Auktion: 380 / Moderne Kunst am 04.06.2011 in München Lot 8

 
Edvard Munch - Porträt Laura Munch

8
Edvard Munch
Porträt Laura Munch, 1882.
Kreidezeichnung
Schätzung:
€ 25.000
Ergebnis:
€ 31.720

(inkl. 22% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Kreidezeichnung
Rechts unten signiert, datiert und bezeichnet "Laura Munch". Verso handschriftlich bezeichnet. Auf festem, bräunlichem Velin. 29,8 x 22,7 cm (11,7 x 8,9 in), Blattgröße
Verso mit zwei kleinen Kreidestudien.

Die Authentizität der Zeichnung wurde vom Munch Museum, Oslo, mündlich bestätigt.

PROVENIENZ: Inger Munch (Schwester von Edvard Munch).

Der norwegische Maler und Grafiker Edvard Munch beginnt nach einem abgebrochenen Ingenieurstudium 1881 mit einer grafischen Ausbildung in Oslo.

Die frühe Porträtzeichnung zeigt Edvard Munch noch ganz im Banne der Tradition des neunzehnten Jahrhunderts. Doch ist bereits eine gewisse Exzentrik in der manierierten Zeichenweise zu erkennen, in der Munch das Porträt arbeitet. Die parallelen Strichlagen, feldartig nebeneinander gesetzt, deuten auf eine Strukturierung der Zeichnung. Frappierend ist die hohe Zeichenkunst des erst Neunzehnjährigen. Hier kündigt sich bereits ein Talent an, das in der Folge zu den bedeutendsten Malern der europäischen Moderne zählen wird.

Bis 1884 studiert Munch in Oslo u.a. bei dem Bildhauer Julius Middelthun und dem Maler Christian Krogh. Schon bald ist Munch als selbstständiger Maler tätig, der mit seinem ihm eigenen Stil das Interesse der breiten Öffentlichkeit weckt. Seine Berliner Ausstellung 1892, die auf Einladung des Vereins Berliner Künstler hin stattfindet, verursacht einen Skandal und führt zur Gründung der Berliner Sezession. Die frühen Gemälde Munchs sind realistische Bilder mit einem stark emotionalen Gehalt - eine Grundstimmung im Schaffen des jungen Künstlers, die sich noch verstärkt, als Munch bei seinen ersten Aufenthalten in Paris um 1890 Toulouse-Lautrec, van Gogh, Gauguin und die Werke der Symbolisten kennenlernt. Ihre Arbeiten nämlich veranlassen ihn nicht nur zu einer größeren Vereinfachung seiner Formensprache, sondern auch durch neue bildnerische Mittel zu einer Steigerung des Ausdrucks. So kommt Munch zu seinem bleibenden Themenkatalog, der seine persönlichen aber doch zugleich allgemeinen Erfahrungen im Bereich psychischer Vorgänge und existenzieller Bedrohung des Menschen umkreist. Mit dunklen, schwermütigen Farben und in großflächig zusammengefassten arabeskenhaften Formen verleiht Munch seinen Bildern, deren Themen Grunderfahrungen des menschlichen Lebens wie Angst, Krankheit, Tod, Einsamkeit und Eifersucht widerspiegeln, ihre expressive dramatische Ausdruckskraft. Vor allem auch in den Radierungen, Lithografien und Holzschnitten finden diese Motive durch die Sparsamkeit der Mittel ihre besonders eindringliche Aussage. Nach einer schweren Nervenkrise kehrt der Künstler, der sich bis 1908 vorwiegend in Paris und Deutschland aufhält, nach Norwegen zurück. 1937 werden 82 Werke Munchs aus deutschen Museen von den Nationalsozialisten als "entartet" diffamiert und verkauft. Aufgrund einer Augenkrankheit, die sich bereits 1930 ankündigt, erschwert sich die Arbeit zunehmend für den Maler. 1944 stirbt Munch auf Ekely. Seinen Nachlass vermacht er der Stadt Oslo, die damit 1963 das Munch-Museum eröffnet. [KD].

8
Edvard Munch
Porträt Laura Munch, 1882.
Kreidezeichnung
Schätzung:
€ 25.000
Ergebnis:
€ 31.720

(inkl. 22% Käuferaufgeld)