Auktion: 409 / Klassische Moderne und Seitenwege der dt.Avantgard am 06.12.2013 in München Lot 338

 
338
Alexej von Jawlensky
Stillleben: Alpenveilchen erblühen, 1936.
Öl auf Papier
Schätzung:
€ 40.000
Ergebnis:
€ 79.300

(inkl. 22% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Stillleben: Alpenveilchen erblühen. 1936.
Öl auf Papier mit Leinenstruktur, mehrfach auf Karton aufgezogen.
Jawlensky/Pieroni-Jawlensky 1918. Schwer leserlich links unten monogrammiert und rechts unten datiert. Verso signiert, datiert "IV 1936" und nummeriert "N 11" sowie vom Sohn des Künstler zweifach betitelt. 19 x 12,5 cm (7,4 x 4,9 in).

PROVENIENZ: Helene von Jawlensky, Wiesbaden 1938.
Nachlass des Künstlers.
Galerie Wilhelm Grosshenning, Düsseldorf 1972.
Privatsammlung.

AUSSTELLUNG: Deutsche und französische Meisterwerke des 20. Jahrhunderts, Galerie Wilhelm Grosshenning, Düsseldorf 1968/69, Farbabb. S. 36.
Deutsche und französische Kunstwerke des 20. Jahrhunderts, Galerie Wilhelm Grosshenning, Düsseldorf 1970/71 und 1971/72, Farbabb. S. 32.

Als ehemaliger Offizier der zaristischen Armee beginnt Alexej von Jawlensky erst 1889 in St. Petersburg mit seiner künstlerischen Ausbildung. Er studiert bei Ilja Repin und lernt über diesen Marianne von Werefkin sowie Helene Nesnakomoff, seine spätere Frau, kennen. Mit beiden siedelt Jawlensky 1896 nach München über, um eine private Kunstschule zu besuchen. Hier lernt er Wassily Kandinsky kennen. Der Künstler unternimmt mehrere Reisen nach Frankreich und kann 1905 durch Vermittlung von Sergej Djagilev im "Salon d'automne" zehn Gemälde zeigen. Jawlensky trifft zum ersten Mal Henri Matisse. Im Sommer 1908 arbeitet er mit Kandinsky, Marianne von Werefkin und Gabriele Münter erstmals zusammen in Murnau. Hier entsteht auch die Idee zur Gründung der "Neuen Künstlervereinigung München", zu der sich die vier Maler und andere Münchner Künstler 1909 zusammenschließen. Im Dezember desselben Jahres findet in München die erste Ausstellung der Gruppe statt. Zwei Jahre später wird der "Blaue Reiter" als neue große Idee einer künstlerischen Zusammenarbeit ins Leben gerufen. 1913 nimmt Jawlensky am "Ersten Deutschen Herbstsalon" Herwarth Waldens in Berlin teil. Als 1914 der Erste Weltkrieg beginnt, wird Jawlensky als russischer Staatsbürger aus Deutschland ausgewiesen. Er siedelt mit seiner Familie und Marianne von Werefkin nach St. Prex am Genfer See über und lebt bis 1921 in der Schweiz, wo er 1918 mit seinen abstrakten Köpfen beginnt. Anschließend lässt sich Jawlensky endgültig in Wiesbaden nieder. Eine schwere Arthritis-Erkrankung im Jahr 1929 hat einige Kuraufenthalte zur Folge, denen sich der Künstler regelmäßig unterziehen muss. Jawlensky leidet unter einer fortschreitenden Lähmung und kann nur unter Schwierigkeiten malen. 1933 wird er von den Nationalsozialisten mit Ausstellungsverbot belegt. Im Jahr darauf beginnt der Maler mit der Reihe der kleinformatigen "Meditationen".

Seit 1929 an einer schweren Arthritis leidend, wird er zunehmend von Schmerzen heimgesucht und muss die fortschreitende Versteifung von Händen und Armen hinnehmen: "Da ich durch meine Steifheit in den Ellenbogen und Händen sehr behindert wurde, muß ich mir eine neue Technik suchen. Meine letzte Periode meiner Arbeiten hat ganz kleine Formate, aber die Bilder sind noch tiefer und geistiger, nur mit der Farbe gesprochen" (zit. nach: Weiler 1970, S. 120). Parallel zu den von ihm als "Meditation" bezeichneten Gesichtern entsteht eine Reihe kleinformatiger Blumenstillleben, zu denen auch unser Werk gehört. Die Wiedergabe der dinglichen Welt wird vom Künstler auf wenige, zeichenhafte Grundformen beschränkt. Die dunkel glühenden Farben und der sichtbare Pinselstrich bestimmen den Ausdruck des Bildes und verleihen dem Werk eine unnachahmliche, entrückte Stimmung. Jawlenskys Vorstellung vom herannahenden Ende seines Schaffens und die damit einhergehende Dringlichkeit und Intensität des künstlerischen Prozesses verleihen den späten Werken eine Wahrhaftigkeit, wie sie sich in der Malerei nur selten beobachten lässt.

1937 werden 72 seiner Werke als "entartet" beschlagnahmt. Vier Jahre später, 1941, stirbt Jawlensky in Wiesbaden. [DB].

338
Alexej von Jawlensky
Stillleben: Alpenveilchen erblühen, 1936.
Öl auf Papier
Schätzung:
€ 40.000
Ergebnis:
€ 79.300

(inkl. 22% Käuferaufgeld)