Auktion: 457 / Klassische Moderne II am 07.12.2017 in München Lot 84

 

84
Albert Birkle
Selbstbildnis als Kriegsberichter, Um 1942.
Öl auf Malpappe
Schätzung:
€ 15.000
Ergebnis:
€ 15.000

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
Selbstbildnis als Kriegsberichter. Um 1942.
Öl auf Malpappe.
Links unten signiert. 71 x 49 cm (27,9 x 19,2 in).
[CB].

Wir danken Roswita und Viktor Pontzen, Archiv und Werkbetreuung Albert Birkle, Salzburg, für die freundliche Unterstützung. Die Arbeit wird in das in Vorbereitung befindliche erweiterte Werkverzeichnis mit der Nr. 210 aufgenommen.

PROVENIENZ: Privatsammlung Norddeutschland.

AUSSTELLUNG: Albert Birkle. Gemälde und Zeichnungen vom Einsatz des RAD, Landesgalerie Salzburg, 1944, Kat.Nr. 11.
Ehret die Arbeit. Reichsarbeitsdienst Kunstschau, Prag 1944, Kat.Nr. 29.

In den dreißiger Jahren wendet sich Albert Birkle einer neuen Bildauffassung zu. Die Einflüsse der Neuen Sachlichkeit und die für ihn so typische übersteigerte Gestaltung, die in den Porträts der zwanziger Jahre seinem malerischen Werk eine besondere Prägung gibt, werden nun zugunsten einer mehr realistischen Darstellungsweise aufgegeben. Dieselben Bilder, mit denen Albert Birkle 1936 Deutschland auf der Biennale in Venedig vertritt, werden bereits im Jahr darauf vor Ausstellungseröffnung im Haus der Deutschen Kunst in München entfernt, weitere Werke aus öffentlichen Sammlungen als "entartet" beschlagnahmt. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs, meldet sich Birkle freiwillig zum Reichsarbeitsdienst (RAD), wodurch ihm vorübergehend der Militärdienst erspart bleibt. Als Kriegsmaler führt der überzeugte Pazifist zunächst einen Freskoauftrag in der Kaserne in Glasenbach aus, später wird er nach Frankreich geschickt. Birkle zeigt sich auf dem Selbstporträt als Kriegsberichterstatter im Auftrag des RAD, der Spaten auf dem linken Oberarm der Uniform weist ihn als solchen aus. Zum Zeitpunkt der Entstehung des Gemäldes um 1942 ist Birkle noch kein Soldat. Er präsentiert seine Hände, denen er immer eine eigene Bedeutung in seinen Porträts gibt, übergroß im Vordergrund. Sie halten Stift und Zeichenblock und stehen zusammen mit dem konzentrierten Blick für seine Tätigkeit als Berichterstatter. Der kritisch-suchende Blick, der oft in seinen Selbstporträts zu finden ist, wird hier wohl angesichts der zu dokumentierenden Kriegsgräuel zum besonders eindringlichen Ausdruck gesteigert.



84
Albert Birkle
Selbstbildnis als Kriegsberichter, Um 1942.
Öl auf Malpappe
Schätzung:
€ 15.000
Ergebnis:
€ 15.000

(inkl. 25% Käuferaufgeld)