Auktion: 415 / Klassische Moderne am 06.06.2014 in München Lot 305

 
305
Leo Putz
Mädchenporträt, Um 1914.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 20.000
Ergebnis:
€ 34.160

(inkl. 22% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Mädchenporträt. Um 1914.
Öl auf Leinwand.
Nicht bei Putz. Rechts unten signiert. 65,5 x 60,5 cm (25,7 x 23,8 in). [EH].

Mit einer schriftlichen Expertise von Herrn Wolfgang Schüller, München, vom 5. März 2014.

PROVENIENZ: Privatsammlung Bayern.

Gegen den Willen des Vaters siedelt Leo Putz bereits mit 16 Jahren nach München über, um bei seinem Stiefbruder Prof. Robert Poetzelberger ersten Zeichenunterricht zu nehmen. Es folgt eine künstlerische Ausbildung zunächst an der Münchener Akademie und von 1891 bis 1892 an der Pariser Akademie Julian bei den Professoren Adolphe Bouguereau und Benjamin Constant. Nach der Rückkehr aus Paris besucht Putz die Atelierklasse des Genremalers Paul Höcker. Im Jahr 1892 wird die Münchner Sezession gegründet, an deren Ausstellungen Putz sich jährlich beteiligt. Einige Jahre später, 1899, entsteht aus der Atelierklasse Höckers die Künstlergruppe "Scholle", zu deren Gründungsmitgliedern Leo Putz gehört.

Leo Putz ist einer der angesehensten Maler Münchens zu Anfang des 20. Jahrhunderts. Als exzellenter Kolorist mit einem den Franzosen verwandten Sinn für Valeurs, zeigt er seine große Begabung, das Licht nach spätimpressionistischer Manier zu inszenieren. Putz schafft im Zusammenspiel von Licht und Farbe ausgewogene Kompositionen, die sich durch eine effektvolle Farbigkeit, energische Pinselführung und differenzierte Beobachtung von Hell und Dunkel auszeichnen. Vor herbstlich verfärbtem Laub am Ufer eines Sees setzt Putz das Halbporträt der jungen Dame stimmungsvoll in Szene. Hauptaugenmerk liegt auf dem Gesicht der Dargestellten und wie sich das Herbstlicht auf der durch die kühle Luft geröteten Haut spiegelt.

Dem vorherrschenden Akademiestil und Historismus der damaligen Zeit wird eine neue, temperamentvolle Malweise entgegengesetzt, die den Einfluss Wilhelm Trübners erkennen lässt. Der Mensch, vornehmlich die Frau, wird zum zentralen Thema des künstlerischen Schaffens. 1923 zieht er mit seiner Familie nach Gauting in Bayern und wird bereits zwei Jahre später Ehrenmitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. 1929 tritt Putz seine erste Fernreise nach São Paulo an. Er verbringt die kommenden Jahre mit seiner Familie in Südamerika, unternimmt ausgedehnte Reisen nach Buenos Aires und nach Bahia in den Urwald. Putz' Arbeit wird mit einer außerordentlichen Professur an der Escola Nacionala de Bellas Artes in Rio geehrt. Die Jahre in Südamerika geben seiner Malerei neue Impulse, die Motive zeigen nun südländische Landschaften und Menschen, die Farbpalette erweitert sich um kräftige und farbenfrohe Töne. 1933 kehrt Putz mit seiner Familie wieder nach Gauting zurück. Sein Werk wird zwar mit einer großen Ausstellung vom Künstlerverein München geehrt, trotzdem sieht Putz sich 1936 gezwungen, vor den Nationalsozialisten in seine Geburtsstadt Meran zu fliehen. Er erhält 1937 Berufsverbot und bereits 1938 bewirkt die NSDAP die Auflösung der Sezession und sämtlicher Münchener Künstlergruppen. Am 21. Juli 1940 stirbt Leo Putz im Meraner Exil, die Beerdigung findet auf dem Gautinger Friedhof statt.

305
Leo Putz
Mädchenporträt, Um 1914.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 20.000
Ergebnis:
€ 34.160

(inkl. 22% Käuferaufgeld)