Auktion: 407 / Post War/ Zeitgenössische Kunst am 08.06.2013 in München Lot 204

 

204
Emil Schumacher
GE-11/1997, 1997.
Mischtechnik
Schätzung:
€ 18.000
Ergebnis:
€ 73.200

(inkl. 22% Käuferaufgeld)
GE-11/1997. 1997.
Mischtechnik.
Rechts unten signiert und datiert. Auf festem Aquarellbütten. 50,5 x 64 cm (19,8 x 25,1 in), blattgroß.

Wir danken Dr. Ulrich Schumacher, Emil Schumacher Stiftung Hagen, für die wissenschaftliche Beratung. Die vorliegende Arbeit ist unter der Nr. 0/3.626 in dem in Vorbereitung befindlichen Werkkatalog verzeichnet.

Der 1912 im westfälischen Hagen geborene Emil Schumacher beginnt im Alter von 20 Jahren ein dreijähriges Studium an der Kunstgewerbeschule in Dortmund. Er ist ab 1935 als freier Maler tätig, 1947 gründet Schumacher mit einigen Malerkollegen die Künstler- und Ausstellungsvereinigung "junger westen". Ab 1950 findet ein radikaler Umbruch in Schumachers Werk statt. Er verabschiedet den Gegenstand als Bildmotiv und entscheidet sich für die Ausdruckskraft der Malerei selbst. Die Farbe wird zunehmend zu einem eigenen Bildfaktor. Dieser biografisch-künstlerische Vorgang vollzieht sich vor dem Hintergrund eines Zeitstils, der von der französischen École de Paris, dem Tachismus und vom amerikanischen Action Painting geprägt ist. Ist die Abstraktion einerseits Zeitzeichen, so wird sie für Schumacher andererseits zum Merkmal seiner persönlichen Handschrift, seines Stils. Ende der 1960er und Anfang der 1970er Jahre experimentiert Schumacher mit einem rigorosen Aktionismus, der sich vor allem in den "Hammerbildern" ausdrückt. Die Verletzung und Beschädigung des Bildträgers bieten ihm die Möglichkeit, Zerstörung selbst als bildnerisches Mittel in der Kunst einzusetzen. Seit der Teilnahme an der documenta III in Kassel 1964 entstehen bis in die 1980er Jahre extrem großformatige Bilder, in denen sich eine eminente malerische Freiheit manifestiert. In Schumachers späten Arbeiten aus den 1990er Jahren, in denen eindeutig gegenständliche Reminiszenzen auftauchen, hat Schumacher den Gegensatz zwischen Abstraktion und Figuration überwunden. Ab Mitte der 1950er Jahre erfährt er als einer der bedeutendsten Vertreter des Informel international hohe Anerkennung. Schumachers Werk wird durch zahlreiche internationale Preise ausgezeichnet, von denen die Verleihung des Guggenheim-Awards in New York 1958 nur der Auftakt ist. Im gleichen Jahr wird er als Professor an die Hochschule für bildende Künste in Hamburg berufen, 1966 nimmt er eine Professur in Karlsruhe an und geht 1967 für ein Jahr als Gastprofessor an die Universität in Minneapolis/USA.

Emil Schumacher zählt zu den bedeutendsten Vertretern des deutschen Informel. Schumachers Malweise ist in hohem Maße von einer Eigendynamik und Eigengesetzlichkeit geprägt, die der Künstler mit folgenden Worten beschreibt: "Meist beginnt es mit einem Stupps, den ich dem Papier mit einem Pinsel, in Farbe getaucht, gebe, oder mit einer Kreide, und dann ist zumeist kein Halten mehr. Es hat mich ergriffen, und alles Weitere ist eine Folge von Tun und Lassen" (zit. nach: Emil Schumacher, Ausst.Kat. Annamarie M. Andersen Kunsthandel, Zürich 1993, S. 4). Das eindrucksvolle Spätwerk ist bezeichnender Ausdruck der ungebrochenen Vitalität des Künstlers. Schumacher lässt Anklänge an figurative Gestaltungen zu, ohne jedoch die Offenheit des informellen Malprozesses in Frage zu stellen. Darüber hinaus bildet die künstlerische Auseinandersetzung mit der Form, mit Linie, Farbe, Zerstörung, Natur und dem Raum die Grundpfeiler seiner Malerei, die ihn zu immer neuen materiellen Strukturen führt. Unsere Komposition lebt von diesem Miteinander und der daraus resultierenden Spannung.

1998 ehrt ihn der Bundestag mit einem Auftrag für ein Wandgemälde im Berliner Reichstagsgebäude. Ein Jahr nach der großen Retrospektive in München stirbt Emil Schumacher am 4. Oktober 1999 in San José. [DB]




204
Emil Schumacher
GE-11/1997, 1997.
Mischtechnik
Schätzung:
€ 18.000
Ergebnis:
€ 73.200

(inkl. 22% Käuferaufgeld)