Auktion: 371 / Moderne Kunst / Seitenwege der dt. Avantgarde am 22.10.2010 in München Lot 212

 
Alexej von Jawlensky - Große Meditation


 
212
Alexej von Jawlensky
Große Meditation, 1937.
Öl
Schätzung:
€ 38.000
Ergebnis:
€ 39.040

(inkl. 22% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Öl auf festem Papier mit Leinenprägung, auf Karton aufgelegt
Jawlensky 2177. Verso auf dem Unterlagekarton von Lisa Kümmel bezeichnet: "A. Jawlensky IV. 1937 N. 8.". 25,2 x 17,5 cm (9,9 x 6,8 in)Karton: 25,8 x 18,3 cm (10,1 x 7,4 in).

PROVENIENZ: Aus dem Nachlass des Künstlers.
Privatsammlung Schweiz.
Galerie Rieder, München.

AUSSTELLUNG: A Centennial Exhibition of Paintings by Alexej Jawlensky, Leonard Hutton Galleries, New York, Februar-März 1965, Kat.Nr. 75.

Als ehemaliger Offizier beginnt Alexej von Jawlensky erst 1889 in St. Petersburg mit seiner künstlerischen Ausbildung. Er studiert bei Ilja Repin und lernt über diesen Marianne von Werefkin und Helene Nesnakomoff, seine spätere Frau, kennen. 1896 siedelt Jawlensky nach München über, um eine private Kunstschule zu besuchen. Hier lernt er Wassily Kandinsky kennen. Der Künstler unternimmt mehrere Reisen nach Frankreich und kann 1905 im Salon d'automne zehn Gemälde zeigen. Jawlensky trifft zum ersten Mal Henri Matisse. Im Sommer 1908 arbeitet er mit Kandinsky, Marianne von Werefkin und Gabriele Münter erstmals zusammen in Murnau. Hier entsteht auch die Idee zur Gründung der "Neuen Künstlervereinigung München", zu der sich die vier Maler und andere Münchner Künstler 1909 zusammenschließen. Zwei Jahre später wird der "Blaue Reiter" als neue große Idee einer künstlerischen Zusammenarbeit ins Leben gerufen. 1913 nimmt Alexej von Jawlensky am "Ersten Deutschen Herbstsalon" Herwarth Waldens in Berlin teil. Als 1914 der Erste Weltkrieg beginnt, wird Jawlensky als russischer Staatsbürger aus Deutschland ausgewiesen. Er siedelt mit seiner Familie und Marianne von Werefkin nach St. Prex am Genfer See über und lebt bis 1921 in der Schweiz, wo er 1918 mit seinen abstrakten Köpfen beginnt. Anschließend lässt sich Jawlensky endgültig in Wiesbaden nieder. Eine schwere Arthritis-Erkrankung hat eine fortschreitende Lähmung zur Folge, so dass er nur unter Schwierigkeiten malen kann. 1933 wird er von den Nationalsozialisten mit Ausstellungsverbot belegt. Im Jahr darauf beginnt der Maler mit der Reihe der kleinformatigen "Meditationen".
Nahezu in keinem seiner Sujets ist Alexej von Jawlensky "russischer" als in seinen Meditationen. Die Erfragung des Bildhaften im Porträt mündet bei Jawlensky in eine Auseinandersetzung mit dem Abbild an sich, die zur Ikone in des Wortes eigentlicher Bedeutung führt. Fast mit religiöser Inbrunst und von Krankheit gezeichnet, schafft Jawlensky in den späten dreißiger Jahren einen Bildtypus, der unverwechselbar und einmalig mit seinem Werk in Verbindung gebracht wird. Die Meditationen, die er in dieser Zeit oft in schneller Folge malt, sind Ausdruck seines tief in der Religion verwurzelten Seins auf der Suche nach der Reinheit des Transzendenten, das über die Qual der Alltäglichkeit hinausweist. In seinen Meditationen findet Jawlensky zurück zu den Ursprüngen russischer Kunst, den Ikonen, deren jeder Individualität entbehrender Ausdruck seiner Idee vom Urbild entgegenkommt. Selbst in den vielen Variationen, denen Jawlensky seine Meditationen unterwirft, bleibt der Grundtypus immer der gleiche. Es ist das einmal gesehene Ikon, das aus sich heraus eine magische Wirkung entfaltet und so keiner besonderen Interpretation bedarf.
1937 werden 72 seiner Werke als "entartet" beschlagnahmt. Vier Jahre später, 1941, stirbt Alexej von Jawlensky in Wiesbaden. [KD].

212
Alexej von Jawlensky
Große Meditation, 1937.
Öl
Schätzung:
€ 38.000
Ergebnis:
€ 39.040

(inkl. 22% Käuferaufgeld)