Auktion: 401 / Post War/Zeitgenössische Kunst am 08.12.2012 in München Lot 227

 
227
Rupprecht Geiger
496/68, 1968.
Acryl auf Leinwand
Schätzung:
€ 30.000
Ergebnis:
€ 58.560

(inkl. 22% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
496/68. 1968.
Acryl auf Leinwand.
Dornacher/Geiger 471. 150,3 x 150,3 cm (59,1 x 59,1 in).
Eine der seltenen Kompositionen in Grüntönen. Dieses Gemälde Rupprecht Geigers wurde im Jahr 1968 mit dem Burda-Kunstpreis ausgezeichnet.

PROVENIENZ: Privatsammlung Süddeutschland.

AUSSTELLUNG: Große Kunstausstellung München, Haus der Kunst, 13.6.-29.9.1968, Kat.Nr. 200 (auf dem Keilrahmen mit dem Ausstellungsetikett sowie mit der vom Künstler unterzeichneten Ausstellerkarte).

Rupprecht Geiger wird 1908 als einziges Kind des Malers und Grafikers Willi Geiger in München geboren. Seine Kindheit und Jugend verbringt Geiger in München und den Voralpen Oberbayerns. 1924 geht die Familie für ein Jahr nach Spanien, wo Geiger das Colegio aleman in Madrid besucht und seinen Vater auf Reisen zu den Kanarischen Inseln und nach Marokko begleitet. Bereits zu dieser Zeit beginnt Geiger zu zeichnen und zu aquarellieren. 1926, ein Jahr nach der Rückkehr aus Spanien, tritt er in die Architekturklasse von Eduard Pfeiffer an der Kunstgewerbeschule in München ein. 1935 absolviert Geiger das Schlussexamen als Architekt und verbringt ein halbes Jahr mit seinem Vater in Rom. Fortan arbeitet Geiger in einem Münchner Architekturbüro, bis er 1940 an die Front in Russland eingezogen wird. In dieser Zeit entstehen dunkeltonige Landschaftsaquarelle. 1942 kommt Geiger für kurze Zeit wieder nach Deutschland und beginnt durch Vermittlung seines Vaters als Kriegsmaler in der Ukraine zu arbeiten. Nach Kriegsende kehrt Geiger nach München zurück. 1948 wird sein erstes abstraktes Bild im "Salon des Réalistes Nouvelles" in Paris ausgestellt. Ein Jahr später gründet Geiger zusammen mit Baumeister, Matschinsky-Denninghoff und Winter die Gruppe "ZEN 49". In den fünfziger Jahren findet Geiger den für ihn kennzeichnenden Stil. 1962 gibt er seine Tätigkeit als Architekt ganz auf, um sich ausschließlich der Malerei zu widmen. 1965 wird Geiger als Professor an die Düsseldorfer Akademie berufen; die Professur nimmt er bis 1976 wahr.

Rupprecht Geiger gehört zu den bedeutendsten Vertretern der Farbfeldmalerei in Deutschland. Zur Abstraktion findet Geiger in den späten 1940er Jahren. Sind die Kompositionen der 1950er und frühen 1960er Jahre noch aus differenzierten Blau- und Rottönen aufgebaut und von Kreis- und Rechteckformen gleichermaßen beherrscht, so erreicht die Reduktion und Konzentration von Farbe und Form in den späten 1960er Jahren ihren Höhepunkt. Der Kreis als Sinnbild der Konzentration steht fortan im Zentrum von Geigers Schaffen, welcher durch den verstärkten Einsatz von Leuchtfarben, die keinerlei Bezug zur Natur und damit zur Welt des Gegenständlichen mehr aufweisen, zu einem meditativen Farbraum gesteigert wird. Wie es besonders charakteristisch für diese Werkperiode ist, wird in dem hier angebotenen Gemälde in einem saftigen Grünton eine gestauchte Kreisform gebildet und in einem kaum wahrnehmbaren Farbverlauf moduliert und mit sanfter Bewegung erfüllt. Die grüne Form, welche scheinbar schwerelos auf der Bildfläche zu schweben scheint, wird einerseits zum meditativen Sinnbild der Ruhe, andererseits, ganz im Sinne des Geiger'schen Kunstverständnisses, zu einer Kraftquelle, die den Betrachter mit positiver Energie betankt.

Ab 1982 ist Geiger Mitglied der Akademie der Schönen Künste in München. 1987 erhält er vom Kulturzentrum Gasteig in München einen Großauftrag für die Skulptur "Gerundetes Blau". 2009 verstirbt der Künstler in München. [KP].

227
Rupprecht Geiger
496/68, 1968.
Acryl auf Leinwand
Schätzung:
€ 30.000
Ergebnis:
€ 58.560

(inkl. 22% Käuferaufgeld)