Auktion: 441 / Contemporary Art am 11.06.2016 in München Lot 864

 
864
Javier Arce
Goya / Chapmann Brothers, 2010.
Filzstiftzeichnung
Schätzung:
€ 2.000
Ergebnis:
€ 2.000

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Goya / Chapmann Brothers. 2010.
Filzstiftzeichnungen. Im Objektkasten.
Jeweils unten mittig bezeichnet. Auf feuer- und reißfestem Papier, geknittert. Objektkasten: je 28 x 33 x 6,4 cm (11 x 12,9 x 2,5 in).
Aus der Serie Estrujados.

PROVENIENZ: Galerie Zink (auf der Rückwand mit Etikett).
Privatsammlung Süddeutschland.

AUSSTELLUNG: A mil cuatrocientos metros de los dibujos rectificados, Galería Max Estrella, Madrid 2010.
This could be a show of historical importance, Museum of Contemporary Art, Zagreb/ Moderna Galerija, Ljubliana 2010.

Essay
Javier Arce verhandelt in seinen Arbeiten den Stellenwert der Kunstgeschichte und das prekäre Verhältnis zwischen Original und Kopie im Zeitalter der Massenmedien. Sein Studium absolviert der spanische Künstler an der Escuela de Artes Aplicadas in Oviedo, wo er eine Ausbildung in graphischen Reproduktionstechniken abschließt, sowie an der Universität des Baskenlandes. Seine Ausbildung schließt er im Fach Bildhauerei an der Londoner Wimbledon School of Fine Art ab. In seiner zeichnerischen Werkserie “Estrujados“, spanisch für zerknüllt oder verknittert, zeigt Arce Reproduktionen großer Werke der Kunstgeschichte, die mit schwarzem Filzstift auf festem, reißfestem Papier maßstabsgetreu nachgezeichnet sind. Im Anschluss wird das Papier zerknüllt, wieder entfaltet und an der Wand, in Objektkästen oder müllartig auf dem Boden liegend präsentiert. In der Einzelausstellung „This could be a show of historical importance”, 2010 gezeigt im Museum of Contemporary Art in Zagreb und der Moderna Galerija in Ljubliana, sind so behandelte Werke von Pablo Picasso, Eugene Delacroix und Francisco de Goya ausgestellt. Auch unsere Werke mit dem Untertitel „Ya no hay tiempo“, es ist keine Zeit mehr, basieren auf einer Aquatintaradierung von Goya aus der „Die Schrecken des Krieges“. Das Motiv, eine gewaltsame Szene mit mehreren Frauen und Soldaten sowie einigen Niedergestochenen am Boden thematisiert die Gräueltaten der napoleonischen Soldaten im Kampf gegen die aufständische spanische Bevölkerung. Die Radierungsserie Goyas wird 2003 zur Grundlage der Werkserie „Insult to Injury“ des britischen Künstlerduos der Chapman Brothers. Die Brüder erwarben eine Ausgabe der Radierungsserie Goyas und übermalten die Gesichter mit ihren typischen bunten, oft clownsartigen Fratzen. Javier Arce nimmt das Original wie die verfremdete Radierungsserie als Vorlage seiner mit Filzstift gezeichneten Objekte, die optisch das originale Medium der Radierung in modernisierter Form aufgreift – es handelt sich also um eine verfremdete Kopie der verfremdeten Kopie des reproduzierten Originals. Auf gedankenvoll und technisch virtuose Weise reflektiert Arce hier die Entwicklung der Kunst und das ihr zugrunde liegenden Produktionssystem sowie unseren Umgang mit den großen Werken der Kunstgeschichte als Teil des kollektiven Bildgedächtnisses. Bereits früh wird der Künstler für seine Arbeiten mit zahlreichen Stipendien ausgezeichnet, darunter mit der Teilnahme am internationalen Studio und Kuratorenprogramm in New York 2008. Ab 2009 ist Javier Arce in mehreren internationalen Gruppen- und Einzelausstellungen vertreten. Zuletzt sind die Arbeiten des Künstlers in der Galeria T20 in Murcia (2015) und der Jack Fischer Gallery in San Francisco (2016) zu sehen. Werke von Javier Arce sind zudem in mehreren namhaften öffentlichen Sammlungen vertreten.
864
Javier Arce
Goya / Chapmann Brothers, 2010.
Filzstiftzeichnung
Schätzung:
€ 2.000
Ergebnis:
€ 2.000

(inkl. 25% Käuferaufgeld)