Auktion: 386 / Moderne Kunst am 10.12.2011 in München Lot 7

 
Ernst Ludwig Kirchner - Dodo mit blauem Hut

7
Ernst Ludwig Kirchner
Dodo mit blauem Hut, 1909.
Kreide
Schätzung:
€ 18.000
Ergebnis:
€ 47.580

(inkl. 22% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Bleistift und farbige Kreide.
Verso mit dem Nachlassstempel des Kunstmuseums Basel (Lugt 1570 b) und der handschriftlichen Registriernummer "St. 214". Auf feinem Velin. 20,1 x 15,6 cm (7,9 x 6,1 in), Blattgröße.
Ausdrucksstarkes Blatt.

Dieses Werk ist im Ernst Ludwig Kirchner Archiv Wichtrach/Bern dokumentiert.

PROVENIENZ: Nachlass des Künstlers.
Galerie Thomas, München.

AUSSTELLUNG: Ernst Ludwig Kirchner. Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen, Graphik, Galerie Wolfgang Ketterer, München, 6.9.-26.10.1985, Kat.Nr. 46 (mit Farbabb.).

Nach dem Abschluss eines Architekturstudiums in Dresden, während dem Ernst Ludwig Kirchner Fritz Bleyl, Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff kennenlernt und mit diesen bereits künstlerisch zusammenarbeitet, entscheidet sich Ernst Ludwig Kirchner gegen den Wunsch seines Vaters ganz für die Malerei. Der intensive Austausch der vier Freunde führt 1905 zur Gründung der Künstlergemeinschaft "Die Brücke" - mit dem Ziel "alle revolutionären und gärenden Kräfte an sich zu ziehen" (Schmidt-Rottluff). Die Künstler beginnen mit den "Viertelstundenakten", den Zeichnungen nach Aktmodellen im Atelier oder in der Natur. Die Gruppe orientiert sich zunächst an Künstlern des Spätimpressionismus. Die Entdeckung der Fauves, der Südsee-Kunst und van Goghs führt die Maler zum Expressionismus. Infolge der Begegnung mit der Kunst der italienischen Futuristen verändert sich der Malstil der Gruppe um 1910, er wird "härter". Ernst Ludwig Kirchner studiert die Plastik im Dresdner Völkerkundemuseum. Unter diesem Eindruck haut und schneidet Kirchner Holzplastiken.

Die große Kunst Ernst Ludwig Kirchners liegt im zeichnerischen Erfassen des spontan Gesehenen. Gleich Adolf Menzel, der ein umfangreiches zeichnerisches ¼uvre hinterlässt, ist Kirchner ein Zeichner in Dauerbereitschaft. Seine Hingabe an die Zeichnung, die er auch schriftlich mehrfach begründet, ist von einer inneren Bestimmung geprägt. Die Zeichnung in ihrer Eigenständigkeit ist sein elementares Anliegen. Das bringt zum einen eine unglaubliche Fülle von Zeichnungen hervor, die quasi Fundus seines künstlerischen Vermächtnisses ist, und zum anderen auch die Einstellung zum Medium an sich verändert, indem sie den Eigenwert der Zeichnung betont. In wenigen Strichen ist hier der Frauenkopf wiedergegeben. Da ist kein Strich zuviel und selbst kleine Korrekturen vervollständigen den Aussagewert dieser intimen Studie, die in ihrer schönen Geschlossenheit viel von dem Wollen des Künstlers aussagt.

1911 übersiedelt Ernst Ludwig Kirchner nach Berlin. Die Großstadt bietet ihm eine Fülle neuer Motive, die Kirchner in vereinfachten, scharf konturierten Formen, expressiven Zügen und grellen Farbkontrasten umsetzt. Diese Großstadtbilder werden zu Inkunabeln des Expressionismus und machen Ernst Ludwig Kirchner zu einem der bedeutendsten deutschen Künstler des 20. Jahrhunderts. Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges und die folgenden Jahre bedeuten einen Wendepunkt in Kirchners Leben. Die Kriegsereignisse und der Militärdienst stürzen Kirchner in existenzielle Angst, führen letztlich zu Krankheit und langen Sanatoriumsaufenthalten. Um so bemerkenswerter ist seine künstlerische Produktion in dieser Zeit. Es entstehen Werke wie der Holzschnitt "Frauen am Potsdamer Platz", die "Bilder zu Chamissos Peter Schlemihl", die Selbstporträts und Holzschnittbildnisse aus den Sanatorien, die zu den Höhepunkten seines ¼uvres zählen.
1917 lässt sich Ernst Ludwig Kirchner in Frauenkirch bei Davos nieder. Den Großstadtbildern folgen nun Gebirgslandschaften und Darstellungen ländlichen Lebens. Um 1920 beruhigt sich seine expressive Malweise, die Bilder erhalten eine teppichhafte Flächigkeit. Daneben entsteht ein bedeutendes grafisches Werk in Form von Holzschnitten, Lithografien und Federzeichnungen. 1923 zieht Ernst Ludwig Kirchner in das "Haus auf dem Wildboden" am Eingang zum Sertigtal, wo Kirchner bis zu seinem Freitod im Jahr 1938 lebt und arbeitet. [KD].

7
Ernst Ludwig Kirchner
Dodo mit blauem Hut, 1909.
Kreide
Schätzung:
€ 18.000
Ergebnis:
€ 47.580

(inkl. 22% Käuferaufgeld)