Auktion: 408 / Sammlung Harry Beyer am 15.05.2013 in München Lot 75

 
75
Georg Kolbe
Kauernde, 1917.
Bronze
Schätzung:
€ 12.000
Ergebnis:
€ 39.040

(inkl. 22% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Kauernde. 1917.
Bronze, schwarzbraun patiniert.
Berger 31. Mit ligiertem Monogramm hinten rechts an der Plinthe und mit Gießerstempel "H Noack Berlin". Wahrscheinlich eines von 13 Exemplaren, die nach 1940 gegossen wurden. Zusammen mit den frühen Editionen sind ca. 30 Exemplare dieser Bronze bekannt. 23,3 x 18,5 x 14,5 cm (9,1 x 7,2 x 5,7 in).

Wir danken Frau Dr. Ursel Berger, Georg-Kolbe-Museum, Berlin, für die wissenschaftliche Beratung.

Georg Kolbe studiert zunächst Malerei in Dresden und München. Durch die Begegnung mit der Plastik von Louis Tuaillon und Auguste Rodin, dessen Arbeiten er während eines halbjährigen Parisaufenthaltes 1897 ausgiebig studiert, wechselt Kolbe zur Bildhauerei. Erste plastische Werke entstehen unter der Anleitung von Tuaillon, dem Hauptvertreter der neoklassizistischen Plastik, als Kolbe 1898 nach Rom übersiedelt. Nach sechs Jahren, die geprägt sind von zahlreichen Reisen durch Italien, Frankreich, Belgien und Holland, kehrt Kolbe wieder nach Deutschland zurück und zieht 1904 nach Berlin. Auch von dort unternimmt er in den folgenden Jahren Reisen, um neue Impulse und Eindrücke zu gewinnen. Der Kunsthändler Paul Cassirer vertritt Kolbe, dessen Werk ab 1910 immer bekannter wird. Nach einem Einsatz an der Ostfront bleibt Kolbe weitestgehend vom Kriegsdienst während des Ersten Weltkriegs verschont.

Die fast symmetrische Anordnung der Gliedmaßen gibt der Kauernden eine innere Geschlossenheit, die sich auch auf die Raumwirkung der Plastik überträgt. Allein der leicht nach hinten geneigte Kopf durchbricht diese Geschlossenheit und öffnet die Raumwirkung nach oben. Die Gesichtszüge der Kauernden werden von den geschlossenen Augen und einer gewissen meditativen Anspannung bestimmt, die im bewussten Gegensatz zu der eher erdverbundenen Körperlichkeit zu sehen ist.

Im Jahr 1918, kurz nach Kriegsende, erhält Kolbe den Professorentitel vom Preußischen Kultusministerium. Während Kolbes Frühwerk von einfachen, harmonischen Aktfiguren im Stile Rodins und Maillols geprägt ist, die einen Gleichklang von Körper und Seele anstreben, verstärkt sich in den dreißiger Jahren seine Neigung zu einer heroisierenden Monumentalität. 1936 nimmt die Reichskulturkammer den Deutschen Künstlerbund mit Georg Kolbe als Vorsitzendem in ihren Verband auf. 1937 bis 1944 sind Kolbes Werke regelmäßig auf den Großen Deutschen Kunstausstellungen vertreten, zudem erhält er zahlreiche Aufträge und Auszeichnungen. Jedoch gelingt es den Nationalsozialisten nicht Kolbe für sich zu vereinnahmen und ihn wie Arno Breker und Josef Thorak zum Staatsbildhauer für überdimensionierte nationalistische Skulpturen zu machen. Einige seiner Arbeiten werden gar abgelehnt, beschlagnahmt und vernichtet. Nachdem Haus und Atelier des Bildhauers beschädigt wurden, lebt Kolbe bis Anfang 1945 im schlesischen Hiershagen. Zurück in Berlin muss sich Kolbe mehreren, erfolglosen Augenoperationen unterziehen. Kolbe stirbt am 20. November 1947 in Berlin an einem wieder ausgebrochenen alten Krebsleiden. Er gehört zu den ersten Bildhauern, deren Arbeiten nicht mehr nur reine Auftragsarbeiten sind. Neben einer beachtlichen Anzahl an Porträts, konzentriert sich Kolbe weitgehend auf Aktdarstellungen, womit er seine und die nachfolgende Generation der Bildhauer nachhaltig prägt. [CB].
Aufrufzeit: ca. 14.37 h +/- 20 Min.

75
Georg Kolbe
Kauernde, 1917.
Bronze
Schätzung:
€ 12.000
Ergebnis:
€ 39.040

(inkl. 22% Käuferaufgeld)