Auktion: 374 / Moderne Kunst am 04.12.2010 in München Lot 6

 
Christian Rohlfs - Liegender Akt (München)


 
6
Christian Rohlfs
Liegender Akt (München), 1911.
Wassertempera
Schätzung:
€ 40.000
Ergebnis:
€ 46.360

(inkl. 22% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Mischtechnik mit Wassertempera auf festem Zeichenkarton (mit Trockenstempel), fest auf Karton aufgelegt
Nicht bei Vogt. Rechts unten monogrammiert und datiert. 47,8 x 64 cm (18,8 x 25,1 in), blattgroßUnterlagekarton: 66,7 x 81 cm (26,2 x 31,9 in).

Mit einer Fotoexpertise von Prof. Dr. Paul Vogt, Essen, vom 4. April 1995.

PROVENIENZ: Privatsammlung Deutschland.

Am 22. Dezember 1849 wird Christian Rohlfs in Niendorf in Holstein geboren. Während eines zweijährigen Krankenlagers von 1864-66 wird Rohlfs von dem Arzt Dr. Stolle betreut, der die malerische Begabung des Jungen entdeckt und fördert. In dieser Zeit entstehen die ersten Zeichnungen. Auf Anraten und Empfehlung Theodor Storms geht Rohlfs zunächst nach Berlin, dann 1870 an die Kunstakademie in Weimar, um Malerei zu studieren. Ein Beinleiden verschlimmert sich in den kommenden zwei Jahren derart, dass ihm 1873 ein Bein amputiert werden muss. Als Historien- und Genremaler findet Rohlfs die Anerkennung des Großherzogs von Sachsen-Weimar, der ihn jahrelang unterstützt. Seine unabhängige stilistische Entwicklung parallel zur Schule von Barbizon und zum französischen Impressionismus ist ab 1888 zu erkennen. Durch die Vermittlung Henry van de Veldes lernt Rohlfs den Gründer des Folkwang-Museums Karl Ernst Osthaus in Hagen/Westfalen kennen. Dieser überzeugt ihn, 1901 nach Hagen überzusiedeln, um eine von ihm geplante Malschule zu leiten - das Vorhaben scheitert jedoch. Während der Sommeraufenthalte in Soest lernt er 1905 Emil Nolde kennen. Der beginnende Expressionismus der "Brücke", dem im Folkwang-Museum frühe Ausstellungen gewidmet sind, entspricht Rohlfs' eigener Tendenz zu expressiver Gestaltung. Prägt nach der Akademiezeit der Impressionismus das Werk von Christian Rohlfs zwanzig Jahre lang, so findet er als Sechzigjähriger zu einem expressiven Spätstil. Bevorzugt verwendet er Tempera auf Leinwand und Papier, daneben entstehen Aquarelle und Druckgrafik.

Der optisch effektvollen Komposition eines liegenden Rückenaktes wird in der vorliegenden Arbeit durch die farbliche Brillanz und die meisterliche Anwendung der Wassertempera eine gemäldehafte Wirkung gegeben. Der bildbeherrschende diagonale Schwung der liegenden Gestalt ist in seiner Aussagekraft durch das kräftige Rot der Beinkleidung entscheidend bestimmt. Christian Rohlfs huldigt hier einer Dynamik des Werklichen, die sich auch in den kräftigen Farbauswischungen fortsetzt. Sie bestimmen den Rhythmus einer Komposition, in der die Technik als Stilmittel bewusst im Gegensatz zum eigentlich kontemplativen Inhalt der Darstellung steht.

Zahlreiche Ehrungen belegen die Anerkennung, die seine späten Arbeiten finden. 1929 wird zum 80. Geburtstag des Künstlers das Christian-Rohlfs-Museum in Hagen gegründet. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wird Rohlfs 1937 aus der Preußischen Akademie der Künste ausgeschlossen. 412 seiner Bilder entfernt man als "entartet" aus deutschen Museen, sein Ausschluss aus der Preußischen Akademie der Künste folgt. Ein Jahr später, am 8. Januar 1938 stirbt Christian Rohlfs in seinem Hagener Atelier. In die Kunstgeschichte geht er als einer der wichtigsten Vertreter des Deutschen Expressionismus ein. [KD].

6
Christian Rohlfs
Liegender Akt (München), 1911.
Wassertempera
Schätzung:
€ 40.000
Ergebnis:
€ 46.360

(inkl. 22% Käuferaufgeld)