franz von Stuck - Faun und Bacchusknabe - Rahmenbild
Rahmenbild
Franz von Stuck - Faun und Bacchusknabe - Weitere Abbildung
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