Auktion: 459 / Klassische Moderne I am 09.12.2017 in München Lot 618

 
618
Ernst Barlach
Frierendes Mädchen, 1916.
Bronze
Schätzung:
€ 20.000
Ergebnis:
€ 125.000

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Frierendes Mädchen. 1916.
Bronze mit goldbrauner Patina.
Laur 243. Schult 180. Links auf der Plinthe mit dem Namenszug sowie verso mit dem Gießerstempel "H. Noack Berlin". Einer von 21 unnummerierten, posthumen Güssen. Höhe: 49,4 cm (19,4 in).
Gegossen von der Kunstgießerei Hermann Noack, Berlin, nach 1939.

PROVENIENZ: Privatsammlung USA.

AUSSTELLUNG: Weitere Güsse befinden sich in folgenden Sammlungen:
Ernst Barlach Gesellschaft, Hamburg.
Ernst Barlach Haus, Hamburg.
Staatliche Galerie Moritzburg, Halle.
Israel Museum, Jerusalem.
Schleswig-Holsteinisches Landesmuseum, Schloss Gottorf, Schleswig.

LITERATUR: (jeweils eines der Exemplare)
Ernst Barlach, Deutsche Akademie der Künste, Berlin (Ost) 1951/52, Kat.-Nr. 29.
Ernst Barlach, Plastik und Graphik, Ausst.-Kat. Galerie Valentien, Stuttgart 1965, Nr. 6.
Ernst Barlach - Käthe Kollwitz, Ausst.-Kat. Marlborough Fine Art Ltd., London 1967, Kat.-Nr. 5, S. 34 (mit Abb.).
Ernst Barlach 1870-1970, Deutsche Akademie der Künste, Berlin (Ost) 1970, S. 27 (mit Abb.).
Anita Beloubek-Hammer, Ernst Barlach, Leipzig 1996, S. 12.
Ernst Barlach. Mystiker der Moderne, Ausst.-Kat. St. Katharinen, Ernst Barlach Gesellschaft, Hamburg 2003, S. 203.
Ernst Barlach. Bildhauer der Moderne, Ausst.-Kat. Goethe-Institut Istanbul u.a., Ernst Barlach Gesellschaft, Hamburg/Istanbul 2006, Nr. I-180, S. 119 (mit Abb.).
"Keinesfalls ist Ernst Barlach ein typischer Vertreter der europäischen Moderne. Im Gegenteil. Wie kein anderer Künstler seiner Zeit hat er sich den Strömungen der 'oberflächlichen Welt' ebenso wie den aktuellen Kunstdebatten und den ästhetischen Moden widersetzt. Er gilt als Einzelgänger und bis heute fällt seine Einordnung in die Paradigmen der Kunstgeschichte schwer."
Heike Stockhaus, in: Ernst Barlach - Bildhauer der Moderne, S. 39

Essay
Anders als die zeitgenössischen Bildhauerkollegen hat Barlach schon sehr früh ein Formengut entwickelt, das oberflächlich aufgrund seiner fast kubischen Einfachheit als expressiv gelten könnte, es bei genauer Betrachtung jedoch nicht ist. Das besondere an seinen Plastiken ist ihre Geschlossenheit in Bezug auf die Verteilung der Massen. Barlach hat, auch dies ist eine Ausnahme, nahezu ausschließlich Gewandfiguren geschaffen, d.h. die reine Körperlichkeit ist immer verdeckt. Dass sie trotzdem sichtbar und vorhanden ist, bleibt Barlachs großer gestalterischer Kunst zu danken. Das frierende Mädchen in seiner in sich geschlossenen Statuarik ist der Inbegriff dessen, was Barlach ausdrücken will: Die eigentliche Aussage drängt sich nicht in den Vordergrund, Form und Inhalt gelangen zur Deckung. Sie bleibt einer künstlerischen Gestaltung untergeordnet, ohne jedoch an Kraft zu verlieren. Das sparsame Formengut wird optimal eingesetzt und im äußersten Falle zur Unterstützung der Aussage überbetont. Die klare Ruhe, die von den meisten der Barlach'schen Figuren ausgeht, ist einer der glücklichen Fixpunkte, auf die sich der Betrachter verlassen kann. [KD]
618
Ernst Barlach
Frierendes Mädchen, 1916.
Bronze
Schätzung:
€ 20.000
Ergebnis:
€ 125.000

(inkl. 25% Käuferaufgeld)