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Auktion: 369 / Kunst nach 45/ Zeitgenössische Kunst am 12.06.2010 in München Lot 226

 
Gotthard Graubner - Farbraumkörper

Objektbeschreibung

Öl auf Leinwand auf Synthetikwatte auf Leinwand
Verso signiert, datiert sowie mit einem Richtungspfeil und der Bezeichnung "oben" versehen. Auf einem Speditionsetikett bezeichnet "Gelb". 200 x 200 cm (78,7 x 78,7 in)

PROVENIENZ: Privatsammlung Süddeutschland.

Gotthard Graubner wird am 13. Juni 1930 in Erlbach im Vogtland geboren. 1947-48 studiert er an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin, danach bis 1952 an der Kunstakademie in Dresden. Nach der Übersiedlung in den Westen setzt Graubner ab 1954 sein Kunststudium an der Kunstakademie in Düsseldorf fort. In den Jahren 1955-57 löst sich die Bildsprache Graubners von bis dahin verwendeten geometrischen Farbformen. Zunächst in Aquarellen, dann auch auf der Leinwand erprobt er Möglichkeiten des Farbauftrags, die der vielfach aufgetragenen Farbe eine Priorität gegenüber ihrer Begrenzung in Formen und Bildrändern sichern. Diese Arbeiten nennt er Farbräume. Um die räumliche Wirkung der Farbflächen zu verstärken, verlegt sich Graubner Anfang der 1960er Jahre darauf, bildgroße Farbkissen ins Bild selbst zu montieren und später durch ein Perlongewebe zu überspannen. Diese sogenannten "Kissenbilder" werden zuerst vom Düsseldorfer Galeristen Alfred Schmela ausgestellt. Nach einjähriger Tätigkeit als Kunsterzieher erhält Graubner 1965 einen Lehrauftrag an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg, wo er ab 1969 eine Professor für Malerei innehat. 1968 ist Graubner zum ersten Mal auf der documenta in Kassel zu sehen. 1970 treten neben die älteren Werkgruppen "Farbleib" bzw. "Kissenbild" die "Farbraumkörper". Als er 1971 die BRD auf der Biennale in São Paulo vertritt, nutzt er die Gelegenheit zur Weiterreise nach Kolumbien, Peru und Mexiko. Reisen nach Indien und Nepal folgen. 1973 wird Graubner Mitglied der Akademie der Bildenden Künste in Berlin, 1976 erhält er eine Professur für freie Malerei an der Kunstakademie in Düsseldorf. Eine unvergessliche Werkschau findet 1980 in der Staatlichen Kunsthalle in Baden-Baden statt. Im bundesrepublikanischen Pavillon der Kunstbiennale von Venedig ist Gotthard Graubner 1982 mit einem fünfteiligen Farbraumkörper-Ensemble zu sehen.

Die "Farbraumkörper" sind eine ureigene Schöpfung Graubners. In Schichtungen, die um den Keilrahmen herumgezogen werden, sind Leinwände und Synthetikwatte übereinander montiert. Auf dem Boden liegend trägt der Künstler viele dünnflüssige Schichten der Farbe auf. Bis zu 20 Liter Farbe können so Verwendung finden. Graubner umschreitet das Bild beim Herstellungsprozess. Somit wird die Farbe an sich zum Bildgegenstand. Die abgerundeten Bildkanten weichen die gegebene Räumlichkeit auf, so kann die Bandbreite der Farbe "Gelb" durch die verschiedenen Farbnuancen in dieser schönen Arbeit zum Erklingen gebracht werden.

1987 erhält der Künstler den August-Macke-Preis der Stadt Meschede, 1988 den Norddeutschen Kunstpreis. Im selben Jahr schafft Gotthard Graubner für den Amtssitz des Bundespräsidenten in Berlin, Schloss Bellevue, zwei große Bilder. 2001/02 sind die Arbeiten des Otto-Ritschl-Preisträgers im Museum Wiesbaden ausgestellt. Graubner scheint in seinem ¼uvre unbeeinflusst zu sein von den Entwicklungen der Gegenwartskunst. Vielmehr beschreitet er konsequent den einmal eingeschlagenen Weg: Das Eigenleben der Farbe zu entwickeln - befreit von dem Anspruch, etwas anderes darstellen zu müssen als sich selbst - ist das große Thema der Kunst Gotthard Graubners. [EH].

226
Gotthard Graubner
Farbraumkörper, 1982.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 50.000
Ergebnis:
€ 97.600

(inkl. 22% Käuferaufgeld)
 


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