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Auktion: 386 / Moderne Kunst am 10.12.2011 in München Lot 74

 
Conrad Felixmüller - Place Royale, Brüssel, vom Hotel du Globe

Objektbeschreibung
Öl auf Leinwand.
Felixmüller 484. Links unten signiert, datiert und bezeichnet "Brüssel". Auf dem Keilrahmen handschriftlich betitelt und mit dem Künstlernamen bezeichnet sowie bezeichnet "FM 2". 55 x 75 cm (21,6 x 29,5 in).

PROVENIENZ: Privatsammlung Sachsen-Anhalt, 1962 direkt vom Künstler erworben, seither in Familienbesitz.

Nach dem Besuch der Dresdner Kunstgewerbeschule, an der er ein Jahr lang Zeichenunterricht nimmt, tritt Conrad Felixmüller 1912 zuerst in die Privatschule des Künstlers Ferdinand Dorsch und noch im selben Jahr in die Klasse von Professor Carl Bantzer in der Kgl. Kunstakademie in Dresden ein, um seine Ausbildung als Maler zu beginnen. Als Felixmüller 1915 die Akademie verlässt, ist er als freischaffender Künstler in Dresden tätig, hält sich aber öfter in Berlin auf, wo er im Atelier von Ludwig Meidner malt und außerdem an der von Herwarth Walden herausgegebenen Zeitschrift "Der Sturm" mitarbeitet. Mit dem Buchhändler Felix Stiemer zusammen gründet Felixmüller 1917 die Kunst- und Literaturzeitschrift "MENSCHEN", bei der er, ebenso wie bei "Der Sturm", als grafischer Gestalter tätig ist. Daneben finden Ausstellungen bei Hans Goltz in München und zusammen mit Heckel, Kirchner und Schmidt-Rottluff in der Galerie Arnold in Dresden statt. Dorthin übersiedelt Felixmüller 1918. Er wird Gründer und Vorsitzender der Dresdner Sezession und Mitglied der "November-Gruppe". Nebenbei arbeitet er an verschiedenen Zeitschriften mit und veröffentlicht eigene literarische Texte. Felixmüllers bildnerisches Schaffen ist in der Frühphase von starken Einflüssen des Expressionismus bestimmt, den er im sozialkritischen Sinn versteht und bald zu einem expressiven Realismus von individueller Prägung transformiert. In den kraftvollen Linien der Holzschnitte hält er Szenen des alltäglichen Lebens fest. Um 1930 zeigen sich Tendenzen zu einem Wandel, der sich thematisch in einer zunehmend genrehaften, erzählerischen Entwicklung, formal in dem Streben nach einer ruhigeren Bildsprache äußert.

Im Rückgriff auf Vorbilder aus dem Impressionismus, vor allem unter Berücksichtigung der Pariser Stadtszenen von Bonnard und Vuillard, stellt Felixmüller in dieser Sicht aus der Vogelschau seine Impression großstädtischen Lebens im Zentrum von Brüssel dar. Die farblichen Akzente der Komposition werden durch eine regnerische Novemberstimmung bestimmt, die Felixmüller mittels Lichtreflexionen des regennassen Asphalts aufzuhellen sucht. Die Sicht von oben gibt dem Gemälde ein vedutenhaftes Gepräge, das Felixmüller hier detailreich auskostet, dem er aber mittels des vom Bildrand angeschnittenen Autos, der durch das Regenwetter eilenden Fußgänger und der ins Bildgeschehen hineinfahrenden Straßenbahn die Dynamik des Großstadtgeschehens mitgibt.

1933 ist Felixmüller mit 40 Arbeiten in der Dresdner Ausstellung "Entartete Kunst" zu sehen. In der Hoffnung auf freiere Arbeitsmöglichkeiten übersiedelt er 1934 nach Berlin-Charlottenburg. 1937 werden 151 Werke des Künstlers aus öffentlichem Besitz beschlagnahmt. Als 1941 das Berliner Domizil durch Bomben zerstört wird, findet Felixmüller Asyl in Damsdorf in der Mark. 1944 zieht er nach Tautenhain, wird aber noch im selben Jahr zum Kriegsdienst einberufen. Nach kurzer sowjetischer Kriegsgefangenschaft kehrt er 1945 nach Tautenhain zurück. 1949 erfolgt die Berufung zum Professor an die Martin-Luther-Universität in Halle mit einem Lehrauftrag für Zeichnen und Malen innerhalb der Pädagogischen Fakultät. Nach seiner Emeritierung 1961 geht Felixmüller zurück nach Berlin. Ab dem Kriegsende bis zu seinem Tod im Jahr 1977 finden zahlreiche Ausstellungen in beiden Teilen Deutschlands sowie in Paris, Rom, Bologna und Florenz statt. [KD].

74
Conrad Felixmüller
Place Royale, Brüssel, vom Hotel du Globe, 1930.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 20.000
Ergebnis:
€ 54.900

(inkl. 22% Käuferaufgeld)
 


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