Auktion: 401 / Post War/Zeitgenössische Kunst am 08.12.2012 in München Lot 231

 
231
Emil Schumacher
Morab, 1982.
Öl
Schätzung:
€ 100.000
Ergebnis:
€ 176.900

(inkl. 22% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Morab. 1982.
Öl und Sand auf Hartfaserplatte.
Rechts unten signiert und datiert. Verso handschriftlich datiert, betitelt und bezeichnet. 126,5 x 171,5 cm (49,8 x 67,5 in).

Wir danken Herrn Dr. Ulrich Schumacher, Emil Schumacher Stiftung Hagen, für die wissenschaftliche Beratung. Die vorliegende Arbeit ist unter der Nr. 0/467 im Archiv der Stiftung verzeichnet und wird in den in Vorbereitung befindlichen Werkkatalog aufgenommen.

PROVENIENZ: Galerie Brusberg, Berlin 1987
Privatsammlung Norddeutschland.

AUSSTELLUNG: Galerie Hans Strelow, Düsseldorf o.J. (verso mit dem Etikett).

Der 1912 im westfälischen Hagen geborene Emil Schumacher beginnt im Alter von 20 Jahren ein dreijähriges Studium an der Kunstgewerbeschule in Dortmund. Er ist ab 1935 als freier Maler tätig, 1947 gründet Schumacher mit einigen Malerkollegen die Künstler- und Ausstellungsvereinigung "junger westen". Ab 1950 findet ein radikaler Umbruch in Schumachers Werk statt. Er verabschiedet den Gegenstand als Bildmotiv und lässt die Farbe zunehmend zu einem eigenen Bildfaktor werden. Dieser biografisch-künstlerische Vorgang vollzieht sich vor dem Hintergrund eines Zeitstils, der von der französischen École de Paris, dem Tachismus und vom amerikanischen Action Painting geprägt ist. Ist die Abstraktion einerseits Zeitzeichen, so wird sie für Schumacher andererseits zum Merkmal seiner persönlichen Handschrift, seines Stils. Ende der 1960er und Anfang der 1970er Jahre experimentiert Schumacher mit einem rigorosen Aktionismus, der sich vor allem in den "Hammerbildern" ausdrückt. Die Verletzung und Beschädigung des Bildträgers bieten ihm die Möglichkeit, Zerstörung selbst als bildnerisches Mittel in der Kunst einzusetzen. Seit der Teilnahme an der Documenta III in Kassel 1964 entstehen bis in die 1980er Jahre extrem großformatige Bilder, in denen sich eine eminente malerische Freiheit manifestiert.

Schumachers Werke leben wie die vorliegende Arbeit allein von der expressiven Kraft der Farbe und ihrer Materie. Der Künstler lässt die Stofflichkeit der Farbe zum maximalen Ausdruck kommen und macht sie für den Betrachter sowohl in ihren haptischen als auch optischen Eigenschaften erfahrbar. Schumachers Gemälde stellen keine Bildinhalte dar, sondern stehen nur für sich selbst, für die Malerei an sich: "Schumachers Kunst ist, so, wie wir sie heute sehen, in einer durch und durch dezidierten Weise ebenso abhängig wie unabhängig von den Kunstismen ihrer Zeit. Sie erklärt sich aus sich selbst, als 'Malerei'." (Joachim Büchner, Farbe und Materie, Ausdruck und Form - Wandlungen von Wirklichkeit, in: Künstler. Kritisches Lexikon der Gegenwartskunst, Ausgabe 1, S. 3).

In Schumachers späten Arbeiten aus den 1990er Jahren, in denen eindeutig gegenständliche Reminiszenzen auftauchen, hat Schumacher den Gegensatz zwischen Abstraktion und Figuration überwunden. Ab Mitte der 1950er Jahre erfährt er als einer der bedeutendsten Vertreter des Informel international hohe Anerkennung. Schumachers Werk wird durch zahlreiche internationale Preise ausgezeichnet, von denen die Verleihung des Guggenheim-Awards in New York 1958 nur der Auftakt ist. Im gleichen Jahr wird er als Professor an die Hochschule für bildende Künste in Hamburg berufen, 1966 nimmt er eine Professur in Karlsruhe an und geht 1967 für ein Jahr als Gastprofessor an die Universität in Minneapolis/USA. 1998 ehrt ihn der Bundestag mit einem Auftrag für ein Wandgemälde im Berliner Reichstagsgebäude. Ein Jahr nach der großen Retrospektive in München stirbt Emil Schumacher am 4. Oktober 1999 in San José. [KH].

231
Emil Schumacher
Morab, 1982.
Öl
Schätzung:
€ 100.000
Ergebnis:
€ 176.900

(inkl. 22% Käuferaufgeld)