Auktion: 403 / Moderne Kunst am 19.04.2013 in München Lot 421

 
421
Ernst Ludwig Kirchner
Skizze Redslob, 1924.
Kreidezeichnung
Schätzung:
€ 8.000
Ergebnis:
€ 10.000

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Skizze Redslob. 1924.
Kreidezeichnung.
Von fremder Hand bezeichnet "Skizze Redslob". Verso signiert (mit der Künstleradresse). Auf festem, glattem Velin ehemals zum Brief gefaltet. 51 x 32,2 cm (20 x 12,6 in), Blattgröße.
Edwin Redslob (1884-1973) ist 1920 bis 1933 Reichskunstwart im Reichsministerium des Inneren. In der Zeit des Zweiten Weltkrieges arbeitet er als freier Schriftsteller in Berlin, 1945 ist er Mitbegründer des Tagesspiegels und lehrt an der Freien Universität Berlin als Ordinarius für Kunstgeschichte. Kichners "Porträt Dr. Redslob" (Gordon 789) befindet sich heute als Leihgabe im Berliner Brücke-Museum.

Dieses Werk ist im Ernst Ludwig Kirchner Archiv Wichtrach/Bern dokumentiert.

PROVENIENZ: Sammlung Gustav Schiefler.

Nach dem Abschluss eines Architekturstudiums in Dresden, während dem Ernst Ludwig Kirchner Fritz Bleyl, Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff kennenlernt und mit diesen bereits künstlerisch zusammenarbeitet, entscheidet sich Kirchner gegen den Wunsch seines Vaters ganz für die Malerei. Der intensive Austausch der vier Freunde führt 1905 zur Gründung der Künstlergemeinschaft "Brücke" - mit dem Ziel, "alle revolutionären und gärenden Kräfte an sich zu ziehen" (Schmidt-Rottluff). Die Künstler beginnen mit den "Viertelstundenakten", den Zeichnungen nach Aktmodellen im Atelier oder in der Natur. Die Gruppe orientiert sich zunächst an Künstlern des Spätimpressionismus. Die Entdeckung der Fauves, der Südsee-Kunst und van Goghs führt die Maler zum Expressionismus. Infolge der Begegnung mit der Kunst der italienischen Futuristen verändert sich der Malstil der Gruppe um 1910, er wird "härter". Ernst Ludwig Kirchner studiert die Plastik im Dresdner Völkerkundemuseum. Unter diesem Eindruck haut und schneidet Kirchner Holzplastiken. 1911 übersiedelt Ernst Ludwig Kirchner nach Berlin. Die Großstadt bietet ihm eine Fülle neuer Motive, die Kirchner in vereinfachten, scharf konturierten Formen, expressiven Zügen und grellen Farbkontrasten umsetzt. Diese Großstadtbilder werden zu Inkunabeln des Expressionismus und machen Ernst Ludwig Kirchner zu einem der bedeutendsten deutschen Künstler des 20. Jahrhunderts. Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges und die folgenden Jahre bedeuten einen Wendepunkt in Kirchners Leben. Die Kriegsereignisse und der Militärdienst stürzen Kirchner in existenzielle Angst, führen letztlich zu Krankheit und langen Sanatoriumsaufenthalten. Um so bemerkenswerter ist seine künstlerische Produktion in dieser Zeit. Es entstehen Werke wie der Holzschnitt "Frauen am Potsdamer Platz", die "Bilder zu Chamissos Peter Schlemihl", die Selbstporträts und Holzschnittbildnisse aus den Sanatorien, die zu den Höhepunkten seines ¼uvres zählen.
1917 lässt sich Ernst Ludwig Kirchner in Frauenkirch bei Davos nieder.

Edwin Redslob, ab 1920 Reichskunstwart, ist Sammler des Werkes von Ernst Ludwig Kirchner. Er besucht Kirchner 1924 in Davos. Bei dieser Gelegenheit ist wohl die vorliegende Zeichnung entstanden, die somit als Vorarbeit zu dem Gemälde "Porträt Dr. Edwin Redslob (Kopf Redslob)" (Gordon 789) gesehen werden kann. Mit pointierter Strichführung hat Kirchner die wesentlichen Züge und Linien der Physiognomie seines Gegenübers charakterisiert. In einem späteren Tagebucheintrag von 1926 definiert der Künstler in Bezug auf das Gemälde "Porträt Dr. Edwin Redslob": "Aber gerade bei diesen .. habe ich gelöst, was ich im Porträt anstrebe: Das Herausarbeiten des Charakters mit Form und Farbe. Meine neuen Mittel der Form geben diese Köpfe absolut..". (L. Griesebach, Ernst Ludwig Kirchners Davoser Tagebuch, Wichtrach/Bern 1997, S. 146/147) Kirchner hat die vorliegende Skizze als Brief gefaltet und an Gustav Schiefler geschickt. Verso finden sich noch die handschriftliche Adresse des Empfängers und Absenders sowie die gelaufenen Briefmarken.

Den Großstadtbildern folgen nun Gebirgslandschaften und Darstellungen ländlichen Lebens. Um 1920 beruhigt sich seine expressive Malweise, die Bilder erhalten eine teppichhafte Flächigkeit. Daneben entsteht ein bedeutendes grafisches Werk in Form von Holzschnitten, Lithografien und Federzeichnungen. 1923 zieht Ernst Ludwig Kirchner in das "Haus auf dem Wildboden" am Eingang zum Sertigtal, wo Kirchner bis zu seinem Freitod im Jahr 1938 lebt und arbeitet. [EH].

421
Ernst Ludwig Kirchner
Skizze Redslob, 1924.
Kreidezeichnung
Schätzung:
€ 8.000
Ergebnis:
€ 10.000

(inkl. 25% Käuferaufgeld)