Auktion: 466 / Klassische Moderne II am 07.06.2018 in München Lot 171

 
171
Gerhard Marcks
Hockender Neger, 1956.
Bronze
Schätzung:
€ 6.000
Ergebnis:
€ 8.750

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Hockender Neger. 1956.
Bronze mit brauner Patina.
Rudloff 640. Mit dem Künstlersignet auf der rechten Fußsohle, auf der linken mit der Nummerierung und dem Gießerstempel "Rich. Barth Bln Mariendorf". Aus einer Auflage von 8 Exemplaren. 27,9 x 25,4 x 27 cm (10,9 x 10 x 10,6 in).
Dieses Exemplar wurde 1958 von der Kunstgießerei Richard Barth, Berlin, gegossen. [CH].

Wir danken Herrn Dr. Arie Hartog für die freundliche Auskunft.

PROVENIENZ: Privatsammlung Schweiz.

AUSSTELLUNG: (in Auswahl, wohl jeweils ein anderes Exemplar)
Gerhard Marcks, Kölner Kunstverein, Köln 4.5.-16.6.1957, Kat.-Nr. 41 (mit. Abb.).
Gerhard Marcks. Paintings, Watercolors, Sculpture, Otto Gerson Gallery, New York 1958, Kat.-Nr. 20 (mit Abb.).
Gerhard Marcks. Skulpturen und Zeichnungen, Wallraf-Richartz-Museum, Köln 1964, Kat.-Nr. 40 (mit Abb.).
Gerhard Marcks. Plastik, Handzeichnungen, Druckgraphik, Kunsthalle Bremen 1964, Kat.-Nr. 39.
Gerhard Marcks, Musée Rodin, Paris 1971/72, Kat.-Nr. 31 (mit Abb.).
Gerhard Marcks. Ausgewählte Plastiken, Graphisches Kabinett Werner, Bremen 1972, GM, Kat.-Nr. 14 (mit Abb.).

LITERATUR: (in Auswahl)
Helga Weißgärber, Arbeiten von Gerhard Marcks in Köln, in: Bildende Kunst, 1957, H. 11, S. 785.
Peter Feist, Die Kraft der Stille, in: Bildende Kunst, 1969, H. 2, S. 77, Abb. 5.
Alfred Werner, The Form of Nature, in: American Artist, 1971, Abb. S. 35.

Essay
Das Thema des hockenden Torsos wurde von vielen großen Bildhauern aufgegriffen. Ob nun Michelangelos „Kauernder Knabe“ oder Rodins „Die Kauernde“, immer wieder haben sich Künstler mit der durch die Krümmung entstehenden Körperspannung auseinandergesetzt. Auch Gerhard Marcks setzt sich mit dem Torso in den 1950er Jahren dezidiert auseinander, so entsteht beispielsweise 1952 eine Plastik mit dem Titel „Hockender Knabe“. In unserem Objekt lässt er darüber hinaus noch sein Interesse für fremde Kulturen einfließen. Im November 1954 erhält der Künstler eine Einladung nach Südafrika von der dort ansässigen Künstlervereinigung. Ende Mai 1915 reist er mit seiner Frau von Hamburg aus mit dem Schiff nach Swakopmund. Es entstehen Skizzen, Modellstudien sowie Detailstudien der hängenden Arme. Im Anschluss an seine Reise entstehen Werke, die den Menschen mehr noch als früher in unaufdringlichem und genügsamem Pathos und in maßvoller Konzentration auf Wesentliches seiner Erscheinung zeigen. Die Erhabenheit, Fremdheit und Tiefe der Landschaft, die Genügsamkeit und Würde der Afrikaner - all das ist nun der sachliche Ausgangspunkt einer wohl noch sehr strengen, aber doch weniger kantigen Gestalt der plastischen Form. Nur ein Jahr nach dem „Hockenden Neger“ entsteht ein verwandtes Werk mit dem Titel „Hockender Araber“. [CE]
171
Gerhard Marcks
Hockender Neger, 1956.
Bronze
Schätzung:
€ 6.000
Ergebnis:
€ 8.750

(inkl. 25% Käuferaufgeld)