Auktion: 455 / Kunst des 19. Jahrhunderts am 24.11.2017 in München Lot 64

 
64
Ludwig von Hofmann
Tanzende mit Schleier, 1905/06.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 7.000
Ergebnis:
€ 18.750

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Tanzende mit Schleier. 1905/06.
Öl auf Leinwand , mit Kreidevorzeichnung.
Rechts oben monogrammiert. 66 x 123 cm (25,9 x 48,4 in).
Verso handschriftlich bezeichnet und mit verschiedenen typografisch nummerierten Etiketten.
Entwurf für das gleichnamige Wandbild in der von Henry van de Velde konzipierten Museumshalle auf der 3. Deutschen Kunstgewerbe-Ausstellung in Dresden 1906. [CB].

Wir danken Frau Dr. Annette Wagner-Wilke für die freundliche Beratung.

PROVENIENZ: Seit den 1920er Jahren in thüringisch-rheinischem Familienbesitz.

LITERATUR: Vgl. Annette Wagner-Wilke, Ludwig von Hofmann und das Wandbild, Diss. Albrecht-Ludwigs-Universität Freiburg 2011, S. 79ff. (Abb. 2.5 und Kat. 4.2).
"Tanzen ist aktive Mystik; Gefühlsmystik, die von spekulativer Philosophie nichts weiss, mit naiver Selbstverständlichkeit aber im Rausche der Leidenschaft Höchstes und Tiefstes verknüpft […]. Der Verstand scheidet, die Vernunft beschränkt; das Gefühl aber will dionysische Unbeschränktheit."
Karl Scheffler in einem von Ludwig von Hofmann illustrierten Artikel über die Tänzerin Ruth Saint Denis, in: Kunst und Künstler, Jg. V, 1907, S. 154.

Essay
Ludwig von Hofmann ist, wie viele Künstler um die Jahrhundertwende, von lebensreformerischen Strömungen beeinflusst, insbesondere der Tanz zählt zu den aktuellen und zentralen Themen dieser Zeit. Auch Hofmann ist inspiriert von den berühmten Avantgarde-Tänzerinnen Isadora Duncan und Mary Wigmann, 1906 steht ihm Ruth Saint Denis, berühmt für ihre fernöstlichen Tempeltänze, Modell. Die Bandbreite der zahlreichen Tanzdarstellungen im Werk Hofmanns reicht von antiken, kultischen Tänzen über harmonische Reigentänze zu avantgardistischem Tanz mit expressionistisch und rhythmisch bewegten Körpern. Fast ausnahmslos stellt Hoffmann die Tänze in freier Natur dar, häufig verbunden mit dem Sujet des Idylls. 1905 gibt der Insel-Verlag die Hofmann-Mappe "Tänze" mit zwölf Lithografien heraus. Die Mappe konzentriert Hofmanns ganze künstlerische Dynamik und steht beispielhaft für sein Schaffen zu jener Zeit.
So wundert es nicht, dass Hofmann 1905 für den Wandgemäldezyklus der Museumshalle in Dresden das Thema Tanz auch für drei der sechs Gemälde wählt. Harry Graf Kessler, Ideengeber und Berater beim Projekt der Museumshalle, ermutigt Hofmann auf den Motiven der "Tänze"-Mappe aufzubauen. Für die "Tanzenden mit Schleier" übernimmt Hofmann die zentrale Gruppe von vier Personen vom ersten Blatt der Mappe und erweitert das Motiv mit Seitenfiguren und Landschaftsrahmen zu einem wandfüllenden, breiten Querformat. Wie alle seine Aufträge bereitet Hofmann auch diesen Wandbildzyklus mit zahlreichen Studien und Entwürfen gründlich vor. Der hier angebotene Entwurf der "Tanzenden mit Schleier", das rhythmisch bewegteste Motiv des Zyklus', wird von Hofmann bis zum letztendlich ausgeführten Gemälde nur noch geringfügig abgeändert. Die zwei kleinen Hintergrundfiguren links verschwinden, der zunächst noch recht flächige Hintergrund wird statt von Wolken mit einer Felswand begrenzt und differenzierter gestaltet. Auffallend ist vor allem die geänderte Farbgebung. Während die Entwürfe die typische helle und freundliche Gestaltung Hofmanns zeigen, werden die fast viermal so großen Wandgemälde deutlich dunkler ausgeführt. Das Originalgemälde der Museumshalle befindet sich heute im Museum in Weimar (Klassik-Stiftung-Weimar, Inv.-Nr. G 546).
64
Ludwig von Hofmann
Tanzende mit Schleier, 1905/06.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 7.000
Ergebnis:
€ 18.750

(inkl. 25% Käuferaufgeld)