Auktion: 440 / Contemporary Art am 10.12.2016 in München Lot 662

 

662
Joseph Kosuth
Ohne Titel, 1999.
Fotografie
Schätzung:
€ 15.000
Ergebnis:
€ 18.750

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
Ohne Titel. 1999.
Fotografie.
Unikat. 120 x 200 cm (47,2 x 78,7 in).

PROVENIENZ: Galleria Lia Rumma, Mailand/ Neapel.
Privatsammlung Nordrhein-Westfalen.

AUSSTELLUNG: Joseph Kosuth. Essays, Galleria Lia Rumma, Mailand, Februar - April 2000.

Der Amerikaner Joseph Kosuth ist ein Pionier und Hauptvertreter der Conceptual Art und Installation Art. Seit den 1960er Jahren beschäftigt er sich in seinen sprachbasierten Arbeiten mit den Problemen der sinnlichen Wahrnehmung, der Realität und Definition des Gegenstandes, insbesondere durch die Sprache, sowie der grundsätzlichen Natur von Kunst. "Meine Kunstobjekte sind total, komplett und unparteiisch. Sie sind aus unorganischen, nichtpolaren, völlig synthetischen, völlig unnatürlichen, jedoch eher konzeptuellen als vorgefundenen Materialien hergestellt“, sagt Kosuth in einem frühen Statement im Juni 1966 (zit. nach: Kat. Ausst. Joseph Kosuth. Bedeutung von Bedeutung, Staatsgalerie Stuttgart 26.9.-8.11.1981, S. 184).
Arbeiten von Joseph Kosuth wie "One and three Chairs” (1965) gehören dabei zu den Hauptwerken der Konzeptkunst. Als künstlerische Rauminstallation wird hier die "Trinität" von Wort, Bild und Sache am Beispiel eines Stuhls nebeneinander gestellt: der tatsächliche Stuhl, ein Foto desselben und ein Eintrag über ihn in einem Wörterbuch. Die Frage dahinter: Was kommt dem tatsächlichen Konzept von "Stuhl“ am nächsten? Auf ähnliche Weise funktioniert auch die hier angebotene Fotografie von "One and three tables“ (1965). Gemeint ist hier nicht mehr der Tisch als Objekt, sondern der Unterschied von drei verschiedenen Formen der Information über einen Gegenstand, die wiederum die Art und Weise des menschlichen Denkprozesses visualisieren. Deutlich wird dies auch durch die Aussage der beiden Textkörper, die über die Abbildung gelegt sind. Diese treffen Aussagen zur Referenzialitätsbeziehung zwischen Sprache, Bild und Objekt, die nicht notwendigerweise abhängig von der Ähnlichkeit von Bild und Objekt sei. Auch die Sprache sei von extremer Willkürlichkeit bei der Bezeichnung der Welt und der Dinge in ihr, die tatsächliche Aussagekraft über diese, ihre Beschaffenheit und Eigenschaften sei gleich Hieroglyphen.
Solche Objektinstallationen sowie groß angelegte beleuchtete Wortinstallationen an ganzen Häuserfassaden gehören ebenso zu Kosuths Schaffen wie publizistische und lehrende Tätigkeiten. Seit 1969 ist Kosuth Mitherausgeber der Zeitschrift Art& Language und arbeitet auch einige Zeit bei der gleichnamigen britischen Konzeptkünstlergruppe mit und ist mit diesen 1972 auch auf der Documenta 5 in Kassel mit dem Projekt "Index 0001“ vertreten. Mitte der 70er Jahre publiziert Kosuth auch Ausgaben für die Magazine "The Fox" (1975/77) und "Marxistic Perspectives" (1977/78). Zudem ist Kosuth auch lehrend an renommierten Kunstakademien tätig. Das für die Kunst der Moderne und die Konzeptkunst bahnbrechende Schaffen von Joseph Kosuth wird begleitet von einer regen Ausstellungstätigkeit in den renommiertesten Museen der Welt sowie internationalen Ausstellungsplattformen wie der Documenta in Kassel und der Biennale von Venedig. Auch eine Vielzahl angesehener Preise würdigen das Schaffen des Künstlers, unter anderem gibt die französische Regierung 1999 eine 3-Franc-Briefmarke von Kosuth heraus. Zudem zieren die beleuchteten Wortinstallationen des in New York lebenden und arbeitenden Künstlers die Fassaden bedeutender Häuser wie dem Louvre und der Biblioteque Nationale in Paris. [FS]



662
Joseph Kosuth
Ohne Titel, 1999.
Fotografie
Schätzung:
€ 15.000
Ergebnis:
€ 18.750

(inkl. 25% Käuferaufgeld)