Auktion: 409 / Klassische Moderne und Seitenwege der dt.Avantgard am 06.12.2013 in München Lot 303

 
303
Edvard Munch
Neutralia, 1915.
Farblithografie
Schätzung:
€ 18.000
Ergebnis:
€ 36.600

(inkl. 22% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Neutralia. 1915.
Farblithografie.
Wohl Woll 527/ A1 (von Bb). Signiert. Auf Velin. 56 x 50 cm (22 x 19,6 in), Blattgröße. [DB].

Erstmalig wird hier ein Exemplar dieser Farblithografie auf dem deutschen Auktionsmarkt angeboten (Quelle: www.artnet.de).
Wir danken dem Munch Museum, Oslo, für die wissenschaftliche Beratung.

Der norwegische Maler und Grafiker Edvard Munch beginnt nach einem abgebrochenen Ingenieurstudium 1881 mit einer grafischen Ausbildung in Oslo. Bis 1884 studiert er hier u.a. bei dem Bildhauer Julius Middelthun und dem Maler Christian Krogh. Schon bald ist Munch als selbstständiger Maler tätig, der mit seinem ihm eigenen Stil das Interesse der breiten Öffentlichkeit weckt. Seine Berliner Ausstellung 1892, die auf Einladung des Vereins Berliner Künstler hin stattfindet, verursacht einen Skandal und führt zur Gründung der Berliner Sezession. Die frühen Gemälde Munchs sind realistische Bilder mit einem stark emotionalen Gehalt - eine Grundstimmung im Schaffen des jungen Künstlers, die sich noch verstärkt, als Munch bei seinen ersten Aufenthalten in Paris um 1890 Toulouse-Lautrec, van Gogh, Gauguin und die Werke der Symbolisten kennenlernt. Ihre Arbeiten veranlassen ihn nicht nur zu einer größeren Vereinfachung seiner Formensprache, sondern auch durch neue bildnerische Mittel zu einer Steigerung des Ausdrucks.

1916 erwirbt Munch den Besitz Ekely bei Christiania/ Oslo. Landschaften und Menschen im Einklang mit der Natur sind nun Motive, die Munch in klaren, kräftigen Farben schildert. Eine leichte, spontane Pinselführung, die er auch in der hier vorliegenden Farblithografie verwendet, vermittelt den Eindruck seiner sinnlichen Huldigung an Sonne, Luft und Erde. Munch hat deshalb das Motiv der „Äpfelplückenden Mädchen“ als Plakat für eineAusstellung konzipiert, die im norwegischen Charlottenborg im November/ Dezember 1916 stattfindet. Unser Exemplar ist ein Exemplar ohne die dafür vorgesehene Schrift. Der eigentliche Titel verweist auf die Neutralität der Dänen und Norweger während des I. Weltkriegs, den Munch in der ländlichen Abgeschiedenheit Ekelys verbringt, in die er sich in zunehmend selbst gewählter Einsamkeit zurückgezogen hat.

Nach einer schweren Nervenkrise kehrt der Künstler, der sich bis 1908 vorwiegend in Paris und Deutschland aufhält, nach Norwegen zurück. 1937 werden 82 Werke Munchs aus deutschen Museen von den Nationalsozialisten als "entartet" diffamiert und verkauft. Aufgrund einer Augenkrankheit, die sich bereits 1930 ankündigt, erschwert sich die Arbeit zunehmend für den Maler. 1944 stirbt Munch auf Ekely. Seinen Nachlass vermacht er der Stadt Oslo, die damit 1963 das Munch-Museum eröffnet. [DB].

303
Edvard Munch
Neutralia, 1915.
Farblithografie
Schätzung:
€ 18.000
Ergebnis:
€ 36.600

(inkl. 22% Käuferaufgeld)