Auktion: 406 / Moderne Kunst am 08.06.2013 in München Lot 37

 

37
Hermann Max Pechstein
Dorf, 1919.
Aquarell
Schätzung:
€ 25.000
Ergebnis:
€ 41.480

(inkl. 22% Käuferaufgeld)
Dorf. 1919.
Aquarell und Tuschpinselzeichnung.
Links unten signiert und datiert. Auf festem Velin. 35,5 x 46,8 cm (13,9 x 18,4 in). Blattgroß.

Wir danken Herrn Alexander Pechstein, Max Pechstein-Urheberrechtsgemeinschaft, für die freundliche wissenschaftliche Beratung.

PROVENIENZ: Privatsammlung Baden-Württemberg.
Galerie Rosenbach, Hannover.
Privatsammlung.

Schon früh wird das künstlerische Talent Hermann Max Pechsteins erkannt und gefördert. Sein Werdegang, erst als Lehrling bei einem Zwickauer Malermeister, dann in der Dresdner Kunstgewerbeschule und schließlich an der dortigen Akademie bei dem Dekorationsmaler Otto Gußmann, verhilft Pechstein zu einem soliden handwerklichen Können. Als er 1906 für die Dresdner Kunstgewerbeausstellung ein Deckenbild in so unkonventioneller Farbigkeit malt, dass es der Auftraggeber durch graue Spritzer dämpfen lässt, wird Erich Heckel auf Pechstein aufmerksam und holt ihn schließlich in die ein Jahr zuvor gegründete Künstlervereinigung "Brücke", welche sich zum Ziel eine dem Impressionismus entgegengesetzte, aus der Kraft der Farbe kommende Malerei gesetzt hatte und "alle revolutionären und gärenden Kräfte an sich [..] ziehen wollte" (Schmidt-Rottluff). Im Umfeld der "Brücke"-Mitglieder entwickelt sich der expressionistische Stil Pechsteins nun weiter, wobei es sein Ziel ist, mit wohldosiertem Einsatz malerischer Mittel den motivischen Kernpunkt herauszuarbeiten. 1908 lässt sich Pechstein in Berlin nieder und wird dort zum Mitbegründer der Neuen Sezession. Er schafft Figurenbilder, Stillleben und Landschaften in einem gemäßigt expressionistischen Stil, der zu dem frühen und lang anhaltenden Erfolg des Künstlers führt.

Von einem starken zeichnerischen Duktus geprägt, lässt Max Pechstein seine Sicht auf ein Dorf in Pommern in kräftigen Farbtönen aufleuchten. Das verfestige Formengut, das sich vor allem im Aquarell bei Max Pechstein immer wieder findet, gibt der Komposition eine innere Stärke der Aussage, die sehr direkt auf den Betrachter wirkt. Die kräftigen Farbflächen stehen im Kontrast zu diesem zeichnerischen Gerüst und, statt es aufzulösen, verleihen sie ihm einen zusätzlichen Impuls der Wahrnehmung. Max Pechstein visualisiert hier sehr direkt das Gesehene, um es formvereinfachend zu einer Gesamtkonzeption zusammenzuschließen. Die Frische der Aussage muss nicht überraschen. Sie ist bei fast allen Arbeiten Pechsteins präsent.

1937 wird Hermann Max Pechstein als "entarteter Künstler" diffamiert. Nach dem Krieg, ab 1945, lehrt er an der Berliner Akademie der Künste. Neben der Malerei entsteht im Bereich der Grafik ein Werk mit mehr als 850 Holzschnitten, Lithografien und Radierungen. [KD].




37
Hermann Max Pechstein
Dorf, 1919.
Aquarell
Schätzung:
€ 25.000
Ergebnis:
€ 41.480

(inkl. 22% Käuferaufgeld)