Auktion: 381 / Kunst nach 45 / Zeitgenössische Kunst am 04.06.2011 in München Lot 206

 
Fritz Winter - Rot von Unten


206
Fritz Winter
Rot von Unten, 1968.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 40.000
Ergebnis:
€ 57.340

(inkl. 22% Käuferaufgeld)
Öl auf Leinwand
Lohberg Nachtrag N 6. Rechts unten signiert und datiert. Verso signiert, datiert "67-68", betitelt und gewidmet. 130 x 97,5 cm (51,1 x 38,3 in)

PROVENIENZ: Privatsammlung Rheinland.

Im Jahr 1927 bewirbt sich Fritz Winter erfolgreich am Bauhaus in Dessau und studiert dort die folgenden drei Jahre unter anderem bei Klee, Kandinsky, Albers und Schlemmer. 1929 nimmt Winter an der Ausstellung "Junge Bauhausmaler" teil. Er macht die Bekanntschaft von Ernst Ludwig und Erna Kirchner, die er wiederholt in Davos besuchen wird. Nach seinem Studium unterrichtet Winter an der Pädagogischen Akademie in Halle. 1933 folgt ein Umzug nach München, 1935 ein weiterer nach Dießen am Ammersee. Die Nationalsozialisten erklären seine Kunst als "entartet" und Winter erhält Malverbot. Bereits 1939 als Soldat an die Ostfront eingezogen, gerät Winter kurz vor Kriegsende in russische Gefangenschaft, aus der er erst 1949 entlassen wird. Während des Krieges entstehen in kleinen Skizzenbüchern die sogenannten "Feldskizzen", die seine berühmte Werkgruppe "Triebkräfte der Erde" vorbereiten. Unmittelbar nach seiner Heimkehr ist Fritz Winter Gründungsmitglied der Gruppe "ZEN 49" und findet schnell Anschluss an die europäische Avantgarde. Im Rückgriff auf seine vom Bauhaus beeinflussten Arbeiten der 1930er Jahre entwickelt der Künstler eine eigene Formensprache, die ihm neben dem Informel eine Sonderstellung zuweist. Ab 1953 ist Winter Gastdozent an der Landeskunstschule Hamburg, zwei Jahre später erhält er eine Professur an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste in Kassel. Im selben Jahr und nochmals 1959 ist er auf der documenta I und II vertreten. Winter wird mit zahlreichen Preisen geehrt, so erhält er etwa 1956 den Cornelius-Preis der Stadt Düsseldorf sowie 1957 den Internationalen Graphikpreis Tokio. Zum 60. Geburtstag 1965 ehrt man den Künstler mit einer großen Retrospektive in verschiedenen Städten Deutschlands.

Winters großformatige Schöpfungen der 1960er Jahre zählen zu den gefragtesten Arbeiten des Künstlers auf dem internationalen Auktionsmarkt. Während sich die Arbeiten der 1950er Jahre noch durch einen freien, gestischen Farbauftrag im Sinne der informellen Malerei auszeichnen, beginnen sich die feinen Liniengefüge Winters in den 1960er Jahren zu kraftvollen Flächenstrukturen zusammenzuschließen und schließlich in der zweiten Hälfte des Jahrzehntes in ihren Konturen zunehmend zu verhärten. Die vorliegende Komposition, welche sich nicht nur durch ihr Format, sondern auch durch ihre akzentuierte Farbigkeit auszeichnet, ist darüber hinaus ein besonders frühes Beispiel für Winters Schablonenbilder, in denen die klar umrissene Farbfläche zunehmend an Bedeutung gewinnt. Lediglich durch zwei vertikale und einen aufgesplitterten horizontalen Farbstreifen wird die blaue Farbfläche zergliedert und akzentuiert. Entsteht aus der Ferne der Eindruck, dass sich die Linienstrukturen vor der Fläche ausbreiten, so scheinen diese bei näherer Betrachtung - aus der Abfolge des Farbauftrages resultierend - vielmehr in die Tiefe des Farbraumes zurückzuweichen.

Das "Große Bundesverdienstkreuz" erhält er 1969. 1970 erfolgt die Emeritierung in Kassel; Winter lebt seitdem wieder in Dießen. 1975 wird in Ahlen das Fritz-Winter-Haus eröffnet. Am 1. Oktober 1976 stirbt Fritz Winter. Schon zu Lebzeiten zählt der Maler zu den bekanntesten deutschen Künstlern der Nachkriegszeit. [JS].




206
Fritz Winter
Rot von Unten, 1968.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 40.000
Ergebnis:
€ 57.340

(inkl. 22% Käuferaufgeld)