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Auktion: 420 / Kunst nach 45 / Zeitgenössische Kunst am 06.12.2014 in München Lot 805

 
Objektbeschreibung
Ohne Titel (Gesacktes Kissen). 1969.
Mischtechnik. Öl auf Schaumstoffkissen auf Leinwand mit Perlon überspannt und bemalt.
Verso signiert, datiert und mit Richtungspfeil. 113 x 95 cm (44,4 x 37,4 in). [JS].

PROVENIENZ: Sammlung Georg Karl Pfahler, Emetzheim.
Privatsammlung Sachsen.

Gotthard Graubner wird am 13. Juni 1930 in Erlbach im Vogtland geboren. 1947/48 studiert er an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin, danach bis 1952 an der Kunstakademie in Dresden. Nach der Übersiedlung in den Westen setzt Graubner ab 1954 sein Kunststudium an der Kunstakademie in Düsseldorf fort. In den Jahren 1955-57 löst sich die Bildsprache Graubners von bis dahin verwendeten geometrischen Farbformen.

Zunächst in Aquarellen, dann auch auf der Leinwand erprobt Graubner Formen des Farbauftrags, die den vielfach verdichteten Farbschichten eine Priorität gegenüber der begrenzenden Form der Bildränder sichern. Um die räumliche Wirkung der Farbflächen zu verstärken, verlegt sich Graubner Anfang der 1960er Jahre darauf, bildgroße Farbkissen ins Bild selbst zu montieren und später zudem mit Perlongewebe zu überspannen. Durch das vorherige Tränken und Bemalen der Stoffkissen mittels mehrerer Lagen verdünnter Acrylfarben schafft Graubner eine fluktuierende, atmende Verdichtung gleich einem Farbleib, der in den gesackten Kissenbildern - wie auch im vorliegen Fall - zu einem bauchartig auf den Betrachter zugreifenden Farbraum gesteigert wird. Diese sogenannten "Kissenbilder" werden zuerst vom Düsseldorfer Galeristen Alfred Schmela ausgestellt und bringen Graubner schließlich 1965 einen Lehrauftrag an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg ein, wo er ab 1969 eine Professur für Malerei innehat. Mit seinen "Kissenbildern", die einen ganz eigenen, faszinierenden Werkkomplex in Graubners ¼uvre formen und als die wohl innovativsten Bilschöpfungen des Künstler gelten, ist Graubner 1968 zudem zum ersten Mal auf der Documenta in Kassel vertreten.

1970 ersetzt Graubner die älteren Werkbezeichnungen "Farbleib" bzw. "Kissenbild" durch "Farbraumkörper". Als er 1971 die BRD auf der Biennale in São Paulo vertritt, nutzt er die Gelegenheit zur Weiterreise nach Kolumbien, Peru und Mexiko. 1973 wird Graubner Mitglied der Akademie der Bildenden Künste in Berlin, 1976 erhält er eine Professur für freie Malerei an der Kunstakademie in Düsseldorf. Eine Werkschau findet 1980 in der Staatlichen Kunsthalle in Baden-Baden statt. Im bundesrepublikanischen Pavillon der Biennale von Venedig ist Gotthard Graubner 1982 mit einem fünfteiligen "Farbraumkörper"-Ensemble zu sehen. 1988 schafft Graubner für den Amtssitz des Bundespräsidenten in Berlin, Schloss Bellevue, zwei große Werke. 2001/02 sind die Arbeiten des Otto-Ritschl-Preisträgers im Museum Wiesbaden ausgestellt. Das Eigenleben der Farbe zu entwickeln - befreit von dem Anspruch etwas anderes darstellen zu müssen als sich selbst - ist das große Thema der Kunst Gotthard Graubners.

805
Gotthard Graubner
Ohne Titel (Gesacktes Kissen), 1969.
Mischtechnik
Schätzung:
€ 40.000
Ergebnis:
€ 52.500

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
 


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