Auktion: 401 / Post War/Zeitgenössische Kunst am 08.12.2012 in München Lot 318

 
318
Bernar Venet
223.5° ARC x 4, 2007.
Plastik
Schätzung:
€ 50.000
Ergebnis:
€ 73.200

(inkl. 22% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
223.5° ARC x 4. 2007.
Plastik. Stahl mit natürlicher Rostpatina.
Bezeichnet "223,5° ARC x 4". Unikat. Ca. 104 x 102 x 30 cm (40,9 x 40,1 x 11,8 in).

Die Arbeit ist im Archiv des Studio Bernar Venet, New York, unter der Nummer bv07s46 verzeichnet.

Am 20. April 1941 wird Bernar Venet in Château-Arnoux Saint-Auban in Frankreich geboren. Bereits mit zehn Jahren wendet sich Venet der Malerei zu und wird bereits mit elf Jahren eingeladen, im Salon de Peinture Péchiney in Paris auszustellen. 1958 beginnt Venet ein einjähriges Studium an der städtischen Schule für gestaltende Kunst in Nizza und leistet im Anschluss eine Assistenz als Bühnenbildner an der Oper in Nizza. Nach seinem Militärdienst, den er in Algerien zu absolvieren hatte, wendet sich der 20jährige Venet gestischen Bildern und der Fotografie zu, welche sich immer mehr zu monochromen Tafelbildern aus Teer und Asphalt entwickeln und neben abstrakten Kartonreliefs und Fotografien sein Frühwerk bestimmen. Bereits 1963 entsteht mit „Pile of Coal (Tas de charbon)“ die erste abstrakte Skulptur und gilt heute als Wendepunkt im Schaffen des Künstlers. Gleichzeitig experimentiert Venet in den 1960er Jahren mit dem Medium des Films und konzipiert ein Ballett. 1964 nimmt er am Salon Comparaisons im Museum für Moderne Kunst der Stadt Paris teil und stellt dort, neben Künstlern des Neuen Realismus und der Pop Art seine abstrakten Kartonreliefs aus. Ende der 1960er Jahre setzt sich Venet immer mehr mit der Konzeptkunst auseinander und verfolgt nun ganz schematisch rationalen Prinzipien. In Auseinandersetzung mit mathematischen und physikalischen Fragen rückt der Inhalt im Gegensatz zur Form immer mehr ins Zentrum seiner Arbeiten. Eine fünfjährigen Schaffenspause, von 1971 bis 1976, nutzt er, um sich kunsttheoretischen Fragen zu widmen und an der Pariser Universität Sorbonne Kunst und Kunsttheorie zu unterrichten. 1976 nimmt er seine künstlerischen Tätigkeit wieder auf und entwirft zunächst Gemälde, die äußerst zurückhaltende Interpretationen von geometrischen Figuren darstellen. Gleich ein Jahr später nimmt er an der documentea 6 in Kassel teil und 1978 an der Biennale in Venedig. 1979 entstehen die ersten Holzreliefs sowie seine ersten Stahlskulpturen „Indeterminate Lines“.

Die Linie wird für Bernar Venet zum Mittel seiner künstlerischen Ausdrucksform und zum Gegenstand seiner Stahlskulpturen, in welchen er sich mit dem Phänomen von Raum, Zeit und Bewegung auseinander setzt. Diese Auseinandersetzung wird auch in der hier vorliegenden Arbeit deutlich. Die klarste Grundform wird aufgebrochen und zu einer Symbiose von Raum und Linie gebracht, die sich gegenseitig durchdringen. Darüber hinaus wird ein faszinierender Kontrast evoziert, indem die Leichtigkeit der Form der Monumentalität des Materials gegenüber steht.

Neben seiner Tätigkeit als Bildhauer, für die der Künstler international anerkannt wird, bleibt er immer auch den Genres der Malerei, der Fotografie und dem Film eng verbunden. Bernar Venet ist einer der international herausragenden Bildhauer der Gegenwart. Seine Skulpturen sind in zahlreichen Museen, Privatsammlungen und im öffentlichen Raum vertreten.[KH/JG].

318
Bernar Venet
223.5° ARC x 4, 2007.
Plastik
Schätzung:
€ 50.000
Ergebnis:
€ 73.200

(inkl. 22% Käuferaufgeld)