Auktion: 409 / Klassische Moderne & Seitenwege der dt.Avantgarde am 06.12.2013 in München Lot 389

 
389
Marc Chagall
Circe, 1974.
Farblithografie
Schätzung:
€ 20.000
Ergebnis:
€ 32.940

(inkl. 22% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Circe. 1974.
Farblithografie.
Sorlier 780. Cramer Livres 96. Signiert und nummeriert. Aus einer Auflage von 30 signierten Exemplaren für den Künstler neben der unsignierten Gesamtauflage von 270. Auf Japan. 43 x 65 cm (16,9 x 25,5 in). Papier: 54 x 70,5 cm (21 x 27,7 in).
Aus "Homère. L'Odyssée", Band I. Gedruckt und herausgegeben von Fernand Mourlot, Paris 1975.
Äußerst selten.

Die Studienzeit verbringt Chagall zunächst in Witebsk, anschließend an der Petersburger Akademie bei Leon Bakst, der ihn auf Cézanne, van Gogh und Gauguin hinweist. Diese Einflüsse werden abgelöst von kubistischen und fauvistischen Tendenzen, die Chagall ab 1914 während eines vierjährigen Parisaufenthaltes zunehmend in seine Arbeit miteinbezieht. Seinen eigenen Stil - motivisch eine irreale Kombination symbolischer Bildmotive, bestehend aus jüdisch-religiös geprägten Kindheitserlebnissen und russischer Volkskunst, gepaart mit traumhaften Elementen und dem Einfluss der in Paris entdeckten modernen Kunst - entwickelt Chagall erst nach seiner Rückkehr nach Russland. In Witebsk gründet er 1919 eine Kunstschule und wird deren Direktor. Im selben Jahr übernimmt er die Ausstattung des Jüdischen Theaters in Moskau. 1922 verlässt Chagall endgültig Russland und geht über Berlin, wo die ersten grafischen Blätter, Radierungen zu der Autobiografie "Mein Leben", entstehen, nach Frankreich zurück. 1923 in Paris angekommen macht Chagall die Bekanntschaft mit dem Kunsthändler Vollard, der die Buchillustration des Werkes "Die toten Seelen" von Gogol in Auftrag gibt. Nach weiteren 100 Radierungen zu La Fontaines "Fabeln" entstehen ab 1930 die Bibelillustrationen, insgesamt 105 Blätter. Ausgedehnte Reisen führen den Künstler in diesen Jahren nach Palästina, Ägypten, Holland, England und Spanien. 1941 flieht Chagall in die USA, wo er die folgenden sechs Jahre lebt. Er entwirft in dieser Zeit Bühnenbilder für Ballettaufführungen von Tschaikowsky ("Aleko") und Strawinsky ("Feuervogel"). Nach einer großen Ausstellung im Museum of Modern Art 1946 kehrt der Künstler 1950 nach Frankreich zurück. Einige Großaufträge unterbrechen sein beschauliches Leben in Vence: Für verschiedene öffentliche Bauwerke wie z.B. die Kathedrale von Metz (1958), die Synagoge der Hadassah-Universitätsklinik bei Jerusalem (1960), oder das Haus der Vereinten Nationen in New York (1964) entwirft Chagall Glasfenster. Für die Pariser Oper wird ihm ein Deckengemälde in Auftrag gegeben. Als dieses 1964 fertiggestellt ist, beginnt Chagall mit Wandgemälden in der Metropolitan Opera in New York, die 1967 eingeweiht werden.

Religiöse und mythologische Themen sind prägend für das ¼uvre von Marc Chagall. Die hier vorliegende Lithografie aus dem Jahr 1974 entstammt in ihren Grundzügen dem klassischen Mythenstoff von Homers "Odyssee". Circe, die die Gefährten des Odysseus in Schweine verwandelte, bis der Held den Bann brechen kann, ist häufig an ihrem Webstuhl sitzend dargestellt. Das hier vorliegende Blatt ist hingegen eine erotisch konnotierte Verbildlichung der Göttin, die sie als verführerisch auf einem Bett liegenden Akt mit vollen Brüsten und langem Haar zeigt. Möglicherweise ist es Odysseus, der in ihrem Schoß liegt und sich an ihren Körper schmiegt. Chagall gelingt damit in freier Übersetzung der Mythenvorlage und in seiner charakteristischen Erzählweise eine sensibel aufgefasste Darstellung, die ihren besonderen Reiz überdies aus ihrer delikaten Farbigkeit bezieht.

Marc Chagall stirbt 1985 in Saint-Paul-de-Vence. [SM].

389
Marc Chagall
Circe, 1974.
Farblithografie
Schätzung:
€ 20.000
Ergebnis:
€ 32.940

(inkl. 22% Käuferaufgeld)