Auktion: 424 / Klassische Moderne am 11./13.06.2015 in München Lot 54

 
54
Jean Bloé Niestlé
Der kranke Fuchs, Um 1920.
Öl
Schätzung:
€ 10.000
Ergebnis:
€ 78.750

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Der kranke Fuchs. Um 1920.
Öl auf Leinwand, auf Holz kaschiert.
63,8 x 56,2 cm (25,1 x 22,1 in). [JS].

Wir danken Frau Cornelia Providoli, Zürich, für die freundliche wissenschaftliche Beratung.

PROVENIENZ: Privatsammlung Bayern (in den 1920er Jahren direkt vom Künstler erworben).

Essay
Die enge Freundschaft mit seinem Künstlerkollegen Franz Marc, den Niestlé 1904 in München kennenlernt, sollte das Werk des schweizerischen Tiermalers Jean Bloé Niestlé in entscheidender Weise beeinflussen. Niestlé bewegt sich in München bald schon im direkten Umkreis des "Blauen Reiters", da ihn Marc, der in ihm einen "Tierzeichner von einer so genialen Melancholie" sieht, 1911 bei der ersten Ausstellung des "Blauen Reiters" mit dabei haben will. Um 1910 verfolgt Niestlé noch einen klassisch-realistischen Stil, jedoch ist in seinen damaligen Gemälden, die noch vorrangig Vögel in Nahaufnahme inmitten einer poetisch-ornamentalen Pflanzenwelt zeigen, bereits eine gewisse künstlerische Progressivität abzulesen. Seine Landschaften mit Tieren erheben sich fast nie bis zum Horizont, so dass nicht der Blick in die Weite, sondern vielmehr die Nahaufnahme von Blättern, Blüten und Tieren im Zentrum seines künstlerischen Interesses steht und sich dies für die neuartige, geradezu mikroskopische Auswahl der Bildausschnitte als verantwortlich zeigt. Erst in seinem expressionistischen Spätwerk, dem auch die vorliegende Arbeit zuzurechnen ist, entlädt sich Niestlés Drang zu künstlerischer Progressivität schließlich auch stilistisch: Niestlé benutzt fortan leuchtende Farben, die sich zunehmend von den farblichen Vorgaben des Gegenstandes befreien und mit dem stilisiert-abstrahierten Formenrepertoire zu einem expressiven Ausdruck gesteigert werden. Niestlés Spätwerk, das nur von 1916 bis vor 1920 reicht, da der Künstler schwer erkrankt fortan kaum mehr zum Malen in der Lage sein wird, ist nur in sehr wenigen Gemälden dokumentiert. Deren Motivik und Formsprache zeugt von der intensiven Auseinandersetzung mit dem Werk des früh verstorbenen Künstlerkollegen und Freundes Franz Marc. Werke Niestlés befinden sich heute in zahlreichen bedeutenden Sammlungen, unter anderem in der Städtischen Galerie im Lenbachhaus, München, im Kunstmuseum Bern, im Musée d´art et d`histoire Neuchâtel sowie im Städelschen Kunstinstitut in Frankfurt.
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Jean Bloé Niestlé
Der kranke Fuchs, Um 1920.
Öl
Schätzung:
€ 10.000
Ergebnis:
€ 78.750

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
 


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