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Auktion: 368 / Moderne Kunst am 12.06.2010 in München Lot 52

 
Ernst Ludwig Kirchner - Sitzende am Tisch

Objektbeschreibung

Kreidezeichnung und Farbstift
Im rechten Rand mittig signiert. Verso mit dem Nachlassstempel des Kunstmuseums Basel (Lugt 1570b) und der handschriftlichen Registriernummer "FS Da/Bi 5". Auf Karton. 50,2 x 34,6 cm (19,7 x 13,6 in), Blattgröße

Dieses Werk ist im Ernst Ludwig Kirchner Archiv, Wichtrach/Bern dokumentiert.

PROVENIENZ: Privatsammlung Süddeutschland.

Nach dem Abschluss eines Architekturstudiums in Dresden, während dem Ernst Ludwig Kirchner Fritz Bleyl, Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff kennenlernt und mit diesen bereits künstlerisch zusammenarbeitet, entscheidet sich Kirchner gegen den Wunsch seines Vaters ganz für die Malerei. Der intensive Austausch der vier Freunde führt 1905 zur Gründung der Künstlergemeinschaft "Brücke" - mit dem Ziel "alle revolutionären und gärenden Kräfte an sich zu ziehen" (Schmidt-Rottluff). Die Gruppe orientiert sich zunächst an Künstlern des Spätimpressionismus. Die Entdeckung der Fauves, der Südsee-Kunst und van Goghs führt die Maler zum Expressionismus. Infolge der Begegnung mit der Kunst der italienischen Futuristen verändert sich der Malstil der Gruppe um 1910, er wird "härter". Ernst Ludwig Kirchner studiert die Plastik im Dresdner Völkerkundemuseum und schafft unter diesem Eindruck Holzplastiken. 1911 siedelt Kirchner nach Berlin über. Die Großstadt bietet ihm eine Fülle neuer Motive, die er in vereinfachten, scharf konturierten Formen, expressiven Zügen und grellen Farbkontrasten umsetzt. Die Großstadtbilder werden zu Inkunabeln des Expressionismus und machen Ernst Ludwig Kirchner zu einem der bedeutendsten deutschen Künstler des 20. Jahrhunderts. Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges und die folgenden Jahre bedeuten einen Wendepunkt in Kirchners Leben. Die Kriegsereignisse und der Militärdienst stürzen Kirchner in existenzielle Angst, führen letztlich zu Krankheit und langen Sanatoriumsaufenthalten. Um so bemerkenswerter ist seine künstlerische Produktion in dieser Zeit. Es entstehen Werke wie der Holzschnitt "Frauen am Potsdamer Platz", die "Bilder zu Chamissos Peter Schlemihl", die Selbstporträts und Holzschnittbildnisse aus den Sanatorien, die zu den Höhepunkten seines ¼uvres zählen. 1917 lässt sich Ernst Ludwig Kirchner in Frauenkirch bei Davos nieder. Den Großstadtbildern folgen nun Gebirgslandschaften und Darstellungen ländlichen Lebens.

Der dynamisch-aktive Strich, der in allen Zeichnungen von Ernst Ludwig Kirchner zu verfolgen ist, gibt auch diesem Werk seine entscheidende Prägung. Das gestraffte Formengut, das sich Kirchner im Laufe seines Wirkens erarbeitet hat, wird kompositorisch wirkungsvoll eingesetzt und so das Modell dem Kirchnerschen Formenkanon unterworfen. Große Farbflächen, durch die Strichlagen zeichnerisch betont, vereinheitlichen die Komposition, die in einem gewissen monumentalen Aufbau ihre Erfüllung findet. Die Farben sind Träger der Flächen. Kirchner koloriert nicht, er schafft klare und sichere Aussagen. Die schöne Geschlossenheit gerade dieser Zeichnung ist markantes Beispiel für Kirchners überragendes Zeichentalent.

Um 1920 beruhigt sich seine expressive Malweise, die Bilder erhalten eine teppichhafte Flächigkeit. Daneben entsteht ein bedeutendes grafisches Werk in Form von Holzschnitten, Lithografien und Federzeichnungen. 1923 zieht Ernst Ludwig Kirchner in das "Haus auf dem Wildboden" am Eingang zum Sertigtal, wo er bis zu seinem Freitod im Jahr 1938 lebt und arbeitet. [KD].

52
Ernst Ludwig Kirchner
Sitzende am Tisch, 1932.
Kreidezeichnung
Schätzung:
€ 30.000
Ergebnis:
€ 64.660

(inkl. 22% Käuferaufgeld)
 


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