Auktion: 386 / Moderne Kunst am 10.12.2011 in München Lot 82

 
Otto Dix - Frühling auf der Höri mit Blick auf Steckborn

82
Otto Dix
Frühling auf der Höri mit Blick auf Steckborn, 1946.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 60.000
Ergebnis:
€ 114.680

(inkl. 22% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Öl auf Leinwand.
Nicht bei Löffler. Rechts unten monogrammiert und datiert. 60 x 81 cm (23,6 x 31,8 in).

Mit einer schriftlichen Bestätigung von Prof. Rainer Beck, Coswig, vom 12. Oktober 2011 über die Aufnahme der Arbeit in das von ihm in Vorbereitung befindliche Werkverzeichnis.

PROVENIENZ: Privatsammlung Süddeutschland, direkt vom Künstler erhalten.

Der 1891 geborene Otto Dix wächst in einer sozialdemokratisch gesinnten Familie am Rande der Residenzstadt Gera auf. Nach einer Lehre als Dekorationsmaler und dem anschließenden Besuch der Kunstgewerbeschule in Dresden wird Dix' Ausbildung durch den Ersten Weltkrieg unterbrochen. Vier Jahre lang ist Dix als Soldat in Frankreich, Flandern und Russland. Nach Kriegsende beginnt Dix ein Studium an der Dresdner Kunstakademie und wird zum Mitbegründer und Mittelpunkt der "Dresdner Sezession - Gruppe 1919". Im Herbst 1922 siedelt Otto Dix nach Düsseldorf über und wird an der Kunstakademie Meisterschüler von Heinrich Nauen und Wilhem Herberholz. Die Kriegserlebnisse werden für Dix Auslöser für seine beißend-kritischen Bilder wie u.a. "Der Schützengraben"(1923), welches neben zwei weiteren Gemälden einen Kunstskandal auslöst. Im selben Jahr beginnt Dix als Höhepunkt und Abschluss seines frühen grafischen ¼uvres den Radier-Zyklus "Der Krieg". Nach expressionistischen und dadaistischen Anfängen wendet sich Dix ab 1922 der Neuen Sachlichkeit zu, siedelt im November 1925 nach Berlin über und avanciert zum profiliertesten Porträtmaler der Berliner Bohème und der intellektuellen Gesellschaft der Weimarer Republik. 1927 erhält er eine Professur an der Dresdner Akademie, aus der er 1933 entlassen wird und als "unerwünschter Künstler" schließlich Ausstellungsverbot erhält. Dix siedelt daraufhin nach Randegg bei Singen, drei Jahre später nach Hemmenhofen am Bodensee um. 1945 wird der Künstler zum "Volkssturm" eingezogen und gerät in Colmar in französische Gefangenschaft.

Seit er 1936 in Hemmenhofen am Bodensee ansässig wird, interessiert sich Otto Dix zunehmend für die Landschaften um den Bodensee, die er malend erkundet. Zunächst in akribischer Malweise, angelehnt an die Werke von Cranach, Altdorfer und anderen Meistern der Donauschule, findet Dix im Laufe der Zeit zu einer freieren Auffassung. Die vorliegende Landschaft, die Otto Dix bereits 1944 in gleicher Sicht gemalt hat (Löffler 1944/18), darf als Beleg für diese eher unkonventionelle Art des Umgangs mit Farbe und Form gelten. Eine gewisse Verfremdung der Wirklichkeit, die Dix besonders liebt, lässt sich in der Farbgebung nachvollziehen, die den frühlingshaften Charakter der Landschaft überbetont und damit in eine eher metaphysische Phase hebt.

Nach dem Krieg führen jährliche Arbeitsaufenthalte in Dresden, die Mitgliedschaft an den Akademien der Künste in Berlin-Dahlem und Ostberlin zu einem steten Pendeln über eine Staatsgrenze und zwei Staatskünste hinweg. Dix' Reisen nach Südfrankreich, Italien und Griechenland werden 1962 um einen Studienaufenthalt an der Villa Massimo in Rom und zwei Jahre später um die Ehrenmitgliedschaft an der Florentiner Accademia delle Arti del Disegno bereichert. Seit 1950 kommt es innerhalb seines Spätwerkes zu einer thematisch-stilistischen Wende, die von der urbanen Kultur zum Bukolischen, vom Polemisch-Realistischen ins Heiter-Expressive führt. Dix' Interesse gilt weiterhin dem Porträt, daneben spielen religiöse Themen und die Landschaftsmalerei eine dominierende Rolle. Otto Dix gehört zu den bedeutendsten Künstlern des 20. Jahrhunderts in Deutschland. Sein Werk spiegelt in seiner vitalen Wandlungsfähigkeit die Zäsuren des Jahrhunderts wider, allerdings ohne je die Abstraktion mitzumachen, die Otto Dix bis ins hohe Alter abgelehnt und kritisiert hat. [KD].

82
Otto Dix
Frühling auf der Höri mit Blick auf Steckborn, 1946.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 60.000
Ergebnis:
€ 114.680

(inkl. 22% Käuferaufgeld)