Auktion: 406 / Moderne Kunst am 08.06.2013 in München Lot 6

 
6
Max Liebermann
Der Nutzgarten in Wannsee nach Südosten, 1924.
Pastell
Schätzung:
€ 40.000
Ergebnis:
€ 97.600

(inkl. 22% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Der Nutzgarten in Wannsee nach Südosten. Um 1924.
Pastell.
Links unten signiert. Auf bräunlichem Velin, linke Kante mit Perforierung. 23,4 x 30 cm (9,2 x 11,8 in). Blattgroß.
Liebermanns leuchtende Gartenansichten zählen zu den gefragtesten Motiven des Künstlers auf dem internationalen Auktionsmarkt.

Mit einen Foto-Gutachten von Drs. Margreet Nouwen, Berlin, vom 1. Dezember 2009. Die Arbeit wird in das in Vorbereitung befindliche Werkverzeichnins der Pastelle, Aquarelle und Gouachen von Max Liebermann aufgenommen.

PROVENIENZ: Kunst alter und neuer Meister, Auktion 118, Karl & Faber, München 23. Mai 1969, Nr. 1148 (mit Abb. S. 251).
Privatbesitz Düsseldorf (bis 2009).
Galerie Paffrath, Düsseldorf (2009).
Privatsammlung.

AUSSTELLUNG: Max Liebermann. Gemälde, Pastelle, Aquarelle, Zeichnungen, Graphiken, Galerie Pels-Leusden, Berlin 2. März - 18. April 1970, Kat. Nr. 9 (mit Abb.).
Max Liebermann. 1847 - Berlin - 1935. Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen und Graphik, Galerie Siegfried Brumme, Frankfurt/Main, 22. Mai - 30. Juni 1970, Kat. Nr. 6.
Max Liebermann 1847-1935. Graphisches Kabinett, Kunsthandel Wolfgang Werner KG, Bremen 18. September - 14. November 1970, Kat. Nr. 8 (mit Farbabb.).
Neuerwerbungen XXII, Galerie Paffrath, Düsseldorf Herbst 2009, S. 86 (mit Farbabb. S. 87).

LITERATUR: Max Liebermann in seiner Zeit, Nationalgalerie Berlin (West)/Haus der Kunst, München 1979-80, S. 638 (unter Kat. Nr. 393).
Paul Aletrino, Max Liebermann en Holland, in: Tableau, Jg. 2, Nr. 5, April/Mai 1980, S. 254ff. (mit Farbabb. S.255).
Holly Prentiss Richardson, Landscape in the Work of Max Liebermann, Diss. Brown Universitiy, Providence/RI 1991 (Ann Arbor/Mi: UMI, 1991) Vol. II, Nr. 784.

Bereits als Neunjähriger beginnt Max Liebermann seine unmittelbare Umgebung mit Stift und Papier einzufangen. Als der renommierte Berliner Maler Carl Steffeck Zeichnungen des 15-Jährigen zu sehen bekommt, rät er entgegen den Wünschen der Eltern, dieses Talent unbedingt zu fördern. Er erteilt dem Jungen ersten Unterricht und ermuntert ihn zum Besuch der Weimarer Akademie. Liebermann studiert dort dreieinhalb Jahre bis 1872. Eine Reise nach Düsseldorf führt den jungen Künstler 1871 zu Mihály Munkácsy, einem dort lebenden ungarischen Maler, dessen Realismus ihn begeistert. Unter diesem Eindruck entsteht noch im selben Jahr sein erstes großes Bild "Die Gänserupferinnen". Die ungeschönte Wirklichkeit darin, die bei Kritikern auf herbe Ablehnung stößt, wird von nun an charakteristisch für Liebermanns Darstellungsweise. Die Jahre 1873 bis 1878 verbringt er in Paris und dem Künstlerort Barbizon. Liebermann beschäftigt sich mit der Kunst Millets, dessen Bilder von der Arbeit des einfachen Menschen auf dem Land ihn nachhaltig beeinflussen. Seit seinem ersten Aufenthalt in Holland im Jahr 1871 reist Liebermann regelmäßig dorthin. Er findet hier die geeigneten Motive zu mehreren seiner wichtigsten Werke. Durch sein Engagement, in unpathetischer Schlichtheit das Leben und die Arbeit des einfachen Menschen zur Kunst zu erheben, muss Liebermann stets um Anerkennung kämpfen. Erst als er sich zunehmend Motiven und Szenen aus dem Leben des gehobenen Bürgertums zuwendet, wird er zu einem gefeierten und gesuchten Maler des liberalen Bürgertums der Jahrhundertwende. Die Jahre 1878 bis 1884 verbringt Liebermann in München, bevor er 1884 in seine Geburtsstadt Berlin zurückkehrt. Doch nicht nur als Künstler, sondern auch als Kunstpolitiker nimmt Liebermann einen hohen Rang ein. Bereits Anfang 1892 gehört er zu den Mitgliedern der ersten Sezession Deutschlands, deren Berliner Vorsitz er in den Jahren 1898 bis 1911 innehat. Seine Heimatstadt Berlin ehrt Liebermann mit der Berufung zum Professor an der Königlichen Akademie der Künste. In den Jahren 1920 bis 1932 ist er Präsident der Preußischen Akademie der Künste.

Das 1909 erworbene Haus am Wannsee mit seinem schmalen Garten zum See, war als Sommerresidenz gedacht und wird in der Folge mehr und mehr zum Domizil des Künstlers, der in dem das Haus umgebenden Garten eine Vielzahl seiner Motive findet. Ob Nutz- oder Ziergarten, im liebermannschen Sinne spielt das keine besondere Rolle. Seine Eindrücke hat er in einem umfangreichen malerischen Werk speziell dieser Sujets hinterlassen. Doch auch im kleinen Format, insbesondere in den Pastellen, zeigt Liebermann seine Freude im Festhalten der ihm liebgewordenen Eindrücke. Die Pastelle sind in ihrer gestisch malerischen Art, in der sie Liebermann zu Papier bringt, ein besonderes Zeugnis dieser intensiven Auseinandersetzung mit der ihn umgebenden üppig blühenden Natur. Liebermann fasst seine Eindrücke großflächig zusammen und doch gönnt er dem Pastellstrich das besondere Eigenleben, das ihn vom Malerischen des Pinsels unterscheidet. Das seitliche Licht, eine besondere Spezialität Liebermanns, schafft eine Illusion von Räumlichkeit, die weit über das kleine Format dieser Arbeit hinausgeht.

Im November 1934 erkrankt der Künstler schwer und stirbt drei Monate später in seiner Berliner Wohnung. [KD].

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Max Liebermann
Der Nutzgarten in Wannsee nach Südosten, 1924.
Pastell
Schätzung:
€ 40.000
Ergebnis:
€ 97.600

(inkl. 22% Käuferaufgeld)