Auktion: 400 / Moderne Kunst am 08.12.2012 in München Lot 8

 

8
Max Liebermann
Abendliche Straßenszene in einer Stadt bei Regen, 1919.
Kohle
Schätzung:
€ 20.000
Ergebnis:
€ 30.000

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
Abendliche Straßenszene in einer Stadt bei Regen. Um 1919.
Kohle und Tusche, stark laviert und weiß gehöht.
Links unten signiert. Auf feinem Japanbütten. 33,7 x 23,7 cm (13,2 x 9,3 in), blattgroß.
Bei der vorliegenden Arbeit handelt es sich um eine der raren nächtlichen Straßenszenen von der Hand Liebermanns und damit um ein außergewöhnlich seltenes Motiv im Œuvre des Berliner Künstlers.

Mit einer schriftlichen Expertise von Frau Drs. Margreet Nouwen, Max Liebermann-Archiv, Berlin, vom 2. Januar 2012.

PROVENIENZ: Arthur Wagner, Inhaber der Kunsthandlung Emil Richter, Dresden (in den 1920er Jahren direkt vom Künstler erworben).
Privatsammlung Deutschland (bis 1946/47).
Privatsammlung Rheinland.

Bereits als Neunjähriger beginnt Max Liebermann seine unmittelbare Umgebung mit Stift und Papier einzufangen. Als der renommierte Berliner Maler Carl Steffeck Zeichnungen des 15-Jährigen zu sehen bekommt, rät er entgegen den Wünschen der Eltern, dieses Talent unbedingt zu fördern. Er erteilt dem Jungen ersten Unterricht und ermuntert ihn zum Besuch der Weimarer Akademie. Liebermann studiert dort dreieinhalb Jahre bis 1872. Eine Reise nach Düsseldorf führt den jungen Künstler 1871 zu Mihály Munkácsy, einem dort lebenden ungarischen Maler, dessen Realismus ihn begeistert. Unter diesem Eindruck entsteht noch im selben Jahr sein erstes großes Bild "Die Gänserupferinnen". Die ungeschönte Wirklichkeit darin, die bei Kritikern auf herbe Ablehnung stößt, wird von nun an charakteristisch für Liebermanns Darstellungsweise. Die Jahre 1873 bis 1878 verbringt er in Paris und dem Künstlerort Barbizon. Liebermann beschäftigt sich mit der Kunst Millets, dessen Bilder von der Arbeit des einfachen Menschen auf dem Land ihn nachhaltig beeinflussen. Seit seinem ersten Aufenthalt in Holland im Jahr 1871 reist Liebermann regelmäßig dorthin. Er findet hier die geeigneten Motive zu mehreren seiner wichtigsten Werke. Durch sein Engagement, in unpathetischer Schlichtheit das Leben und die Arbeit des einfachen Menschen zur Kunst zu erheben, muss Liebermann stets um Anerkennung kämpfen. Erst als er sich zunehmend Motiven und Szenen aus dem Leben des gehobenen Bürgertums zuwendet, wird er zu einem gefeierten und gesuchten Maler des liberalen Bürgertums der Jahrhundertwende. Die Jahre 1878 bis 1884 verbringt Liebermann in München, bevor er 1884 in seine Geburtsstadt Berlin zurückkehrt. Doch nicht nur als Künstler, sondern auch als Kunstpolitiker nimmt Liebermann einen hohen Rang ein. Bereits Anfang 1892 gehört er zu den Mitgliedern der ersten Sezession Deutschlands, deren Berliner Vorsitz er in den Jahren 1898 bis 1911 innehat.

In der stimmungsvollen "Abendlichen Straßenszene in einer Stadt bei Regen" offenbart sich dem Betrachter Liebermanns technisches und künstlerisches Geschick. Ausgehend von einer Tusch- und Kohlezeichnung überarbeitet der Künstler die Linien mit einem feuchten Pinsel, zieht sie an manchen Stellen nach, um sie an anderer Stelle wieder verschwimmen zu lassen, akzentuiert, verwischt und taucht somit die Silhouetten der spazierenden Menschen, des Pferdewagens und der Baumreihe in die melancholische Stimmung und das kühle Nass eines regnerischen Abends. Mit virtuos gesetzten Weißhöhungen zaubert Liebermann die Reflexionen der Straßenlaternen auf nasses Pflaster und Regenschirme und bringt auf diese Weise in seiner "Abendlichen Straßenszene" meisterlich den Reiz und die Lebendigkeit eines impressionistischen Augenblicks zu Papier.

Berlin ehrt Liebermann mit der Berufung zum Professor an der Königlichen Akademie der Künste. In den Jahren 1920 bis 1932 ist er Präsident der Preußischen Akademie der Künste. Die letzte Zeit seines Lebens verbringt Liebermann zurückgezogen. Im November 1934 erkrankt er schwer und stirbt drei Monate später in seiner Berliner Wohnung. [KH].




8
Max Liebermann
Abendliche Straßenszene in einer Stadt bei Regen, 1919.
Kohle
Schätzung:
€ 20.000
Ergebnis:
€ 30.000

(inkl. 25% Käuferaufgeld)