Auktion: 401 / Post War/Zeitgenössische Kunst am 08.12.2012 in München Lot 230

 
230
Rupprecht Geiger
693/74 (Farbe ist Licht), 1974.
Acryl auf Leinwand
Schätzung:
€ 18.000
Ergebnis:
€ 23.750

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
693/74 (Farbe ist Licht). 1974.
Acryl auf Leinwand.
Dornacher/Geiger 672. Auf dem Keilrahmen signiert, bezeichnet "Farbe ist Licht Ihr Geiger". Verso bezeichnet "60/70". 70 x 60,5 cm (27,5 x 23,8 in).

PROVENIENZ: Privatsammlung Süddeutschland.

Rupprecht Geiger wird 1908 als einziges Kind des Malers und Grafikers Willi Geiger in München geboren. Seine Kindheit und Jugend verbringt Geiger in München und den Voralpen Oberbayerns. 1924 geht die Familie für ein Jahr nach Spanien, wo Geiger das Colegio aleman in Madrid besucht und seinen Vater auf Reisen zu den Kanarischen Inseln und nach Marokko begleitet. Bereits zu dieser Zeit beginnt Geiger zu zeichnen und zu aquarellieren. 1926, ein Jahr nach der Rückkehr aus Spanien, tritt er in die Architekturklasse von Eduard Pfeiffer an der Kunstgewerbeschule in München ein. 1935 absolviert Geiger das Schlussexamen als Architekt und verbringt ein halbes Jahr mit seinem Vater in Rom. Fortan arbeitet Geiger in einem Münchner Architekturbüro, bis er 1940 an die Front in Russland eingezogen wird. In dieser Zeit entstehen dunkeltonige Landschaftsaquarelle. 1942 kommt Geiger für kurze Zeit wieder nach Deutschland und beginnt durch Vermittlung seines Vaters als Kriegsmaler in der Ukraine zu arbeiten. Nach Kriegsende kehrt Geiger nach München zurück. 1948 wird sein erstes abstraktes Bild im "Salon des Réalistes Nouvelles" in Paris ausgestellt. Ein Jahr später gründet Geiger zusammen mit Baumeister, Matschinsky-Denninghoff und Winter die Gruppe "ZEN 49". In den fünfziger Jahren findet Geiger den für ihn kennzeichnenden Stil. Den von der Weltraumforschung beeinflussten Zukunftsstil der Sixties verarbeitet Geiger in seinen abstrakten und farbintensiven Kompositionen.

"Es geht mir um die Farbe, nur um die Farbe und deren Erkennbarkeit" sagt Rupprecht Geiger selbst zur Hauptaufgabe seiner Kunst (zit. nach: Künstler. Kritisches Lexikon der Gegenwartskunst, München 1988/92, S. 3). Geiger intendiert die Loslösung der Farbe vom Gegenstand, der den Eigenwert der Farbe unterbindet und die Wahrnehmung der reinen Farbigkeit stört. In unserem Gemälde liegt der Fokus auf einem kräftig leuchtenden gelben Farbton, der langsam in immer hellere Gelbwerte moduliert. Damit schafft Geiger für den Betrachter einen Erlebnisprozess, Gelb wird jenseits seiner Bindung an einen Gegenstand oder an eine Form an sich erfahrbar.

In den Jahren 1959 bis 1977 nimmt Geiger mehrmals an der documenta in Kassel teil. 1962 gibt er seine Tätigkeit als Architekt ganz auf, um sich ausschließlich der Malerei zu widmen. 1965 wird Geiger als Professor an die Düsseldorfer Akademie berufen; die Professur nimmt er bis 1976 wahr. Ab 1982 ist Geiger Mitglied der Akademie der Schönen Künste in München. 1987 erhält er vom Kulturzentrum Gasteig in München einen Großauftrag für die Skulptur "Gerundetes Blau". 2009 verstirbt der Künstler in München. Mit seinen abstrakten Farbkompositionen ist Rupprecht Geiger einer der Hauptvertreter der Farbfeldmalerei in Deutschland.[EH]

230
Rupprecht Geiger
693/74 (Farbe ist Licht), 1974.
Acryl auf Leinwand
Schätzung:
€ 18.000
Ergebnis:
€ 23.750

(inkl. 25% Käuferaufgeld)