Auktion: 403 / Moderne Kunst am 19.04.2013 in München Lot 423

 
423
Ernst Ludwig Kirchner
Elisabeth-Ufer (Berlin), 1913.
Holzschnitt
Schätzung:
€ 20.000
Ergebnis:
€ 30.000

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Elisabeth-Ufer (Berlin). 1913/14.
Holzschnitt.
Dube H 197. Schiefler 224. Signiert. Einer von bisher 5 bekannten Handdrucken. Auf festem, gräulichem Velin. 20,8 x 23 cm (8,1 x 9 in). Papier: 52,6 x 39 cm (20,7 x 15,3 in).
Das motivgleiche Gemälde "Rotes Elisabeth Ufer" aus dem Jahr 1912/13 (Gordon 275) befindet sich in der Sammlung der Pinakothek der Moderne, München.

Die Arbeit wird in den in Vorbereitung befindlichen Katalog der Druckgrafik E.L. Kirchners von Prof. Dr. Günther Gercken unter der Nummer G. 642 aufgenommen.

PROVENIENZ: Sammlung Gustav Schiefler.

Nach dem Abschluss eines Architekturstudiums in Dresden, während dem Ernst Ludwig Kirchner Fritz Bleyl, Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff kennenlernt und mit diesen bereits künstlerisch zusammenarbeitet, entscheidet sich Kirchner gegen den Wunsch seines Vaters ganz für die Malerei. Der intensive Austausch der vier Freunde führt 1905 zur Gründung der Künstlergemeinschaft "Brücke" mit dem Ziel, "alle revolutionären und gärenden Kräfte an sich zu ziehen" (Schmidt-Rottluff). Die Künstler beginnen mit den "Viertelstundenakten", den Zeichnungen nach Aktmodellen im Atelier oder in der Natur. Die Gruppe orientiert sich zunächst an Künstlern des Spätimpressionismus. Die Entdeckung der Fauves, der Südsee-Kunst und van Goghs führt die Maler zum Expressionismus. Infolge der Begegnung mit der Kunst der italienischen Futuristen verändert sich der Malstil der Gruppe um 1910, er wird "härter". Ernst Ludwig Kirchner studiert die Plastik im Dresdner Völkerkundemuseum. Unter diesem Eindruck haut und schneidet Kirchner Holzplastiken. 1911 übersiedelt Ernst Ludwig Kirchner nach Berlin.

Die Großstadt bietet ihm eine Fülle neuer Motive. Der Holzschnitt ist ein perfektes Mittel, diese in vereinfachten, scharf konturierten Formen und expressiven Zügen aufs Papier zu bringen. Aufgrund der Spröde des zu bearbeitenden Materials ist es auch eine besondere Herausforderung an den Künstler. Führt Kirchner seine Kompositionen wie hier anfangs noch in breiteren Linien und größeren Flächen aus, erlangt er im Laufe der Zeit eine Sicherheit und Genialität, die teils zu filigraneren Ausführungen gelangen.

Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges und die folgenden Jahre bedeuten einen Wendepunkt in Kirchners Leben. Die Kriegsereignisse und der Militärdienst stürzen Kirchner in existenzielle Angst, führen letztlich zu Krankheit und langen Sanatoriumsaufenthalten. Um so bemerkenswerter ist seine künstlerische Produktion in dieser Zeit. 1917 lässt sich Ernst Ludwig Kirchner in Frauenkirch bei Davos nieder. Den Großstadtbildern folgen nun Gebirgslandschaften und Darstellungen ländlichen Lebens. Um 1920 beruhigt sich seine expressive Malweise, die Bilder erhalten eine teppichhafte Flächigkeit. Daneben entsteht ein bedeutendes grafisches Werk in Form von Holzschnitten, Lithografien und Federzeichnungen. 1923 zieht Ernst Ludwig Kirchner in das "Haus auf dem Wildboden" am Eingang zum Sertigtal, wo Kirchner bis zu seinem Freitod im Jahr 1938 lebt und arbeitet. [KP/DB]

423
Ernst Ludwig Kirchner
Elisabeth-Ufer (Berlin), 1913.
Holzschnitt
Schätzung:
€ 20.000
Ergebnis:
€ 30.000

(inkl. 25% Käuferaufgeld)