Auktion: 386 / Moderne Kunst am 10.12.2011 in München Lot 11

 
Gustav Klimt - Auf einem Sofa liegende Frau

11
Gustav Klimt
Auf einem Sofa liegende Frau, 1916.
Bleistiftzeichnung
Schätzung:
€ 40.000
Ergebnis:
€ 87.840

(inkl. 22% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Bleistiftzeichnung.
Strobl 2563. Mit dem Nachlassstempel. Auf feinem, bräunlichem Papier. 37,2 x 56,9 cm (14,6 x 22,4 in), Blattgröße.

PROVENIENZ: Klipstein und Kornfeld, Bern.
Galerie Kornfeld u. Cie, Bern.
Prof. Walther Kastner, Linz.
Privatbesitz, Linz/Donau.

AUSSTELLUNG: Ausstellung Gustav Klimt, 50 Zeichnungen, Lagerkatalog 61, Klipstein und Kornfeld, Bern 30.11.1957-4.1.1958, Kat.Nr. 12 (mit Abb.).
Künstlersammlung Univ.-Prof. Dr. Walther Kastner, Plastiken, Graphiken, Gemälde, Schlossmuseum Linz, 1975/76.

Gustav Klimt wird 1862 im heutigen XIV. Wiener Bezirk Baumgarten als Sohn eines Goldgraveurs geboren. 1876 beginnt er sein Studium an der Wiener Kunstgewerbeschule. Seine künstlerische Laufbahn steht zunächst unter dem Einfluss Hans Makarts, was vor allem bei ersten Aufträgen für Theaterdekorationen und Deckengemälde sichtbar wird. Um die Jahrhundertwende - Klimt erstellt Wand- und Deckendekorationen für die Universität - entwickelt er einen neuen, flächig-ornamentalen, dekorativen Stil, in dem sich natürlich wiedergegebene Details der Körperformen mit abstrakten, farbig-kostbaren, mosaikartigen Flächenmustern verbinden. Seine Auftraggeber protestieren entschieden und ein Rechtsstreit entbrennt. 1905 schließlich darf Klimt gegen Rückzahlung seines Honorars die Entwürfe für sich behalten. In dem gleichen Zeitraum ist er in der Wiener Secession aktiv, deren Gründungsmitglied er bereits 1897 ist und der er als erster Präsident vorsteht. Für das Secessionsgebäude von Josef Maria Olbrich fertigt Klimt 1902 auch den berühmten "Beethovenfries" an, der noch heute im Untergeschoss des Baus zu besichtigen ist. 1905 jedoch verlässt Klimt mit einer Gruppe Gleichgesinnter die Secession wegen Konflikten mit dem naturalistischen Flügel der Künstlervereinigung. Klimts Motive sind teilweise provokativ erotisch, teilweise verspielt ornamental. Er schafft beeindruckende Porträts, aber auch intensiv verdichtete Landschaftsbilder. Als Liebling bestimmter Kreise der Wiener Gesellschaft der ausgehenden k. u. k. Monarchie vermag er wie kaum ein anderer den Geist des Feudalbürgertums mit seinem Streben nach ästhetischer Kultivierung und dem Verlangen nach gesteigertem Lebensgenuss im Fin-de-Siècle zu schildern.

Der bewegte Strich, die raffinierte Aufteilung des Raumes und die exzentrische Ökonomie der künstlerischen und zeichnerischen Mittel charakterisieren dieses meisterhafte Blatt, welches vermutlich Friederike Beer-Monti, die Tochter des Besitzers der Kaiserbar in Wien zeigt. Im November des Jahres 1915 kommt es im Garten von Klimts Hietzigers Atelier zur ersten Begegnung zwischen der 24-jährigen Großbürgerstochter und dem zugleich durch erotische Zeichnungen provozierenden als auch durch eindrucksvolle Porträts der Damen der Wiener Oberschicht begeisternden Gründungsvater der Wiener Sezession. Klimt kommt Beer-Montis Wunsch, durch ein Bildnis von seiner Hand verewigt zu werden, im Laufe mehrerer Porträtsitzungen nach, im Zuge derer auch einige Zeichnungen entstehen, welche die Porträtierte in unterschiedlichen Posen zeigen. Das vorliegende Blatt, welches anders als die anderen Zeichnungen und das abschließende Gemälde die Porträtierte nicht stehend, sondern vor dem Auge des Malers sinnlich darniedergestreckt zeigt, ist das fesselnde Zeugnis eines Momentes von besonderer Intimität und Intensität zwischen dem erfolgreichen Malerfürsten und seinem jungen Modell.

Die internationale Anerkennung des Künstlers durch zahlreiche Ausstellungen bewegt schließlich auch die konservativen Geister, ihm Ehrung zukommen zu lassen: Obwohl eine Professur Klimts wiederholt abgelehnt worden war, wird er 1917 Ehrenmitglied der Akademien in Wien und München. 1918 stirbt Gustav Klimt nach einem Schlaganfall in seiner Heimatstadt Wien. [JS].

11
Gustav Klimt
Auf einem Sofa liegende Frau, 1916.
Bleistiftzeichnung
Schätzung:
€ 40.000
Ergebnis:
€ 87.840

(inkl. 22% Käuferaufgeld)