Auktion: 479 / Klassiker des 20. Jahrhunderts I am 08.12.2018 in München Lot 848

 
848
Willi Baumeister
Blaue Figurenhalde, 1947.
Öl
Schätzung:
€ 60.000
Ergebnis:
€ 106.250

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Blaue Figurenhalde. 1947.
Öl mit Kunstharz auf Leinwand, original auf Weichfaserplatte aufgezogen.
Beye/Baumeister 1289. Links oben signiert und datiert "8.47". Verso von fremder Hand bezeichnet "Baumeister", datiert "8/47" und betitelt "Blaue Halde" sowie gewidmet. 58,2 x 73,5 cm (22,9 x 28,9 in).

PROVENIENZ: Privatsammlung (1948 direkt vom Künstler erworben, bis 2018).
Privatbesitz Süddeutschland.

AUSSTELLUNG: Willi Baumeister, Kestner-Gesellschaft, Hannover 17.5.-24.6.1956, Kat.-Nr. 36, S. 25, mit Abb. S. 16.

LITERATUR: Will Grohmann, Willi Baumeister - Leben und Werk, Köln 1963, Kat.-Nr. 919.
"Die sogenannte 'abstrakte' Malerei ist nicht abstrakt im Sinne von Fremdheit zum Leben und Menschen. Die Empfindungen des Künstlers sind ganz natürliche. Eine senkrechte, gerade Linie vermittelt einen ganz bestimmten Empfindungswert, den alle Menschen gleich empfangen können. Eine gekurvte Linie oder ein Fragezeichen löst dagegen andere Empfindungen aus. Ebenso ergeben die einzelnen Farben bestimmte Reaktionen. Kontrastwirkungen entstehen durch exakte Formen im Gegensatz zu malerischen, wolkigen Auflösungen."
Willi Baumeister, Die Natur in der abstrakten Kunst, zit. nach: Wissen und Leben 1, Stuttgart 1952



Essay
Bereits Anfang der 1930er Jahre beginnt Baumeister sich für Strukturen zu interessieren, die dem Bildgrund eine aufgelockert-lebendige Oberfläche verleihen. Er wird, wie im vorliegenden Gemälde, zum Träger einer fast linearen, grafischen Komposition, die schemenhaft über dem Bildgrund geistert. Urzeitliches wird evoziert, ein Phänomen, das Baumeister in vielen seiner Werkzyklen als grundlegendes Thema einbindet. Die locker angeordneten Formen und Farbflächen vermitteln eine heitere Schwerelosigkeit, die Raum für vielerlei Assoziationen lässt. Assoziationen an musikalische Tempi sind oft werkbestimmend sowohl bei Baumeister als auch bei vielen seiner Mitstreiter aus der Zeit des Informel. Hier wird mit leichter Hand das Urzeitliche in ein burleskes Gewand gekleidet und so aller Sinnenschwere enthoben. Der feine Humor, der diese Komposition begleitet, findet in der zart tänzerischen Art, in der sich die schemenhaft angedeuteten Figuren über die Komposition bewegen, seine Entsprechung. Durch den Einsatz von Kunstharz erzielt Baumeister eine mauerputzartig strukturierte Oberflächenwirkung, die den prähistorischen Charakter des dargebotenen Formenrepertoires noch zusätzlich unterstreicht. Andere Arbeiten aus der zwischen 1942 und 1950 entstandenen Werkreihe der "Figurenmauern" befinden sich u. a. in den Sammlungen des Osthaus Museums in Hagen, der Nationalgalerie Berlin sowie der Staatsgalerie Stuttgart. [JS]
848
Willi Baumeister
Blaue Figurenhalde, 1947.
Öl
Schätzung:
€ 60.000
Ergebnis:
€ 106.250

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
 


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