Auktion: 474 / Kunst des 19. Jahrhunderts am 23.11.2018 in München Lot 4

 
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Carl Spitzweg
Der Maler, Um 1860.
Öl auf Malpappe
Schätzung:
€ 20.000
Ergebnis:
€ 30.000

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Der Maler. Um 1860.
Öl auf Malpappe.
Wichmann 465. Verso mit dem Faksimile-Monogramm sowie mit diversen handschriftlichen Bezeichnungen, Nummerierungen und fragmentarischen Etiketten. 23,5 x 18,6 cm (9,2 x 7,3 in).

Wir danken Herrn Detlef Rosenberger für die freundliche Auskunft.

PROVENIENZ: Eugen Spitzweg, Neffe des Künstlers (verso mit dem Vermerk "Facsimile Monogramm hinzugefügt vom Neffen des Künstlers/ Eugen Spitzweg/ München").
Ludwigs-Galerie, München, Februar 1930 bis mindestens Oktober 1933.
Privatsammlung Süddeutschland (seit ca. 83 Jahren in Familienbesitz).

AUSSTELLUNG: Ludwigs-Galerie, München, Februar 1931 und 1.-30. Juni 1931, Nr. 77.
Jubiläums-Ausstellung, Commeter, Hamburg, September 1931 (aus dem Besitz der Ludwigs-Galerie, München).
Carl-Spitzweg, Heinemann München, 14.10.-12.11.1933, Nr. 18 ("Das gelangweilte Modell", aus dem Besitz der Ludwigs-Galerie, München).

LITERATUR: In Auswahl:
Hermann Uhde-Bernays, Spitzweg. Reime und Bilder, München 1921, Abb. 5 ("Der Porträtmaler").
Max von Boehn, Carl Spitzweg (Künstler-Monographien 110), Bielefeld und Leipzig 1920, Abb. S. 60 ("Porträtsitzung").
Fritz von Ostini, Aus Carl Spitzwegs Welt, Barmen 1924, S. 49.
Hans Eckstein, Romantische Malerei in Deutschland und Frankreich, in: Kunst und Künstler 29 (1931), S. 442.
Günther Roennefahrt, Carl Spitzweg. Beschreibendes Verzeichnis seiner Gemälde, Ölstudien und Aquarelle, München 1960, Nr. 1409 (mit Abb.).

Essay
Aus etwa dieser Zeit stammt auch das hier angebotene Werk, bei dem uns Spitzweg eine Genreszene nach niederländischem Vorbild zeigt: In einem Atelier steht in der Mitte ein Künstler vor seiner Staffelei, vertieft in die Arbeit an einem großen Porträt. Das Modell, ein fast kahlköpfiger, kräftiger Herr im Kostüm des 17. Jahrhunderts, nimmt seine Rolle scheinbar weniger ernst. Laut einer nachträglich verso verzeichneten Notiz handle es sich, dem Künstler nach, dabei um einen "unruhigen Gastwirt". Dieser ist gemütlich in einem hohen, auf einem Podest stehenden Lehnstuhl zusammengesackt und gähnt Künstler und Betrachter unbegeistert ins Gesicht. Mit typischem Spitzweg-Humor und großer Liebe zum Detail wird das Alltägliche und Bürgerliche hier in den Mittelpunkt gerückt und fein ironisiert. Das Thema des Porträtmalers hat Spitzweg dabei mehrfach bearbeitet und in seiner Ernsthaftigkeit der Aussage variiert (vgl. Wichmann 463-465). Der Bildaufbau mit Bühnenkonstruktion bildet jedoch eine kompositorische Konstante, deren Idee womöglich noch aus seiner Apotheker-Zeit in Straubing stammt, als er als Regisseur und Bühnenbildner zahlreicher Laienspiele tätig ist. In dieser Tradition ist auch die vorliegende, in warmen Tönen komponierte Arbeit zu sehen, die eine auffallende Differenzierung der Brauntöne und starke Tiefenräumlichkeit aufweist.
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Carl Spitzweg
Der Maler, Um 1860.
Öl auf Malpappe
Schätzung:
€ 20.000
Ergebnis:
€ 30.000

(inkl. 25% Käuferaufgeld)